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Bloß kein Kawumm

Daniel Maximini
 

<RPG>

# Asteroid, Shuttle Typ 2
# Zeit: MD 3.0400

 

Der Comm war sich zunächst nicht sicher, vor welcher Gefahr Lt. Srivani da wohl warnen könnte. Kurz gab er einige Instruktionen in seine ein und fing beim Empfang des Ergebnisses leise zu raunen. „Kohlestaubexplosionen... fetzig...“ Sofort fing er mit einigen Berechnungen an. Und tatsächlich, die Gefahr war durchaus gegeben. Wenn auch nur wegen den gegebenen Umständen. Normalerweise wäre das Schiff mit einem einfachen Impuls lautlos von dannen geflogen. Es wäre kein Funken entstanden und der Kohlestaub wäre entsprechend nicht explodiert. Doch er hatte das Schiff mit den Steuerdüsen landen müssen. Solange das gravimetrische Problem dieses Kometen nicht gelöst wurde, würde er also auch mit Steuerdüsen wieder abheben müssen. Bei der Landung des Schiffes waren diese Steuerdüsen noch weit genug vom Boden entfernt, um den direkten Kontakt mit potentiellem Kohlestaub zu verhindern. Jetzt jedoch dürfte das ganz anders aussehen, der Landedruck dürfte genügend Staub aufgewirbelt haben und die benötigte Kraft der Steuerdüsen zum Abheben war deutlich intensiver.

Grwydro rückte sich die Brille zurecht und hielt sich danach die Nase. Eine seiner Denkerposen. Auf den luftleeren Raum konnte er sich nicht verlassen. Natürlich, normalerweise kann kein Feuer im luftleeren Raum existieren. Feuer braucht Sauerstoff. Hier jedoch würde eine Verpuffung stattfinden. Ein lauter Knall, der zwar keinen Kohlebrand hinterlassen würde, jedoch eine kinetische Energie erzeugen könnte, die das Shuttle mehr als nur an seine Belastungsgrenze bringen würde. Oder doch nicht? Denn damit der Staub seine brachiale Wirkung erzeugt, bräuchte es normalerweise einen beengten Raum. Eine Drucksituation. Hier wäre man an der freien... Luft... genau. Die Luft war nicht da. Und wenn sich unter den Kohlestaub auch noch reiner Wasserstoff mischen würde... dann... war dadurch nun mehr Druck da als normal? Oder eher gar keiner? Grwydro musste sich eingestehen, immer noch keine Ahnung zu haben, ob die Gefahr wirklich vorhanden war. Der Trill war schlicht und ergreifend kein Chemiker. Er war... Kulturexperte... Ihm kam ein Gedanke. „Computer, wie werden in Kohleminen Minenarbeiter vor Kohlestaubexplosionen geschützt?“

„Kohle wird aktuell durch Roboter abgebaut. Anzahl von Kohle-Minenarbeiter auf der Erde: Null.“

Grwydro rollte mit den Augen. „Computer, wie werden die Roboter durch Kohlestaubexplosionen geschützt.“

„Die Roboter nutzen zum Abbau von Kohle Präzesionslaser und Dilexicarbonat-Bohrköpfe. Diese gelten als Feuersicher.“

Der Trill seuftze erneut. Als wollte der Computer ihn falsch verstehen. „Computer, wie schützten sich in der Historie Minenarbeiter in der Pre-Roboter-Zeit vor Kohlestaubexplosionen?“

„Bis zum 19ten Jahrhundert überhaupt nicht, was immer wieder der Grund für schlimme Unfälle war. Im 21sten Jahrhundert wurde das Risiko durch die Einführung alternativer Energien wie Atomkraft, Windkraft oder Wasserkraft ersetzt. Nach dem dritten Weltkrieg wurde Kohle wieder ein relevanteres Heizmittel, jedoch wurden hier dann bereits Roboter eingesetzt.

„Was ist mit dem 20sten Jahrhundert?“

„Hier unterscheiden sich die Methoden. In Ländern wie Venezuela und China blieben die Methoden der Minenbetreiber gleich, während andernorts bereits die Stillegung der Kohleflöze heran gegangen wurde.“

„Gibt es konkrete Dokumentationen aus dieser Zeit über Sicherheitsvorkehrungen?“

„Ich suche... Ergebnis gefunden. In Kohleminen in Deutschland wurden Staubsäcke an die Decke der Stollen gehangen. Sobald ein Feuer ausbrach, brannten die Säcke, in denen sich der nicht brennbare Staub befand und ließ diesen durch die brandbedingt entstandenen Löcher nach unten auf das Feuer rieseln, um dieses umgehend zu ersticken. Quelle: Das Buch „Wunder deutscher Ingenieurskunst, Band IV, Seite 935“  

„Deutsche... gut, damit dürfte es zumindest damals funktioniert haben. Aber wo soll ich jetzt Staubsäcke her bekommen und wie sollte ich die in der Nähe der Düsen ans Shuttle anbringen? Das klappt nicht... es sei denn...“

 

Er drehte sich um. „Lieutenant Srvani, ich hätte da eine Idee wegen der Grafitgefahr. Sofern wir das Problem mit der Standardenergie nicht gelöst bekommen, müsste ich tatsächlich normalerweise mit den Steuerdüsen den Start initiieren. Angenommen, wir haben eine gehörige Portion CH2 in die Schwerelosigkeit bewegt, wäre eine ungewollte Verpuffung durchaus denkbar. Um das zu verhindern, müssten wir die Steuerdüsen und den Boden darunter quasi Isolieren. Denkbar dafür wären einfache Wannen aus Dilexikarbonat und gefüllt mit einfachem Wasser oder Gel. Der Replikator müsste diese eigentlich erstellen können. Die stellen wir dann einfach unter die Düsen und der Start sollte harmlos sein.“

„Klingt gut und einfach.“

„Geht so. Mir wäre es dennoch lieber, wenn wir hier mit einfacher Impulsenergie starten könnten. Nicht nur, weil die Wannen irgendwie am Boden fest gemacht werden müssten... wir müssten eventuell diese Düsen auch unter der Diedrichsen anbringen, vorausgesetzt die nutzen gerade denselben Antrieb wie wir. Und naja... wir können grob scannen, auf was wir gerade sitzen. Worauf die sitzen, kann momentan keiner sagen...“

 

</RPG>

 

<SUM>

# Asteroid, Shuttle Typ 2
# Zeit: MD 3.0400

 

Grwydro lernt explosive Dinge über Kohle

 

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