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... und greife nach etwas Neuem. (RPG zum Spielbeginn 2/3)

Christian
 

<NRPG>
Hier der zweite Teil von dreien.
Vielen Dank an alle, die daran mitgewirkt haben.

Viel Spaß,
Effi
</NRPG>
 
</RPG>
 
# Ort: FKOM Mission Control, Kantine
# Zeit: November 2415, an einem trüben Tag, zur Mittagszeit
 
"Habt ihr es schon gehört?" fragte Lt. Rose Smith in die Runde ihrer Kollegen. "Commander Solowyov soll versetzt werden."
 
"Nein?" Arta Idrix, eine rothaarige Betazoidin, war sichtlich überrascht. "In eine andere Abteilung? Hat er sich etwas zu Schulden kommen lassen?"
 
"Wie man hört, soll er ein eigenes Kommando bekommen" stellte Rose richtig.
 
"Das wäre logisch" meldete sich Sivek zu Wort. Keiner wusste so genau, warum der vulkanische Flottenstatistiker immer mit ihnen gemeinsam zu Mittag aß, aber er tat es. "Commander Solowyov hat Kommandobefähigung und ihm wurde bereits einmal ein Schiff angetragen. Nun, im Krieg, werden alle Kräfte gebraucht und so ist es sinnvoll, die Flotte zu verstärken."
 
"Nun, das kommt Ihnen vermutlich entgegen, Lieutenant Melek? Sie sind so still..." merkte Lt. jg. Steven Fry an. Es war ein offenes Geheimnis, dass der Benzite und der Commander in der Vergangenheit häufiger Differenzen hatten. Egal was der eine sagte - der andere schien es immer anders zu sehen. Das hatte in den letzten Wochen, seit Melek hier war, immer wieder zu Störungen im Ablauf geführt. Viele hatte geglaubt, dass der Benzite die Abteilung bald wieder verlassen würde - nun schien es anders herum zu kommen.
 
"Ich werden ebenfalls gehen" sagte der Benzite da, mit ruhiger Stimme. "Und Cmdr. Solowyov auf sein Schiff begleiten." Er sah in ungläubige Gesichter. Das konnte er den anderen auch nicht verübeln - schließlich konnte er es selbst kaum glauben.
 
***
 
# Ort: FKOM Mission Control, Büro Cmdr. Solowyov
# Zeit: November 2415, an einem trüben Tag, 09:00 Uhr
 
"Sie wollten mich sehen, Commander?" Der 173cm große Benzite stand aufrecht vor dem Tisch seines Vorgesetzten und fragte sich, was für Streitpunkte wohl diesmal auf dem Tisch lagen. Seit er in diese Abteilung versetzt worden war, gab es eigentlich immer nur Konflikte. Dabei schien es ihm nicht so, dass der Commodore oder er besonders streitsüchtig wären. Sie hatten einfach nur verschiedene Meinungen. Unglücklicherweise zu fast Allem.
 
"Ja, danke, Lieutenant. Bitte, stehen Sie bequem oder nehmen Sie Platz, ganz wie es Ihnen lieber ist."
 
"Danke, Sir. Ich bevorzuge es, stehen zu bleiben" antwortete der Benzite und nahm eine bequemere Haltung an. Für einige Momente wurde es still im Raum. Nur das leise Geräusch von Meleks Atemgerät war zu hören, da der Benzite sich geweigert hatte, die genetische Anpassung vornehmen zu lassen.
 
Aleksander brauchte einen Augenblick, um zu überlegen. In seinem Kopf war dieses Gespräch einfacher gewesen. Unwillkürlich strich er seine Uniform glatt und setzte sich noch aufrechter als er eben bereits gesessen hatte, hin.
"Nun, Lieutenant - mir ist bewusst, dass unsere Zusammenarbeit in den letzten Wochen nicht unbedingt harmonisch war..." begann er. "Ihre Analysen und die meinen waren oft sehr unterschiedlich, was einen Konsens über das richtige Vorgehen jeweils schwierig machte. Mir ist auch bewusst, dass ich Sie mehrmals überstimmt habe - vielleicht auch dann, wenn ich es nicht hätte tun sollen..." Er faltete die Hände. "Dennoch bin ich mit ihrer Arbeit zufrieden. In der Tat so zufrieden, dass ich ein Lob für ihre Akte verfasst habe." Er reichte dem Benziten ein PADD, auf dem dieser eine Kopie des Aktenvermerks lesen konnte. "Das soll keine Entschuldigung sein - Sie haben sich dieses Lob ehrlich verdient. Denn auch wenn unsere Ansichten unterschiedlich waren, waren ihre Analysen doch immer fundiert ausgearbeitet und begründet. Auch habe ich unsere Meinungsverschiedenheiten nie als aggressiv, sondern stets als sachlich und konstruktiv empfunden. Ich kann mir vorstellen, dass Sie es hier weit bringen können..."
 
Der Benzite hatte das PADD entgegen genommen, das Dokument gelesen und dann das PADD wieder abgelegt.
"Danke, Sir." antwortete er, in einem eher neutralen Tonfall. Er freute sich, aber irgendwie schien sein Vorgesetzter noch nicht fertig zu sein.
 
".. und so verlange ich vermutlich sehr viel, wenn ich Sie bitte, mich zu begleiten."
 
"Sir?" Nun war Melek doch überrascht. Begleiten? Wohin? Warum?
 
"Ich werde Mission Control voraussichtlich zum Jahreswechsel verlassen. Man hat mir das Kommando über die USS Galathea, einem Schiff der Sovereign Klasse angeboten und ich habe es angenommen. Derzeit stelle ich meine Crew zusammen. Und nach reiflicher Überlegung möchte ich Ihnen die Position des 2O / OPS anbieten."
 
Melek war wie von Donner gerührt. Hatte er sich gerade verhört? Ein Posten als Zweiter Offiziers?
"Aber.. warum?"
 
