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Klebriger Glibber

Johannes Löhnert <jloehnert@...>
 

<RPG>

# Ort: Asteroid, vor der Didrichsen
# Zeit: MD 3.0358

<quote>

Im nächsten Moment erfüllte kalter, weißer Nebel die Luft. Er legte sich
auf den schwarzen Stein des Koloss. Auch wenn das Wesen offensichtlich
die Kälte des Alls nicht fürchtete - das Pulver, dass sich wie eine
zweite Haut auf die steinerne Oberfläche des Wächters legte, schien
diesen doch zu beeinträchtigen.

Nahima rollte sich ächzend zur Seite und stand auf. Hinter dem Wächter
sah sie die große Gestalt des CING aufragen - einen
Hochleistungsfeuerlöscher in den Händen.

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"Wo haben Sie das Ding denn jetzt her!?" war die Frage, die ihr spontan
über die Lippen kam. Der Wächter schien sie für den Moment zu ignorieren
und versuchte das weiße Zeug abzuwischen, das seine Bewegungen sehr zu
behindern schien.

"Standardequipment für Techniker. Scheinbar setzen wir öfter mal Dinge
in Brand", scherzte Sergej. Er war maximal aufgepumpt mit Adrenalin und
kam erst langsam wieder runter. Der Wächter versuchte immer noch
energisch zu befreien. Doch die weiße Masse verwandelte sich allmählich
in zähes Gummi. Die rohe Kraft des Steinwesens führte nur dazu, dass
sich der Belag elastisch dehnte und wieder zusammenzog.

Der Russe trat etwas näher und gab ihm noch mal eine ordentliche Ladung
Löschschaum; bis irgendwann nichts mehr aus dem Zylinder kam. Den Kopf
ließ er freundlicherweise frei; sie wollten das Wesen ja nicht
ersticken, sondern nur lahmlegen.

Dabei erklärte er der CSO: "Ich hab überlegt, wie besiegt man ein
Steinwesen, dem Fäuste und Klingen nichts anhaben können? Na klar,
einbetonieren. Und dann hatte ich den Geistesblitz, dass dieser
Löschschaum unterhalb von -20°C zu ner zähen klebrigen Masse wird. Es
war eine Verzweiflungstat."

Nahima betrachtete den schaumig-weißen, zornig zuckenden Haufen. Das
Wesen versuchte sie mit Blicken zu erdolchen, was ihm allerdings nicht
gelang. Schwarzer Kohlenstaub begann sich auf der Masse abzusetzen.

"Gut gemacht", meinte sie und versuchte sich zu erheben. Ihr Brustkorb
protestierte. Die Sicherheitsprotokolle des Hologramms waren anscheinend
auf die Obergrenze des Legalen eingestellt gewesen. Hilfreich reichte
Sergej ihr die Hand und zog sie auf die Beine.

Während sie noch daran arbeitete wieder zu Atem zu kommen, und die
Kratzer an ihrem Raumanzug untersuchte, aktivierte Sergej den Kanal zu
Helena.

"Dr. Rubis, alles okay da drinnen?"

Die Antwort kam schnell und knapp. ["Nein. Ich hab zu tun. Melde mich
gleich. Halten Sie die Stellung."]

Unmittelbar danach erfolgte das charakteristische Piepsen der
geschlossenen Verbindung. Sergej und Nahima sahen sich an, was war das
denn gewesen? Noch mal nachzufragen war wohl eher nicht ratsam.

Nahima betrachtete ihren Gefangenen. "Der geht erstmal nirgendwo hin."

Unermüdlich kämpfte das Steinwesen gegen die Fesseln. Der Erfolg war
gleich Null, doch wie ein Roboter versuchte es immer weiter das Gleiche.
Sonderlich intelligent schien es also nicht zu sein.

Schließlich meinte Nahima: "Drehen wir mal ne Runde ums Shuttle und
sichern die Lage. Nicht dass hier noch was lauert."


# Ort: Asteroid, Shuttle Didrichsen
# Zeit: MD 3.0358

<quote>

Wenige Schritte später erreichte sie die Brücke, die zur Hälfte offen
stand - meist kein gutes Zeichen. Von drinnen konnte sie ein schwaches,
bläuliches Glühen wahrnehmen. Immerhin verhinderte der geschlossene
Atemkreislauf ihres Anzugs, dass sie den Geruch des Erbrochenen wahrnahm.
Vorsichtig spähte sie hinein und sah die blonde Finnin an eine Konsole
gelehnt am Boden sitzen - so weit wie möglich von einer
charakteristischen Pfütze von erbrochenem Weg. Sie trug ein kurzärmliges
Uniformkleidchen in Offiziersschwarz mit blauem Streifen und dazu
schwarze Schaftstiefel. Die Uniform der Ensign wies (sorgfältig gefakte)
Spuren von Verbrennungen durch eine elektrische Entladung auf, auf den
ersten Blick schien sie jedoch unverletzt. Ungewöhnlich war allerdings
die blaue, schwach leuchtende, blaue Gallertmasse, die einen Teil von
Ellas Gesicht bedeckte. Die Counselor in Ausbildung atmete sichtbar,
hatte aber die Augen geschlossen.

