Der Vedek


Fynn Ansome
 

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Hello!
Introducing Corvo Nox.
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# Ort: Artemis, Büro des CO (Deck 1)
# Zeit: MD 3.0930
 
Gaspar hatte die Füße auf den Tisch gelegt, ein PADD in der Hand und las aufmerksam, während er sich mit einer Hand über das noch glatte Kinn strich. Trotz des langen Urlaubs war es immer noch seltsam, keinen Bart zu tragen. Fand er zumindest. Was Panalek von seinem nackten Gesicht hielt, hatte er ihm gleich als Begrüßung überbracht. Unverhohlen. Unverschämt, wie der CO meinte. Aber so war er eben, der CING.
 
Ein leises Lächeln huschte über seine Lippen als er merkte, dass er von dem vor sich schwebenden Text abgelenkt, in Gedanken abgedriftet und an Panalek gedacht hatte.
 
Es war nicht einfach für seinen Freund gewesen, sich auf der Odyssey einzuleben. Und er war mehr als ein Mal bei Crewmitgliedern und auch mit ihm aneinander geraten. Es war zu Reibung und Anspannung gekommen.
 
//Immerhin hat er sich mit niemandem sonst geprügelt.//
 
Aus den Lautsprechern dudelte leise Musik aus seiner persönlichen Playlist während Gaspar darüber nachdachte, ob sich ihre Freundschaft verändert hatte.
 
Sie beide waren seit ihren Akademiezeiten auf den Monden Jupiters weit gereist und hatten sich über all die Jahre doch nicht aus den Augen verloren. Und die Teilhabe des großen Blauen in den letzten zwei Tagen auf dem Holodeck hatte eine weltoffenere Seite des Ingenieurs ans Licht gefördert. Einen weniger postapokalyptischen, totalitären Zynismus.
 
Vielleicht war die Prügelei mit Killroy zum Teil auch seinen internalisierten Traumata geschuldet. Immerhin hatte Panalek sich länger als die meisten der Odyssey an der Front befunden, als er auf der Japori-Frontwerft kriegsgebeutelte Schiffe reparierte und ausgebrannte Wracks ausschlachtete. Und dann war kurz nach der Versetzung auf die Ody auch noch seine Meemaw auf Andoria verstorben.
 
//Vielleicht kam der Urlaub etwas zu spät.//, führte Gaspar den Gedanken fort und beschloss, am Abend bei seinem Kumpanen vorbei zu schauen. Vielleicht konnten sie die Wasserpfeife anwerfen und ein bisschen außerhalb der Uniform Zeit miteinander verbringen.
 
Noch bevor er sich eine Notiz in den Kalender machen konnte wurde Gaspar Toussaint vom *Fidelüp* der Türklingel unterbrochen. Für den Bruchteil einer Sekunde war er etwas irri- und desorientiert als er die Füße vom Tisch nahm und den Computer befahl, die Musik zu unterbrechen.
 
"Herein.", kommandierte er dann und richtete die graublauen Augen auf die Tür, deren zwei Hälften sich zügig und annähernd lautlos (jedoch nocht ohne dieses vertraute, moderne, frische Zischen) öffneten.
 
//Wie schön, ein Schiff ohne Energieprobleme zu kommandieren.//, dachte er bei sich, während eine hochgewachsene, schlanke Gestalt in einem Kleid sein Büro betrat.
 
Nein, das war kein Kleid. Es waren Lagen über Lagen an warmen, erdfarbenen Stoffen die zu einer Robe gewunden waren und ihr Träger war Bajoraner. Der Mann, der sich direkt an seinen Schreibtisch vor ihn stellte strahlte eine Aura der Ruhe und Gelassenheit aus, obwohl seine Augenbrauen unfreundlich tief in sein Gesicht gezogen zu sein schienen. Das dunkelblonde Haar des Fremden war sehr sehr kurz rasiert und nur auf dem Schädelscheitel minimal länger, sodass es aussah, als trüge er einen gekappten Irokesenschnitt. An seinem rechten Ohr baumelte ein Gehänge, dessen unterer und am Läppchen hängender Teil über zwei feingliedrige, silberne Kette mit dem oberen Teil, der an der Helix angebracht war, verbunden war.
 
