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Vom einen Drachen zum nächsten

Daniel Maximini
 

Und weiter geht’s. ^^ Was auch tun mit dem Urlaub, wenn die Handwerker um 10 sagen „wir kommen morgen wieder, das muss erstmal trocknen...“ ;)

 

<RPG>

#Zeit: MD 3.0315

#Ort: Shuttle Typ II

#Ball: Übungsmission

 

Das war also diese nächtliche Übungsmission... Gut... sie waren im Weltraum, es war immer Nacht.  So etwas wie Schlafstörungen gab es nicht, sondern nur eine unpassende Zeit, Müde zu werden. Kurz kam Grwydro dieser eine Sonnenaufgang auf Bob IV. ins Gedächtnis, den er... sie... Aini einst miterlebt hatte. Bob IV. drehte sich um die Sonne im Bob-System. Soweit nichts Ungewöhnliches. Die Besonderheit war die Nähe zum Inti-System. Die Inti-Sonne war ein Hyperriese mit einer unfassbaren Magnitude von -18 . Das hatte zur Folge, dass sich Bob IV zwar konstant erfolgreich in der habituellen Zone des Sonnensystems lag, Inti aber hell wie eine zweite Sonne am Himmel stand. So kam es manchmal zu Situationen, dass Bob IV. so günstig stand, dass sich die meist gelbe Bob-Sonne sich genau vor den blauen Hyperriesen von Inti schob und somit eine blaue Corona erzeugte. So beeindruckend dieses seltene Himmelsphänomen war, die richtige Schlafenszeit auf Bob IV musste weise gewählt werden, denn manchmal wechselte der blaue Himmel einfach nur in einen grünen Himmel, verlor aber nicht sonderlich an Helligkeit. Der längste Tag auf Bob IV. dauerte nach Erdenmaßstäben drei Wochen. Von daher – was war schon eine Standard-Übungsmission um 0315.

 

Und diese Standard-Übungsmission war insofern auch ideal, dass er von ihrer Machart gar nicht negativ auffallen konnte. Nachdem der Trill übernervös ob der vielen zuvor gelesenen Vitas im Maschinenraum antrat, zeigte sich die EO auch noch als genauso... steril... wie er es befürchtet hatte. Kühl wie der Weltraum in der Öpik-Oort-Wolke. Das machte es nicht besser. Daneben dann Lt. Winterbottom, die zum Glück tatsächlich nicht wirklich vulkanisch wirkte. Neben der EO eine Vulkanierin als „good cop“ im „Good cop, bad cop“-Spiel zu haben, wäre des guten auch zu viel geworden.

 

Und da war sie dann, die Mission. Rette eine flüchtige Botanikerin auf einem Shuttle. Es war eine dieser Missionen, die alles Mögliche braucht... nur keinen COMM. Er war dafür da, Kulturen und Sprachen zu kennen, Codes zu dechiffrieren, mit Leuten und Computern zu sprechen. Und hier ging es um eine Person, deren Sprache jeder kannte, die aber nicht wollte, dass man mit ihr redet. Der Fall war so offensichtlich, dass der obligatorische „rufen sie das Shuttle – keine Antwort“ Dialog gleich zu Beginn weg gelassen wurde. Da das fliegen des Shuttles von Nahima übernommen wurde, war er jetzt nahezu arbeitslos. Und getreu dem Motto „No Flips, no Bullshit“ tat er auch genau das. Keine Vorschläge ob eines knappen Wendemanövers einschließlich Looping. Einfach nur „Kenn deine Aufgabe und halt die Fresse“. Vielleicht einer der großen Unterschiede zwischen Grwydro und der leidenschaftlichen Fliegerin Aini. Wenngleich es in ihm schon etwas zuckte...

 

Als sich als Zusatz zu dieser für ihn doch etwas unterfordernden Mission aber Lt. Cmdr. Zima im Schneidersitz auf den Shuttleboden setzte und mit fast schmollendem Gesichtsausdruck und dem Charisma einer 20sten Jahrhundert Polsat-Moderation von ihrer Belianischen Grippe berichtete, geriet Grwydro an seine Grenzen. Dafür war er an der Kadettenschule nicht in der Theater-Gruppe. Verdammt nochmal, er spielte Alexandre Dumas Cyrano de Bergerac. Er wandelte auf der Bühne wie von Sinnen wegen seiner Roxanne und sprach diese magischen Worte „Ich weiß, ihr triumphiert und bleibt im Rechte. Was liegt daran? Ich fechte, fechte, fechte! Entreißt mir nur den Lorbeer und die Rosen! Mir bleibt ein Gut, trotz aller Stürme Tosen, das niemals ward befleckt im Kampfgefild' und das ich heut, am Ende meiner Tage, getrost zur blauen Himmelsschwelle trage. Dies Gut, es ist?... Es ist . . . mein Wappenschild.“ UND JETZT DAS!