"Wie ich sagte: Ihre Analysen waren stets fundiert und gut begründet. Und auch wenn unsere Zusammenarbeit in der Vergangenheit nicht einfach war, so war sie konstruktiv. Die USS Sovereign wird nicht an die Front gehen. Stattdessen werden wir in einem viel größerem Minenfeld operieren: der Diplomatie. Und wir werden Zivilisten an Bord haben. Familien. Da brauche ich keinen Ja-Sager. Ich brauche jemanden, der bewiesen hat, dass er selbst denken und eine anderslautende Meinung auch gegenüber Vorgesetzten sachlich, aber bestimmt, vertreten kann. Ich brauche aber auch jemanden, der nicht gleich beleidigt ist und der die Grenze zwischen 'anderer Meinung' und 'Insubordination' kennt. Also sind Sie der perfekte Kandidat."
Er setzte ein schiefes Lächeln auf. Er konnte sich vorstellen, dass nicht viele COs so einen Schritt gehen würden. Lt. Melek würde ihm aber wertvolle andere Optionen und Sichtweisen bieten und sich noch dazu gut mit Lt. Cmdr. Zima ergänzen.
"Ich kann Ihnen nicht versprechen, dass es leicht werden wird. Vermutlich werden wir auch in Zukunft häufig anderer Meinung sein. Und ich kann verstehen, wenn Sie lieber woanders hin wollen. Ich schreibe Ihnen jede Empfehlung, die...."
 
"Wann soll ich mich wo einfinden?"
 
Nun war es an Aleksander für einige Momente überrascht zu sein. Dann wurde sein Lächeln breiter.
"Ich schicke Ihnen alles zu. Willkommen an Bord, Lieutenant."
 
***
 
# Ort: USB Ganymed, eine schäbige Weltraumbar
# Zeit: Dezember 2415
 
"Sie sind hier falsch, Commander" brummte die dunkelhaarige Jüdin, deren Lederkluft sie als 'hart' deklarierte und die mit einem Wall aus Flaschen klar gemacht hatte, dass sie keine Gesellschaft wünschte.
 
"Das sehe ich anders, Ms. Zima" lächelte Aleksander.
 
"Na, Captain Zima reicht" brummte die Polin, starrte Aleksander an. "Ich kenne Sie irgendwoher."
 
"Captain eines auseinanderfallenden Frachters" nickte der Russe. "Ich würde lieber gerne mit Lt. Cmdr. Zima sprechen, die auf der Firebird einen verdammt guten Job gemacht hat."
 
"Pff. Gibt keine Lt. Cmdr. mehr. Bin ausgeschieden. "
 
"Ich weiß. Ich habe den Fall verfolgt. Und ich glaube immer noch, dass Sie richtig gehandelt haben."
 
"Das hätten Sie mal dem Gericht erzählen sollen. ... Jetzt habe ich's - Solowyov. FKOM OPS, richtig?"
 
"Richtig. Aleksander Solowyov. Allerdings nicht mehr lange in Mission Control."
 
"Und was kann ich für Sie tun... Sir?"
 
"Ich suche eine Crew für eine Sovereign Class, die demnächst unter meinem Kommando aufbrechen wird. Und ich möchte Sie dabei haben."
 
"Herzlichen Glückwunsch. Aber wieso mich? Fehlt noch jemand in der Frauenquote? Wollen Sie auch mal meinen Po tätscheln?" fragte sie bissig.
 
Aleksander atmete tief durch: „Es ist mir, mit Verlaub, total egal, ob sie Frau, Mann, ein frisierter Kühlschrank oder ein metrosexueller Efeu sind – ich brauche jemanden, der den Job erledigt. Ich kenne ihre Akte, ich kenne die Missionsberichte und ich weiß, dass sie die Person sind, auf die ich mich im Zweifel verlassen kann. Ich weiß auch, dass Sie den Job hassen werden – jedenfalls den Teil, bei dem sie für die Wehwehchen von Crew und Passagieren zuständig sind. Aber sie werden sich daran gewöhnen. Und sie kommen wieder in den Weltraum, auf ein anständiges Schiff. Also – wollen Sie den Posten als meine EO?“
 
"Do jasnej cholery!" entfuhr es der überraschten Polin und sie richtete sich auf. Beinahe ungläubig sah sie Aleksander an.
"Wenn das ein Scherz sein soll..."
 
"Ich scherze nicht. Ich habe ziemlich freie Hand, was die Besetzung angeht. Und ich kriege sie wieder in die Flotte. Ich kann den Makel in ihrer Akte nicht tilgen - aber ich kann ihnen eine Chance geben, es allen zu zeigen."
 
"Und warum sollte ich das tun?" brummte Ewa.
 
"Weil sie Offizierin sind. Weil sie mehr sind, als die Kutscherin für irgendeinen Kahn. Und weil sie das Abenteuer dort draußen hören können." Er lächelte, schob ihr einen Datenchip rüber. "Ich erwarte Sie zur Einweihung. Ort und Datum finden Sie auf dem Chip."
Er erhob sich, schob den Stuhl an den Tisch und wandte sich um.
 
Die Polin sah ihm nach. Erst als er an der Tür angelangt war, rief sie: "Und was, wenn ich nicht komme?"
 
"Das werden Sie"
 
***
 
# Ort: USB Ganymed, Dr. McCoy Gedächtnisklinik
# Zeit: Dezember 2415

Ein vielleicht 9 jähriger Junge lag in dem einzigen Bett des Zimmers. Seine Eltern standen daneben und ihr Blick hing an den Lippen der Ärztin, welche gerade mit ihm sprach. Sie lächelte dabei. Aleksander betrachtete dieses Bild von der Tür aus. Als er nach Helena Rubis gefragt hatte, war er in dieses Zimmer verwiesen worden. Inzwischen strahlte auch der Junge sie an, obwohl er insgesamt noch recht blass wirkte. Jedoch seine Augen leuchteten und als sie ihm kurz zum Abschied über den Kopf strich, strahlt er, obwohl er sich für solcherlei Zärtlichkeiten doch eigentlich zu cool fühlte.