"Captain Toussaint.", grüßte der Bajoraner mit einer sehr ruhigen aber deutlichen und angenehm warmen Stimme. Gaspar hatte das Gefühl, der Mann könnte vermutlich das galaktische Telefonbuch vorlesen und würde dennoch Zuhörer finden.  Sobald er sprach hoben sich auch seine Augenbrauen in die Höhe und ergänzten sein Gesicht zu einem Denkmal der Freundlichkeit.
 
"Ich bin Vedek Corvo Nox. Der Föderationsrat hat mich eingeladen, Sie auf Ihrer Reise zu begleiten; doch ich würde mich gerne persönlich vorstellen und auf Ihr Einverständis hoffen, bevor ich die Einladung annehme."
 
Gaspar war baff. Normalerweise war er es vom FKOM oder den Räten der Föderation gewohnt, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Wie damals bei der Versetzung auf die Galavant und jetzt wieder bei der Versetzung auf die Artemis. (Auch wenn er an letzter vollendeter Tatsache wirklich nichts zu beanstanden hatte, fühlte es sich doch nach der subjektiv als Degradierung und Abschiebung empfundenen Versetzung auf die Diplomatie-Akira nun wieder nach einer Beförderung in den "echten" Flottendienst an.)
 
Vermutlich war das Vorgehen des Vedeks eher ein Zeichen seines persönlichen Respekts gegenüber der Authorität des CO, als eine diplomatische Geste des Rates. Allerdings hatte Gaspar keinen Zweifel daran, dass dieser Mann die sogenannte Einladung ablehnen würde, wenn er ihm zu verstehen gab, dass er an Bord unerwünscht wäre.
 
"Vedek, willkommen an Bord. Man hat Sie erst in drei Tagen für Ihren Besuch angekündigt."
 
Gaspar erhob sich, strich sich kurz die Uniformjacke nach unten und streckte dann die Hand aus. Corvo Nox lächelte ein bisschen, aber aufrichtig, und streckte ebenfalls die Hand aus um seine zu ergreifen. Nach einem kurzen, festen Händedruck streckte sich der Bajoraner und griff mit der rechten Hand blitzschnell aber seltsam unbedrohlich nach Gaspars Ohr und hielt es sanft fest. Dabei sah er dem Captain direkt in die Augen. Es vergingen vielleicht zwei oder drei Sekunden der Stille ehe ein wertungsfreies "Hmm." von dem Vedek kam und er sich und seine Hand wieder zurückzog.
 
"Vielen Dank, Captain. Ich war sozusagen gerade in der Nähe, als ich die Einladung erhielt und habe mich gleich auf den Weg gemacht."
 
Gaspar räusperte sich, widerstand dem Drang sich sein Ohr zu reiben und deutete auf den leeren Stuhl auf der anderen Seite des Schreibtisches.
 
"Setzen Sie sich doch.", bot er an und Corvo folgte der Aufforderung.
 
"Also, Vedek Corvo. Ehrlich gesagt hatte ich noch keine Zeit, das Briefing zu lesen. Was ich erfahren habe, waren Sie Offizier, bevor Sie Geistlicher wurden?"
 
Corvo nickte und faltete die Hände in seinem Schoß zusammen. Den Augenkontakt unterbrach er nur oft genug um nicht als starrend herüber zu kommen. Ansonsten wirkte er allerdings sehr fokussiert und aufmerksam.
 
"Das ist richtig. Sowohl in der bajoranischen Miliz als auch in der Sternenflotte. Daher bin ich mit den Abläufen und Einschränkungen für Zivilisten an Bord Ihres Schiffes auch einigermaßen vertraut, falls das eine Sorge dargestellt haben sollte."
 
"Das ist natürlich schön zu hören, aber darauf zielte meine Frage nicht ab. Wenn Sie erlauben, interessiert mich viel mehr, wie ein Offizier der Miliz und Flotte zu so einer scharfen Kurve in seiner Karriere gekommen ist."
 
Corvo lachte leise auf und hob auf sehr menschliche Weise die Schultern.
 