 

Aber gut. Wenn die EO meinte, diese Übung nicht ernst nehmen zu müssen, durfte sie sich nicht beklagen, wenn auch diejenigen, die gerade geprüft wurden die Übung nicht ernst nahmen. Er bediente seine Konsole und drückte ein paar Menüpunkte, ohne eine wirkliche Funktion dabei auszuführen. „Belianische Grippe... der Computer sagt, dass diese hoch ansteckend ist. Verbreitung via Tröpfcheninfektionen. Niemand fasst die erste Offizierin an! Sie auch nicht, Leutnant. Und Leutnant Commander, wenn sie selbst noch in der Lage sind, sich zu bewegen, dann gehen sie doch bitte ins hintere des Shuttles, wo wir einen Biofilter um sie aufbauen können. Und berühren Sie dabei bloß niemanden! Ansonsten bleiben Sie bitte einfach auf dem Bauch liegen und atmen möglichst auf den Boden, bis ich den Biofilter hier um sie aufgebaut habe. Und sagen Sie bitte Bescheid, wenn der Durchfall einsetzt. Der Rest darf sich hiernach auf eine Standarduntersuchung bei Doctor Rubis freuen. Also nach dieser Übung bloß nicht in die Nikobar gehen... kommen wir zu unserem dänischen Shuttle. Ensign Mäkkinen reagiert auf unsere Rufe immer noch nicht. Eine Botanikerin, die auf dem Ort landet, der von jeglichen Blumen am weitesten entfernt ist, lässt auf eine schwere Lebenskrise schließen. Beamen können wir nicht, aber ich denke, als erstes sollten wir vielleicht nah genug ran fliegen, um ein Kraftfeld um das Shuttle zu legen, falls Ensign Mäkkinen auf die Idee kommt, auszusteigen und ein paar Blümchen zu pflanzen. Ich würde derweil beim Counselor anfragen, ob Ensign Mäkkinen in letzter Zeit Verhaltensauffällig war.“

 

Mit einem „weitere Vorschläge, Gegenstimmen?“-Blick schaute er die anderen „Frischlinge“ an. Die Antwort war... Stille. Kurze Stille. Ungesunde Stille. Was nicht an Grwydro lag. Sondern daran, dass der Antrieb des Shuttles aussetzte und das gewohnte Surren des Impulsantriebes dem weltraumtypischen Geräusch des absoluten nichts wich. Lt. Medvedev sprang geradezu zur Konsole und verkündete nach kurzer Zeit, dass zumindest die Steuerdüsen noch gingen und Lt. Thomson fing an, eine Flugbahn um den Asteroiden herum zu kalkulieren, während sie die Galathea rief.

„Das... spricht dann wohl gegen eine Lebenskrise...“ erkannte Grwydro lakonisch und wartete für weitere Aufgaben das Ergebnis des Scans dieses Asteroiden ab.

 

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# Zeit: MD4.1915

#Ort: Deck 9, Turbolift

 

Eine Erdenstudie des Präsident-Dwayne-The-Rock-Johnson-Institutes hatte vor vielen Jahren mal untersucht, welches die größte Furcht des Menschen bei der Nutzung eines Turboliftes war. Und kurz hinter der Furcht, ein knutschendes oder kopulierendes Pärchen bei einem Quickie zu erwischen lag ganz weit oben die Furcht, dass die Turbolifttür direkt in den Weltraum führt und einen in die Weiten des tödlichen Nichts saugt. Eher zu vernachlässigen war die Furcht vor wilden Tieren, die, kaum dass sich die Tür öffnet auf einen zuspringen und dann nach dem erneuten Verschluss der Tür den Liftnutzer genüsslich verspeisen. Dass diese Furcht eigentlich seine Berechtigung hätte, musste Grwydro nun feststellen. Eigentlich wollte er nur noch diesen einen Bericht auf Deck 9 abgeben. Die Tür öffnete sich und auf ihn rannte eine riesige Echse zu. Geistesgegenwertig rückte Grwydro an seiner Brille. Hatte er eine Dioptrie verloren? Nein. Offensichtlich würde er am vierten Tag seines Dienstes von einem wilden Tier gefressen. Einem wilden Tier, dass von einem kleinen Kind geritten wurde.