Nachdem sich Helena von ihrem Patienten und seinen Eltern verabschiedet hatte wandte sie sich zur Tür. Kurz stockte sie, dann erschien wieder ihr Lächeln auf den Lippen als sie zu ihrem Besucher eilte. "Aleksander, was führt dich zu mir!"

Sie schloss die Tür des Patientenzimmers hinter sich und trat auf den Gang, auf dem rege Betriebsamkeit herrschte. Aleksander sah sich um "Hast du einen Moment Zeit für mich?" Helena sah nach der Zeit. "Ich habe noch eine Stunde bis zur Teambesprechung, also... komm mit in mein Büro." Sie wollte in Richtung ihres Büros eilen, da huschte ein besorgter Zug über ihr Gesicht und sie blieb wieder stehen. "Ist etwas mit Ji-Yeong?" Erst als Aleksander den Kopf schüttelte, wandte sie sich wieder um und hieß ihn mit einer Handbewegung ihr zu folgen, als sie mit raschen Schritten vorauseilte.

***
 
# Ort: USB Ganymed, Dr. McCoy Gedächtnisklinik, Büro der Oberärztin Dr. Rubis
# Zeit: Kurz darauf

Helena blickte sich in ihrem Büro suchend um, um für Aleksander einen freien Platz zu schaffen. Kurzerhand nahm sie einen Stapel Bücher von einem Stuhl und packte diesen neben ihren Schreibtisch.

"Möchtest du etwas trinken?" Sie eilte zum Replikator, hob das darin stehende Modell eines denobulanischen Herzes heraus und stellte es auf den Bücherstapel vor ihr und drehte sich fragend zu Aleksander um. "Ich vermute, gelber Tee?"

"Gerne, danke".

Als sie beide mit Getränken versorgt waren, setzte sich Helena und blickte Aleksander an. "Ich freue mich, dich zu sehen. Wie geht es Ji-Yeong?"

Alexander lächelte. "Oh, ihr geht es gut. Auch wenn sie vermutlich gerade wieder mit irgendetwas hadert. Das Leben mit einem Teenager ist nicht immer leicht."

Helena lachte. "Glaube mir, als Teenager ist das Leben mit einem Vater auch nicht immer leicht. Aber das ist normal. Ich fürchte sie wird erwachsen. Und ich vermute fast, sie wird sich vor Verehrern kaum retten können?"

"Das hat zum Glück noch etwas Zeit. Hoffe ich zumindest" winkte er ab. Aleksander glaubte, dass seine Tochter ihm erzählen würde, wenn es da jemanden gäbe. Aber sicher sein konnte man sich dessen natürlich nie. "Und wie geht es dir?" wollte er dann von der Mailänderin wissen.

"Danke. Wie du siehst, habe ich mich eingerichtet. Habe hier, auf Ganymed, eine kleine Wohnung. Die Arbeit im Krankenhaus macht mir Spaß. Nein, es gibt immer noch keinen neuen festen Partner in meinem Leben" arbeitete sie die Frage ab.

Der ihr gegenüber sitzende Russe nickte. Aleksander war nun einmal der beste Freund ihres Ex-Mannes und im Laufe der Jahre auch ihr ein Freund geworden. Manche Themen kamen da zwangsläufig auf den Tisch. Aleksander hatte aber nicht vor, diesen Teil des Gesprächs zu vertiefen. "Könntest du dir eine Veränderung vorstellen?" fragte er dann, aus heiterem Himmel.

Helena erstarrte förmlich, ließ die Tasse für einige Augenblicke in der Luft, ehe sie diese wieder abstellte, ohne erneut davon zu trinken. "Wie meinst du das?"

"Man hat mir ein Kommando angeboten. Die USS Galathea, eine Sovereign Klasse - frisch vom Dock. Wir sollen die Präsenz im Alpha-Quadranten aufrecht erhalten - und dabei Oktens Wiege erkunden. Hunderte von Sonnensystemen, dutzende von Spezies über die wir kaum etwas wissen. Dazu einige Protosterne, intergalaktische Wolken und Vieles mehr. Und ich brauche noch eine Chefmedizinerin."

"Und da kommst du zu mir?" fragte Helena, ein wenig ungläubig.

"Die meisten Anderen könnte ich allein mit der Aussicht auf eine Mission in einem noch fast unerforschten Sektor locken. Alle paar Tage ein neues Phänomen, alle paar Woche eine neue Spezies..." Er sah sie an. "Du bist deswegen zur Sternenflotte gegangen, damals, nicht?" Er strich mit der Hand über die Bücher in ihrem Regal. "Aber du hast auch hier Verantwortung und fühlst dich wohl..." Sein Blick glitt aus dem Fenster hinaus, erfasste die Aussicht von ihrem Büro. "Ich brauche dich, Helena" sagte er dann plötzlich, und drehte sich wieder zu ihr um, lehnte sich an den Schreibtisch. "Das ist mein erstes eigenes, richtiges Kommando. Ich bin nicht nur für Mitglieder der Sternenflotte verantwortlich - sondern auch für deren Familien. Und für Ji-Yeong. Ich brauche jemanden, auf die ich mich verlassen kann, wenn es haarig wird. Jemanden, der sich wirklich um das Wohl aller sorgt. Mit der ich zusammenarbeiten kann. Die mich und meine Schwächen kennt - mit der ich aber nicht wochenlang Kompetenzkämpfe ausfechten muss, weil wir schon wissen, was wir aneinander haben. Bitte."
 