"Wenn Sie die einfache Wahrheit hören möchten, Captain, so habe ich wohl den Ruf der Propheten erhört und mich nach dem Niederlegen des Offizierspatents direkt zum Tempel in meiner Heimatprovinz begeben. Die lange Geschichte beinhaltet ein Gefühl der Unvollkommenheit und der Isolation von ... seelischer Verbundenheit mit mir und meinen Schiffskameraden. Die simple Wahrheit ist, dass ich mich im Dienste der Propheten und auch anderer Religionen des Alphaquadranten beitragender fühle. Mehr mit Sinn erfüllt als als regulärer Offizier. Was bitte nicht als Affront gegen Sie und Ihre Offiziere gewertet werden darf."
 
Gaspar hob beschwichtigend beide Hände und schüttelte, ebenfalls lächelnd, den Kopf.
 
"Keine Sorge, Vedek, ich denke ich verstehe, was Sie meinen."
 
//Wenn auch nicht vollständig.//
 
Spiritualität und Religion spielten in der jüngeren Geschichte keine tragende politische oder sozioökonomische Rolle mehr auf der Erde - dennoch gab es genügend Anhänger teils urzeitlicher Glaubensströmungen. Sowohl unter den Menschen als auch seinen Crewmitgliedern. Einige der Marines waren regelrecht streng katholisch erzogen worden, wusste er.
 
"Und Sie sagten, dass Sie auch Dienste anderer Religionen anbieten?", hakte der Kanadier nach. Einer Religion zu folgen - okay. Aber war es nicht kontraindiziert mehreren, verschiedenen Religionen zu folgen? Aus der Natur der Sache selbst heraus?
 
"Paradox, nicht wahr?", erwiderte Nox und grinste breit, was Grübchen in seinen Wangen zum Vorschein brachte.
 
"Ein wenig, ja."
 
"Ich sehe meinen Auftrag als Dienstleister seelischer und spiritueller Begleitung. Dass mein Gegenüber nicht denselben Lehren folgt wie ich, ist dabei nachrangig. Gerade in geistlicher Betreuung geht es vor allem um ein Gefühl von Zugehörigkeit und Verständnis und ich denke, dass meine Studien in irdischen und anderen Religionen mir dabei helfen, explizite Standpunkte außerhalb meines Glaubens zu verstehen. Und damit ein würdiger Spiegel für all jene zu werden, die um Beistand bitten. Wenn nötig, sogar in einer klingonischen Arena oder beim Hegh'bat."
 
Gaspar hatte das Gefühl, er würde darüber nachdenken müssen. Er selbst war kein Gläubiger oder Anhänger irgendeiner Religion. Doch er hatte Respekt vor dem Glauben selbst und spürte eine gewisse Demut, im Angesicht eines Universums voller Wunder und möglicherweise mehr.
 
"Faszinierend, Vedek. Wirklich. Ich würde für's erste vorschlagen, dass Sie sich ein Quartier zuweisen lassen. Dafür ist Ensign Helzuc verantwortlich. Benötigen Sie einen Raum oder so, für einen Schrein oder... Tempel?"
 
"Vielen Dank, Captain.", erwiderte Corvo und neigte sein Haupt. Dann schüttelte er den Kopf. "Ich denke, für den Anfang wird eines Ihrer Holodecks ausreichen. Über einen Tempel oder ähnliches können wir gerne reden, wenn wir uns sicher sind, dass ich Willkommen bin."
 
"Einverstanden!", verkündete Gaspar erfreut und erhob sich erneut. "Dann herzlich Willkommen an Bord." Dann drückte er sich auf den Kommunikator.
 
"Ensign Helzuc, würden Sie in mein Büro kommen und unseren neuesten Gast abholen? Er benötigt ein Quartier."
 
["Aye, Captain."]
 
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# Ort: Artemis, Büro des CO (Deck 1)
# Zeit: MD 3.0930
 
Gaspar denkt über seine Freundschaft zum CING nach und wird von einem Besucher unterbrochen. Vedek Corvo Nox stellt sich dem CO vor und bittet um sein Einverständnis, an Bord bleiben zu dürfen.
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