 

Doch der Trill hatte nicht vor, Kampflos zu gehen. Wozu hatte er schon auf Trill eine defensive Kampfsportart gelernt. Schnell musterte er seine Umgebung. Was hatten wir hier. Ein panisches Tier im Vollgasmodus, auf ihn zu. Darauf ein kleines Kind, dass offensichtlich nicht auf die Echse gehörte. Was würde passieren? Am wahrscheinlichsten war, dass die Echse im Vollsprint in den nun offenen Turbolift rennen würde und ihn dabei mit zurück in den Lift drücken würde. Mehr noch, dass Grwydro zu einer Art Polster wurde, der den Aufprall der Echse an die hintere Turboliftwand schmälern würde. Das Kind würde von der Wucht des Aufpralls sich zudem nicht auf der Echse halten können und hinab fallen. Die Turbolifttür würde sich schließen, das Kind anfangen zu brüllen, die Echse aus der Kombination von Schmerz, der enge des Raumes und dem Geschrei des vor Schmerzen schreienden Kindes noch panischer werden und alle anderen im Raum durch zappelnde Bewegungen in Hackfleisch verwandeln, bevor noch jemand das Wort „Krankenstation“ ausgesprochen hätte.

 

Ergo: Aufgabe 1. Der Echse ausweichen. Aufgabe 2. Das Kind retten, bevor die Echse in den Turbolift weiter gerannt wäre. Aufgabe 3. Die Turbolifttür schließen. Eine Stimme in seinem Kopf sagte so etwas wie „Vertraue der Macht, Grwydro“ aber realistisch betrachtet, standen seine Chancen schlecht, alles so hinzu bekommen. Zum Glück aber hatte der Trill gar nicht die Zeit, sich über all das Gedanken zu machen, denn hier war völlige Spontanität und Geistesgegenwärtigkeit gefragt. Und so trat er instinktiv zunächst nach vorne, dann ein Schritt zur Seite, trat gegen die Wand und stemmte sich dort ab, um irgendwie an das Kind heran zu kommen, während die Echse auf seiner Höhe war. Das klappte alles so halb. Die Echse berührte ihn so halb in der Luft, was Grwydro zusätzlich etwas nach oben schleuderte, vor allem aber wie ein Rotorblatt in der Luft drehte. Eigentlich wollte er das Mädchen unter den Schultern packen und runter ziehen. So aber verkam sein Versuch viel eher zu einem sportlichen Tackle und das wenigste, was ihm noch gelang, war das Kind auf sich zu ziehen, als er aus zu großer Höhe auf den Rücken fiel, die Kleine auf ihn drauf. Das hatte vermutlich beiden gerade sehr weh getan. Auch die Echse kam ein wenig aus dem Tritt, prallte aber wenigstens erfolgreich gegen die hintere Wand des Turboliftes. Kurz schüttelte es sich, drehte sich zu den beiden um, sortierte seine scharfen Krallen und sah dann die Türen des Turboliftes sich vor ihm schließen. „Computer, Turbolift versiegeln...“ gab Grwydro noch von sich, dann widmete er sich den Signalen seines eigenen Körpers. Impuls Nr. 1: Lunge wieder mit Luft füllen. VIEL Luft. SCHNELL. Impuls Nr. 2: Nach dem Kind schauen. Es schien unverletzt, aber mit einem ordentlichen Schrecken versehen. Puh. Impuls Nr. 3... MEHR LUFT! Aus einer eigenartigen Perspektive blickte er kurz danach in die sich über ihn beugenden Gesichter der EO und der CSO. Ihm kam das einzige Wort in den Sinn, dass er momentan aussprechen konnte.

„.... Autsch....“

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#Zeit: MD 3.0315

#Ort: Shuttle Typ II

 

Grwydro wird an Bord des Shuttles in seiner Schauspielerehre beleidigt.

 

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# Zeit: MD4.1915

#Ort: Deck 9, Turbolift

 

Ein Kampf gegen einen Drachen

 

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Viel Spaß noch. ^^