Sie strich sich mit der rechten Hand über den Kopf, zerstrubelte dabei ihre Haare und blickte Aleksander dabei an. "Weißt du eigentlich, was du da von mir verlangst? Ich werde auch hier gebraucht!" Sie schob ihm einen Stapel Paddakten hinüber. "Das hier -" Ihre Handbewegung umfasste nicht nur den Inhalte des Schreibtischs, sondern auch das Chaos daneben - Bücherstapel, ein paar Modelle "...sind meine Patienten! Ich kann sie nicht einfach im Stich lassen!" Sie sah ihm in die grauen Augen. "Hast du denn niemanden sonst den du fragen kannst? Und...." Sie zögerte kurz "...weiß Marcus, dass du mich ausgerechnet auf dein Schiff holen willst?"
 
"Wir sollen in ein paar Tagen aufbrechen. Alle Ärzte, denen ich diesen Posten zutraue sind entweder auf Grund des Krieges unabkömmlich - oder wie du nicht in der Flotte. Von letzteren waren nur sehr wenige auf der Akademie und sind somit qualifiziert." Er schüttelte den Kopf. "Nein, ich habe niemand anderen. Und um ehrlich zu sein: Ich will auch niemand anderen" Er wirkte ernst. "Und natürlich weiß Marcus Bescheid. Er war nicht begeistert. Aber er hat mir viel Glück gewünscht." Er machte eine kurze Pause. "Er wünscht dir immer noch alles Gute, das weißt du, oder?"
 
"Natürlich weiß ich das" Helena seufzte. "Ich kann hier aber nicht einfach so von heut auf Morgen verschwinden. Ich habe Verantwortung für meine Patienten und meine Mitarbeiter übernommen." Sie runzelte verärgert die Stirn. "Ich muss nachdenken... und das klären. Ich melde mich morgen, okay?" Sie konnte und wollte nicht so spontan zusagen. Sie hatte sich hier eingerichtet und es ging ihr gut! Natürlich reizte sie auch ein neues Abenteuer. Aber konnte man sowas nicht etwas langfristiger planen?
 
"Okay." Er erhob sich. "Danke, dass du darüber nachdenkst, Helena" sagte er. "Ich höre morgen von dir" Er beugte sich vor, um ihr - wie gewohnt -je einen Abschiedskuss rechts und links zuzuwerfen, ohne sie dabei wirklich zu berühren. Er wusste, dass er sie nicht drängen durfte. Wenn sie sofort alles stehen und liegen gelassen hätte, wäre sie nicht die Richtige gewesen.
 
***
 
# Ort: USB Ganymed, Flugdeck 11, Wartungshalle
# Zeit: Etwa 45 Minuten nach dem Verlassen der McCoy-Gedächtnisklinik
 
"Was machst du denn da? Njet, njet, njet - so macht man das nicht! Wo hast du das denn gelernt - beim Modellbauer?"
 
Der angesprochene Techniker duckte sich unter den Worten des russischen Riesen, der quasi plötzlich hinter ihm aufgetaucht war.
"Äh, Sir, so steht es im Handbuch für..."
 
"Handbuch? Jeder Scheiß steht im Handbuch. Sogar viel Scheiß. Vor Allem wenn das Handbuch für Revision 17.3.8 geschrieben ist, das Shuttle aber schon Revision 17.4.23 ist. Haben die Platine ausgetauscht." Die riesige Hand des Technikers zeigte auf eine Plantine, deren Steckplätze fast so aussahen wie die im Handbuch. Aber eben nur fast. "Man kann es so machen wie im Handbuch, aber dann bricht man sich die Finger. Und das Teil hat hinterher zu viel Spiel."
Gerade als der Techniker antworten wollte, hörte Sergej, wie jemand näher trat und wandte sich um. Der stechende Blick seiner grauen Augen traf zuerst die Leiterin der Shuttle-Abfertigung, eine junge Ensign aus Tansania, und dann den hinter ihr gehenden Menschen in der Uniform eines kommandierenden Offiziers, der eine zylindrische Schachtel in Händen trug. Drei volle Pins am Kragen, also Commander.
"Dies ist ein Wartungsbereich. Zutritt nur für Befugte" brummte Sergej fast automatisch.
 
"Lieutenant, der Commander hier hat darauf bestanden, Sie persönlich zu sprechen." antwortete die junge Ensign. Sie wirkte nicht nur von der großen, breiten Gestalt des Ingenieurs eingeschüchtert - sie war es auch. Aber dann gab es auch noch Ränge...
 
"Nett, dass Sie den weiten Weg hier runter unternommen haben, Commander. Aber wenn es wegen eines Shuttles ist: Es dauert so lange, wie es dauert..." Was war immer nur mit den Offizieren los? Vor Kurzem hatte er sogar einen leibhaftigen Admiral hier unten gehabt, der geglaubt hatte, er könne mit seinem Rang die Wartungsarbeiten beschleunigen.
 
"Danke, aber mit meinen Shuttles ist, soweit ich weiß, alles in Ordnung, Lieutenant Medvedev" lachte der Angesprochene. "Hoffe ich zumindest - die sind nämlich neu." Er nickte der Ensign zu. "Danke, Ensign, für's herbringen. Sie können gehen." Die junge Frau grüßte und zog sich zurück, froh ihre Pflicht getan zu haben.
 
Sergej runzelte die Stirn und besah sich den fast 20 Zentimeter kleineren Commander noch einmal genauer. "Kennen wir uns?"
 
"Na, ich hoffe doch." antwortete sein Gegenüber. "Aleksander Solowyov." Er wartete einen Moment. "USS Ghandi?"
 
"Oh!" Sergejs Gesicht hellte sich auf und er lächelte breit. "Natürlich! Commander Solowyov! Schön Sie zu sehen. Hätte gedacht, dass Sie schon lange Captain sind! Verzeihung."
 
"Nun, es gab ein paar... Hindernisse." wischte Aleksander diese Bemerkung beiseite. "Aber es freut mich sehr, dass Sie den Ratschlägen offensichtlich gefolgt und Offizier geworden.." In diesem Moment übertönte lautes Maschinengeräusch die Worte des Endvierzigers und ließen ihn kurz zusammen zucken, als der Lärm in den Ohren schmerzte. "Können wir vielleicht an einen Ort, an dem man sich besser unterhalten kann?" schrie er über den Lärm, woraufhin Sergej nickte und in Richtung eines kleinen Büros zeigte.
 