Die CM ließ den Lichtstrahl weiter durch die Brücke wandern und blieb
mit diesem an Olivia haften. Die Weltraumelfe verzog das Gesicht zu
einem leichten Lächeln, kreuzte die Hände über der Brust und verkündete
leise, aber bestimmt: "Ich bin nicht da."
Helena nickte und erwiderte das Lächeln. Irgendwie war das beruhigend.

Im nächsten Moment riss Ella die Augen auf!

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Es sah gruselig aus. Das eine Auge hatte die normale blassblaue Farbe;
das andere fluoreszierte im selben Hellblau wie die Gallertmasse in
ihrem Gesicht.

"Uaarh", stöhnte die Counselorassistentin. "Ich bin von einer fremden
Lebensform befallen und fühle mich ganz ganz schlecht", erklärte sie
dann hilfreich. Olivia schlug sich im Hintergrund die Hand an die Stirn.

"Keine Sorge, wir holen Sie hier heraus", beruhigte Helena sie, im
Gegensatz zu Ella ganz in ihrer Rolle drin. "Ich muss Sie kurz untersuchen."

Sie zog ihren medizinischen Tricorder hervor und begann mit den Scans.
Er zeigte, dass die Patientin sehr schwach war und dass fremdes Gewebe
ihre Organe infiltrierte. Klassische Quarantänesituation also. Kein
Problem, da sie Ella sowieso in einen Raumanzug stecken musste wenn sie
sie hier rausholen sollten. Erst wenn sie zurück auf der Galathea waren,
müssten sie gut aufpassen.

Sie checkte die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Organismus und die
physiologischen Folgen. Laut Tricorder blieben der Patientin etwa noch
drei bis vier Stunden, ehe eine klinische Versorgung zwingend nötig
würde. Unterdessen kratzte sich Ella im Gesicht.

"Wir bringen Sie auf die Krankenstation und dann wird alles gut. Würden
Sie bitte mal versuchen aufzustehen?", wenn sie Schwindel oder
Gleichgewichtsstörungen hätte würde alles schwieriger werden.

Ella erhob sich. Sie schien sicher zu stehen.

"Schwindelgefühle?" fragte Helena.

"Nein, mir ist nur ein bisschen komisch..." meinte Ella. Es mochte am
Licht liegen, aber sie sah auch ein wenig blass aus.

"Hm", machte Helena. Sie wurde noch nicht ganz schlau draus, ob hier
noch ein Problem für sie versteckt war oder nicht. Sie beschloss,
erstmal nach Vorschrift weiter zu machen. Ella kratzte sich wieder.

"Wir müssen versuchen, dass Sie einen Raumanzug anziehen." Nachdem sie
das Shuttle von außen und innen gesehen hatte, war sie relativ sicher,
dass es nirgendwo mehr hinfliegen würde. "Gibt es hier irgendwo einen?"

Ihr Blick glitt suchend durch den Kommandostand. Dabei fiel ihr die
Pfütze von Erbrochenem ins Auge. Moment mal.

Das Kratzen. Blässe. Erbrechen.... Helena griff in ihren Nacken und ließ
den Helm zurückfahren. Sofort konnte sie den säuerlichen Geruch
wahrnehmen, der eindeutig nicht simuliert war.

Sie steckte ihren Tricorder weg und wandte sich an Olivia. Diese schaute
etwas verwundert, warum hatte Rubis denn ihren Helm geöffnet?

"Lt. Winterbottom, ich brauche Ihren Trikorder. Sie haben doch
hoffentlich einen dabei?"

"Ähm, Lt. Rubis, ich sagte doch ich bin gar nicht da.."

Die Ärztin guckte streng. "Das Manöver hat mal kurz Pause. Den Trikorder
bitte."

Die CNS merkte, dass Helena es ernst meinte. Etwas zögernd reichte sie
ihrer Kollegin ihren Trikorder, den sie als Teil der Standardausrüstung
dabei hatte, und der im Gegensatz zu Helenas Exemplar nicht mit einem
Simulationsprogramm bestückt war.

Helena klappte ihn auf und untersuchte Ella. Was sie auf der Anzeige
sah, schien ihr nicht zu gefallen.

Ihr Kommunikator piepte. ["Dr. Rubis, alles okay da drinnen?"]

"Nein. Ich hab zu tun. Melde mich gleich. Halten Sie die Stellung."

Sie schloss die Verbindung wieder. "Seit wann haben Sie dieses Ding im
Gesicht?"

"Vielleicht eine Stunde?" antwortete Ella unsicher.

"Wie lange ist das Erbrechen her?"

"Zwei, drei Minuten..."

Olivia hatte sich inzwischen neben sie gekniet und sah Ella mit
ehrlicher Sorge an.

"Sie hat eine schwere allergische Reaktion", erklärte Helena. "Helfen
Sie mir. Die Maskerade muss sofort runter." Vorsichtig zog sie an dem
Alien-Glibber-Klumpen.

<NRPG: bittesehr, die Abkürzung Richtung Ende :-) />

</RPG>

<SUM>
# Ort: Asteroid, vor der Didrichsen
# Zeit: MD 3.0358

- Sergej und Nahima kleben den Angreifer fest.

# Ort: Asteroid, Shuttle Didrichsen
# Zeit: MD 3.0358

- Helena untersucht Ella. Sie findet eine (echte) schwere allergische
Reaktion auf die Alien-Glibber-Maske.

</SUM>


**submitted by

Johannes

a.k.a. Lt. Sergej Medvedev, CING USS Galathea