***
 
# Ort: USB Ganymed, Flugdeck 11, Büro des Shuttlepool-Leiters
# Zeit: Kurz darauf
 
"Ah, besser" seufzte Aleksander, als Sergej die Tür des Büros geschlossen und den Lärm damit ausgesperrt hatte. Der Commander sah sich in dem kleinen Raum um, dass neben einem sauberen Schreibtisch mit Terminal vor Allem Regale und Schränke enthielt, die mit allerlei Ersatzteilen vollgestellt zu sein schienen. Während Sergej einen Stuhl für seinen Besucher frei räumte, stellte dieser den mitgebrachten Zylinder auf den Tisch und nahm den Deckel ab. Er griff hinein und holte eine facettierte Flasche mit einer klaren Flüssigkeit heraus, die er auf den Tisch stellte.
 
"Oh, ist das...?"
 
Aleksander nickte. "Ein Gastgeschenk" sagte er, nahm dann Platz.
 
"Dann müssen Sie aber auch einen mit mir trinken!" rief Sergej aus und suchte Gläser.
 
"Danke, nein. Medizinische Gründe."log Aleksander. Nun eigentlich war es nur eine Notlüge, denn traditionell war das so ziemlich die einzige Begründung, wie ein Russe in der Gesellschaft anderer Russen sich dem Vodka-Konsum entziehen konnte.
 
"Das ist ein hartes Los!" brummte Sergej, stellte die Gläser erst einmal unbenutzt auf den Tisch und nahm die Flasche in die Hand, um sie zu betrachten.
 
"Lieutenant junior grade also. Und Leiter des Flugdecks. Nicht schlecht." nahm Aleksander nun wieder das Gespräch auf.
 
"Ach, das ist doch gar nichts. Nur eine Übergangslösung. Ein Gefallen, den ich einem meiner ehemaligen Ausbilder tue" wiegelte er ab. "Eigentlich habe ich hier kaum was zu tun..."
 
"Außer grünen Technikern zu sagen, dass Handbuch und Realität selten zusammen passen" kicherte sein Gegenüber.
 
"Genau. Ich frage mich manchmal, was man den Leuten heute bei bringt. Nur Theorie! Die meisten, die hier anfangen, haben noch nicht ein Mal ein Plasmaüberhitzungsschutzventil getauscht, geschweige denn einen Impulsspulen-Ionenladungsrichtungswechselkompensator auseinander gebaut!" ereiferte sich der in Moskau geborene Techniker.
 
Aleksander hatte keine Ahnung, warum man letzteres tun sollte, nickte aber bei pflichtend.
"Sie wollen also auf ein Schiff?" fragte er, eher beiläufig, als sei man noch im Smalltalk.
 
"да! Natürlich!" sagte Sergej entschlossen.
 
"Was halten sie von einer Sovereign Klasse?"
 
"Mmh?" Sergej war ein wenig verblüfft. Wo kam denn diese Frage her? Er rieb sich ein wenig über das Kinn. "Schöne Schiffe. Aber Wartungsintensiv. Besonders die Schilde und der Antrieb. Brauchen gute Pflege." Er zuckte mit den Achseln. "Soweit ich hörte, werden aber keine mehr gebaut. Ist die Letzte nicht vor ein paar Wochen vom Stapel gelaufen?"
 
"Die Vorletzte" sagte Aleksander. "Die Letzte hat in wenigen Wochen ihre Taufe. Das wird meine."
 
Sergej nickte automatisch, bis ihm dämmerte, was Aleksander da gerade gesagt hatte.
"Ihr Schiff? Also... ein Kommando?"
 
"Ja. Die USS Galathea ist ein nagelneues Schiff der Sovereign Klasse, im Nereus Refit, und wird mein Kommando. Sie soll im Tzenkethi-Raum Präsenz zeigen und die Breen sowie Ferengi im Auge behalten. Und wie es der Zufall will, brauche ich noch einen Chefingenieur. Interesse? "
 
"Chefingenieur, auf einer Sovereign?" Nun war Sergej doch etwas nervös und kratzte sich am Kopf.
"Da gibt es doch sicher besser ausgebildete Kandidaten. Ich habe meistens nur Shuttles..."
 
"Mr. Medvedev... Sergej..." er wurde vertraulicher. "Ich kenne ihre Akte. Und viel Wichtiger - ich kenne Sie. Vielleicht nicht so lange - aber ich habe gesehen, wie Sie sich damals auf Ghandi reingekniet haben. Deshalb habe ich Ihnen damals geraten, die Offizierslaufbahn anzustreben. Und hier sitzen Sie nun vor mir, mit eineinhalb Pins am Kragen. Sie haben sich durchgeboxt, haben Praxiserfahrung - und sind, so ganz 'nebenbei', Spezialist für Antriebssysteme. Und nun versauern Sie hier und warten wieder Shuttles. Teufel nochmal, ich wäre verrückt, würde ich Ihnen dieses Angebot nicht machen! Also, mit wem muss ich....?"
 
Sergej war wie vom Donner gerührt dagestanden, doch nun stürmte er regelrecht auf Aleksander zu, der gerade noch aufstehen konnte, bevor der Moskauer ihn umarmte. "Спасибо!" bedankte er sich und drückte seinen zukünftigen kommandierenden Offizier.
 
"...Luft..!"
 
***
 
# Ort: USS Kirk, Quartier der stellvertretenden CSO
# Zeit: Nikolaus 2415, 19:45 Uhr abends
 
[Beep] [Beep] [Beep]
Nahima blickte genervt zu dem blinkenden Terminal, dass eine eingehende Subraum-Nachricht anzeigte. Sie hatte gerade erst ihre Schicht hinter sich gebracht und war duschen gewesen - zur Feier des Tages nicht unter der Schalldusche, sondern mit echtem Wasser, weswegen sie aktuell nicht viel mehr als ein großes Handtuch trug.
 
Wer konnte das denn sein? Vom Schiff sicherlich niemand - die Nachricht kam von außerhalb. Vermutlich wieder ihre Mutter, die sich erkundigen wollte, wie es ihr ging. Die schlanke Frau mit den rabenschwarzen Haare verdrehte die Augen und seufzte.
"Computer, Gespräch annehmen" befahl sie, nur halb zum Terminal gewandt und dieses mit nur einem Auge betrachtend.
"Hallo, entschuldige..."
Sie stockte, als statt der vertrauten Gestalt ihrer Mutter (oder vielleicht die ihres Vaters) eine gänzlich andere Person zu sehen war.
 
["Ich hoffe, ich störe nicht, Lieutenant?"] fragte Aleksander, der in Uniform an einem Schreibtisch sah und stoisch in die Kamera blickte, als würde er sich nicht gerade einer jungen Frau im Handtuch gegenüber sehen.
 
"Oh, Sir... äh, nein.." Nahima war für einen Moment versucht zu salutieren, stellte aber fest, dass das nur mit einem Handtuch bekleidet eine blöde Idee war. Nur ein beherzter Griff verhinderte Schlimmeres.
 
["Gut. Ich möchte Sie auch nicht lange vom Feierabend abhalten."] fuhr Aleksander fort.
["Ich wurde zum kommandierenden Offizier der USS Galathea berufen, einem Schiff der Sovereign Klasse. Derzeit befindet Sie sich noch in der Werft, die Taufe wird Anfang des kommenden Monats stattfinden. Derzeit stelle ich meine Crew zusammen. Wollen Sie meine Chefsicherheitsoffizierin werden?"]
 
Nahima starrte Aleksander mit großen Augen an. Ihr Mund klappte auf... und wieder zu. Beinahe hätte sie vergessen, das Handtuch weiter festzuhalten. Beinahe.
 
["Lieutenant?"]
 
"Ja..ha." Sie räusperte sich. "Ja, Sir! Sehr gerne!"
Später würde sie in der Aufzeichnung sehen, dass sie genau 23 Sekunden für diese Antwort gebraucht hatte.
 
["Sehr gut. Ich sorge dafür, dass Sie die notwendigen Unterlagen erhalten. Willkommen an Bord. Genießen Sie ihren Feierabend. Solowyov Ende."]
 
Als der Bildschirm schwarz wurde, schlug Nahima beide Hände vor den Mund und stieß ein Juchzen aus.
Jetzt fiel das Handtuch zu Boden. Es kümmerte sie nicht.
 
***
 
# Ort: Erde, Büro von Rear Admiral Marcus Stierer
# Zeit: Dezember 2415, kurz vor dem Jahreswechsel
 
"Möchtest du etwas Trinken, Aleksander?" fragte Marcus seinen vor ihm sitzenden Freund. Dieser war zu ihm ins Büro gekommen, um über die Besetzung der Offiziersposten auf der USS Galathea zu sprechen. Schon bald sollte es losgehen - und es gab noch immer Lücken im Roster. Ein Schiff dieser Größenordnung zu besetzen war nie leicht - und nun, in Kriegszeiten, noch schwieriger. Eigentlich war es bewundernswert, wie viele Posten schon besetzt waren.
 
"Wenn du einen Tee hättest?"
 
Marcus nickte und betätigte das Interkomm. "Christine, bitte einen heißen Hwangcha, Ziehzeit 3 Minuten 15, für den Commander und einen Cappuccino für mich."
["Natürlich, Sir"]
 
Der Admiral nahm Platz und griff sich das PADD mit den Daten für die Besetzung.
"Die Versetzung für Lt. Melek ist genehmigt. Ich habe mich etwas gewundert, aber nachdem ich die Akte gelesen habe, kann ich deine Wahl verstehen..." Er blätterte weiter. "Sorgen macht mir die Wahl deiner Ersten Offizierin - diese hat sich nämlich noch nicht gemeldet. Wir sollten uns nach einem Ersatz umsehen..."
 
Aleksander schüttelte den Kopf. "Sie wird kommen. Da bin ich mir sicher."
Auch Aleksander hatte ein PADD in Händen. Beide waren verlinkt und so konnten beide Offiziere das Gleiche sehen.
 
Marcus hob die Augenbraue. "Gut... aber beschwer' dich nicht, wenn du dich irrst und mit demjenigen Leben musst, der dann verfügbar ist."
 
"Keine Sorge" lächelte der Russe.
"Die Papiere von Ms. Thompson habe ich auch erhalten. Die waren kaum verschickt, hatte sie diese schon ausgefüllt."
 
"Engagiert, die junge Frau. Du scheinst auf der Kirk Eindruck bei ihr hinterlassen zu haben."
 
"Ich glaube, Sie brauchte nur einen Schubs in die richtige Richtung. Sie ist noch etwas Grün, aber sie wird auf diesem Posten wachsen."
 
"Na, wenn du das sagst" nickte Marcus.
"Als COMM würde ich dir gerne Ensign Grwydro Aru zuteilen. Er ist ein vereinigter Trill und hat einiges Wissen über den Tzenketh Sektor. Außerdem beherrscht er die relevanten Sprachen."
 
"Ich habe die Akte gelesen und keine Einwände."
 
"Gut. Der Versetzung deines CINGs habe ich ebenfalls entsprochen, auf einen TO wirst du noch etwas warten müssen."
 
Für einen Moment hielten beide inne, als eine schlanke Blondine im Uniformkleid - ihr Kragen verriet, dass sie den Rang einer Chief Petty Officer hatte - herein kam, die beiden Offiziere anlächelte und die gewünschten Getränke hinstelle.
"Danke, Christine" sagte Marcus. Die Blondine nickte, knickste und verließ den Raum.
"Also, wo waren wir.. achja - du musst auf deinen TO warten."
 
"Das ist dann halt so" seufzte Aleksander. "Was ist mit dem Posten meines Chefwissenschaftlers?"
"Lt. jg. Srivani Mukherjee hat sich auf den Posten beworben."
 
Aleksander überflog die Akte und hob die Augenbraue. "Ein Lob von einem vulkanischen Wissenschaftsoffizier? Wow."
 
"Ja. Sie ist gut. Und sie möchte auf dein Schiff. Noch jemand von deinen Bekanntschaften?"
 
"Nicht dass ich wüsste, Marcus. Ich kann nicht alle kennen."
 
Beide lachten. Am Anfang hatte Marcus darüber gewitzelt, dass Aleksander sich seine Crew vor Allem aus Leuten zusammen suchte, die er von früher kannte. Wenn man allerdings im Auge hatte, wie lange die Galathea geplant unterwegs sein würde, ergab es Sinn, Leute zu wählen, von denen man wusste, dass man mit ihnen arbeiten konnte.
 
"Was hat es mit dem Cardassianer auf sich?" wollte Aleksander wissen.
 
"Dr. Yael Hadar, Glen des Cardassianischen Militärs. Wir möchten, dass du ihn als Austauschoffizier an Bord nimmst. Als stellvertretenden CWI."
 
"Jetzt wo wir alle Schiffe an der klingonischen Front brauchen, treiben wir den Kontakt mit den Cardassianern voran?" fragte Aleksander skeptisch.
 
"Um fair zu sein - das war schon lange im Gespräch. Die Verhandlungen haben sich nur in die Länge gezogen, bis geeignete Kandidaten für das Austauschprogramm gefunden waren. Du hast doch nichts gegen Cardassianer, oder?"
 
"Nein. Nicht im Mindesten. Aber dir muss doch auch klar sein, dass die Cardassianer ein großes Interesse daran haben, was wir vor ihrer Haustier so treiben. Und entdecken. Verbündet oder nicht - er wird alles an sein Oberkommando melden."
 
"Das ist uns bewusst. Und ich glaube, dass du das notwendige Fingerspitzengefühl hast, um damit umzugehen."
 
Aleksander seufzte. Da war sie also, die Politik - noch vor dem Abflug.
"Gut. Wann kann ich Dr. Hadar treffen?"
 
"Er befindet sich auf dem Weg hierher. Sollte übermorgen hier eintreffen, wenn alles gut geht."
 
"Gut. Machst du mir bitte einen Termin mit ihm, Marcus?"
 
"Ich werde es Christine sagen"
 
"Danke"
 
Dann blätterten beide weiter - und Marcus erstarrte.
"Du hast das wirklich ernst gemeint?" fragte der Admiral, als ihm die Akte seiner Ex-Frau entgegen blickte.
 
"Ja, wieso?" wollte Aleksander wissen. "Ist Dr. Jokhun verfügbar?"
 
"Nein, immer noch nicht, aber..."
 
"Dann ist Helena weiterhin meine erste Wahl."
 
"Du willst mich ärgern, oder?"
 
"Nein. Aber ich habe ein Schiff zu besetzen. Und ich bin nicht bereit, auf eine sehr gute Ärztin zu verzichten, nur weil sie zufällig die Ex-Ehefrau meines besten Freundes ist. Ihr kommt doch gut miteinander aus, oder?"
 
"Ja, schon..." Marcus seufzte. "Nun gut. Aber dann wirst du gegen die nächste Besetzung auch nichts sagen können."
 
Aleksander kniff die Augen zusammen und blätterte auf die nächste Seite. 'Olivia Winterbottom' - der Name sagte ihm nichts. Allerdings - halb Vulkanerin, halb Betazoidin. Solche Hybriden gab es nicht viele - schon gar nicht welche, die Olivia hießen. Sein Name suchte den Mädchennamen der verwitweten (wie er feststellte) Frau. Grax.
"Na wundervoll...."
 
"Sie ist die Beste, die verfügbar ist. Will zurück in die Flotte und sucht ein Schiff, auf das sie Familie mitnehmen kann."
 
"Das ist deine Rache für Helena, oder?" fragte Aleksander mit verkniffenen Gesichtsausdruck. Tatsächlich waren er und Olivia einmal zusammen gewesen - vor langer Zeit.
 
"Vermutlich eher 'Karma'" lachte Marcus.
 
"Naja, es ist... 20 Jahre her. Eine lange Zeit. Wird schon schief gehen."
 
"So... dann bleiben von den Abteilungsleitern noch die Posten des TAK und des FLG" ging Marcus zum nächsten Thema über.
 
"Meine erste Wahl als TAK hat leider abgesagt" gab Aleksander zu. Aber man konnte ja nicht überall Glück haben. "TAKs sind derzeit sehr gefragt - und ich brauche keinen schießwütigen Heißsporn."
 
"Aber du brauchst auch jemanden an der taktischen Konsole" gab Marcus zu bedenken.
 
"Dann werden wir vorerst die Posten des CSO und des TAK zusammen legen, wie es früher häufig geschehen ist - und ich hoffe, dass sich bald jemand findet, um Lt. Thompson zu entlasten.
 
Der Rear Admiral wirkte etwas skeptisch, nickte dann aber. "Wie du meinst."
Er überlegte. "Für den Posten an der CON habe ich jemanden im Auge. Ich kümmere mich darum."
 
"Ok. Wäre irgendwie zynisch, wenn wir nicht aus dem Trockendock kämen, weil uns ausgerechnet der Navigationsoffizier fehlt."
 
"Na, die Peinlichkeit werde ich uns ersparen" sagte Marcus und trank von seinem Kaffee.
"Gehen wir dann also die Unteroffiziere durch..."
 
***
 
# Ort: USB Ganymed, Gast-Büro des Flottenkommandos
# Zeit: 31.12.2415, 10:00 Uhr
 
Aleksander stand an der Fensterfront und blickte hinaus, konnte aber nichts ungewöhnliches sehen. Augenscheinlich gab es derzeit Unruhe auf der Station, weil Srday in das System gekommen war. Ein Srday-Kreuzer war ein seltener Anblick - vor Allem, wenn er unerwartet kam. Die Srday waren kein Mitglied der Föderation, hatten aber ein Assoziierungsabkommen unterschrieben und waren Verbündete. Soweit Aleksander wusste, gab es auf der Station sogar eine Botschaft dieses rätselhaften Volkes. Insofern war die Ankunft eines Schiffes nichts besorgniserregendes. Vielleicht wollten Sie ja Neujahrsgrüße überbringen?
 
Als er die Türklingel höre, wandte er sich um. "Herein" sagte er mit warmer, freundlicher Stimme und trat zu dem Schreibtisch, den man ihm heute zur Verfügung gestellt hatte.
Seine Aufforderung blieb auch nicht ungehört, denn gleich darauf öffnete sich die Tür und gab den Blick auf zwei Personen frei. Ein schwarzgelockter, leicht untersetzter Mensch im Range eines Petty Officers geleitete einen schlanken, etwas steif wirkenden Cardassianer in cardassianischer Militäruniform in das Büro. Mit einem "Bitte, Sir" ließ der Petty Officer dem dunkelhaarigen Cardassianer den Vortritt, welcher dies mit einem Nicken quittierte.
 
"Danke, Petty Officer" entließ Aleksander diesen und blickte seinem zukünftigen Austauschoffizier offen entgegen. Er hatte für diesen Besuch das Licht im Büro anpassen lassen, damit dieses für den Wissenschaftler nicht unangenehm war und auch einen Tausch des Dienstplans der diensthabenden Adjutanten veranlasst. Er hielt nichts davon, den Cardassianer ausgerechnet mit einem bajoranischen Unteroffizier auf die Probe zu stellen - auch wenn nun seit vielen Jahren Frieden herrschte.
"Willkommen, Dr. Hadar. Bitte, nehmen Sie doch Platz." Er deutete auf eine Sitzecke, auf die er sich nun selbst zubewegte.
"Kann ich Ihnen etwas zu Trinken anbieten?"
 
"Nein, Danke" antwortete Yael und schien ob der Situation ein wenig überfordert. Mit einer Couchrunde bei seinem zukünftigen CO hatte er nun nicht unbedingt gerechnet. Er wartete, bis Aleksander Platz genommen hatte und setzte sich dann ebenfalls, fast vorsichtig.
 
"Schön, dass Sie hier sind" führte Aleksander das Gespräch fort. "Ich wollte die Gelegenheit nutzen, um Sie etwas kennen zu lernen, bevor wir uns an Bord treffen" erklärte er. "Immerhin haben Austauschprogramme bei der Föderation zwar eine lange und angestammte Tradition - aber jedes Mal ist es ein wenig anders."
 
"Danke für die Einladung, Commander" Die Stimme des Geologen war etwas leiser als erwartet. Er musterte den Menschen vor sich und versuchte zu ergründen, was dessen Motive waren. "Für die cardassianische Flotte ist ein solches Programm eher.. ungewohnt. Verzeihen Sie daher bitte, wenn ich mich noch etwas zurecht finden muss."
 
"Natürlich. Es gibt nichts zu entschuldigen. Ich wollte Ihnen vor Allem auch versichern, dass Sie auf der USS Galathea ein Zuhause haben werden."
 
Die Augen des Cardassianers wanderten etwas näher zusammen.
"Wie meinen Sie das?"
 
"Dass ich Sie als Teil meiner Crew betrachten werden. Nicht als 'den Cardassianer', sondern als Teil der Crew wie alle anderen auch. Ich werde für Sie genauso da sein wie für alle anderen auch. Ich möchte keine Grabenkämpfe, kein 'Wir' und 'Die'. Sollten Sie auf solches Verhalten treffen, möchte ich davon erfahren." Er lächelte, doch irgendwie hatte dies auch etwas Ernstes. "Gleichsam erwarte ich aber auch, dass Sie ein Teil der Crew werden. Dort draußen wird es viel zu entdecken geben - und wir können es uns einen 'Eiertanz' auf Dauer nicht leisten."
 
Yael erstarrte, ließ die Luft aus seinem Mund entweichen. "Sir.... ich bin Glen des Cardassianischen Militärs..."
 
Der Commander hob die Hand. "Ich weiß. Und ich möchte Sie auch nicht in Loyalitätskonflikte bringen. Aber ich wüsste gerne, sollte es welche geben." Er lehnte sich etwas zurück. "Mir ist auch klar, dass Sie dem Oberkommando Bericht erstatten müssen, über das, was wir finden werden. Ist dem nicht so?"
 
Yael zögerte, bestätigte dies dann aber. "Ja, dem ist so."
 
"Dann tun Sie das. Aber bitte offen. Ich möchte nicht, dass der Eindruck entsteht, hier würden Geheimnisse weitergegeben und wir würden einander nicht vertrauen."
 
"... Danke" sagte Yael unsicher. Dieser Mann hatte ihn doch etwas überrumpelt. Und er besaß Charisma - für einen Menschen.
 
"Gut. Dann freue ich mich auf unsere Zusammenarbeit, Doktor." Aleksander reichte Yael die Hand.
"Sie sind hoffentlich bei der Taufe und der darauffolgenden Party dabei?"
 
</RPG>

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Im Spätjahr 2415 spricht Aleksander persönlich verschiedene Offiziere an, um sie für seine Crew zu gewinnen. Dabei trifft er auch einige alte Bekannte und Weggefährten.
</SUM>
 
übermittelt von Christian "Effi" Hellinger

aka

Cmdr. Aleksander Solowyov
unterwegs in Personalangelegenheiten