Der Aufbruch


Mortimer Bishop
 

 
Hey ihr Lieben, 
 
danke das ihr nicht gedrängelt habt und mich in Ruhe diesen Auftakt habt schreiben lassen. Er besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen. Der Erste ist eine kleiner Einschub über Gaspars Zeit auf der Erde. Die Idee dazu trage ich schon etwas länger mit mir herum und der Übergang bot sich an, es zu schreiben. Es wird dazu auch noch ein weiterer Part kommen. 
 
Der zweite Part ist anders als ihr euch vielleicht einen Auftakt vorgestellt habt. Schumba/Sharom war so lieb mir eine Rampe für diese Szene zu schreiben, danke schonmal dafür! 
Mir war es wichtig, dass direkt alle etwas zutun bekommen. Deshalb habe ich aber auch die Ankunft an Bord ausgespart, so das jeder selbst seine Ankunft beschreiben kann. Eine Sache ist wichtig, die Rückkehr der Crew ist bitte spätestens bis MD 0.0800 Uhr beendet. Für Tag Null sind bereits Meetings anberaumt. 
 
So! Dann reiten wir jetzt los! Es ist mir eine Ehre Freunde! Viel Spaß beim lesen (immerhin 14 Seiten laut Word)
 
Lieben Gruß 
Mo
 
PS: Ganz unten drunter findet sich ein Link, den ihr vielleicht mal abchecken solltet ;)
 
<RPG>
 
Ort: Erde, Kanada, Ottawa-Gatineau, 12 Avenue Yves Moreau, Haus der Toussaints
Zeit: MD -34.1944 
 
Die Sonne stand tief, als das Zirpen der Grillen erneut einsetzte. Normalerweise waren sie zu dieser Zeit ruhiger, aber vermutlich wurden die kleinen Tiere von den vielen Booten auf dem Ottawa River verunsichert, woran das Grundstück unterhalb grenzte. Obwohl das Haus alles andere als klein war, konnte man die Größe des Areals von vorne kaum einschätzen. Nur die wunderschöne, mit Natursteinen und Efeu verkleidete Garage und das große Fenster des Gästezimmers waren von der Avenue Yves Moreau aus zu sehen. Der restliche Teil des Gebäudes verbarg sich teils hinter einer gepflegten Hecke, die restliche Fläche wurde von Bäumen begrenzt. 
 
Das Gelände war in zwei Ebenen angelegt worden. Das Haupthaus grenzte an die obere Straße. Wenn man hier die Treppe nach unten ging, verließ man das Haus eine Etage tiefer in einen wunderschönen Innenhof, der aus einer gepflegten Wiese, einer großen Sitzgruppe und einem riesigen Grill bestand. Folgte man dem kleinen Weg aus Rindenmulch kam man nach exakt 32 Schritten bei dem blauweißen Bootshaus an. Ein kleineres Haus, was direkt an den Fluss grenzte. Hier lagerten zwei kleine Boote, direkt daneben befand sich ein ausladender Steg, auf dem vier hölzerne Liegen einen schönen Blick auf den Fluss versprachen. 
 
Wenn man in diesem Moment aber am Steg des Hauses stand, so musste man automatisch den Kopf Richtung Haupthaus drehen. Von der dortigen Küche war ein unbeschreiblicher Duft zu vernehmen. 
 
"Hmhmmhhhh.... er ist fertig!", verkündete Gaspar Toussaint stolz. Er machte sich am Ofen zu schaffen, in dem seit einer Stunde der Hackbraten schmorte (Rezept). Gaspar hatte darauf bestanden selbst zu kochen. Der kanadische Speck-Bourbon-Hackbraten war eine Spezialität, die er sich auch an Bord der Odyssey hatte machen lassen, wenn er die Heimat gerade besonders vermisste. Dabei war es eigentlich ein Gericht, dass er erst als Jugendlicher kennengelernt hatte.
 
"Was macht der Rahmwirsing und die Kartoffeln?", wollte Aurelle wissen. Seine "kleine" Zwillingsschwester hatte bis gerade im Wohnbereich gesessen. Jetzt schaute sie ein wenig besorgt um die Ecke. Die glatten blonden Haare fielen auf ihre Schultern, als wäre sie gerade erst beim Friseur gewesen. Ihre Augen waren ebenfalls blau, waren aber dunkler, nicht so grell wie die ihres Bruders. Obwohl sie gleich alt waren, wurde Aurelle immer noch regelmäßig für 25 gehalten. Ihre Körperform war durch ihr sportlichen Hobbies immer noch sehr durchtrainiert, ja fast schon muskulös. Obwohl man ja landläufig sagte, dass große Frauen beim Daten im Nachteil waren, konnte Aurelle Toussaint diesen Behauptungen schnell entkräftigen. Die Kanadierin zog die Männer an wie Motten das Licht. Das bedeutete allerdings nicht das sie einen besonders promiskuitiven Lebenswandel pflegte, eher das Gegenteil war der Fall.
 
"Wenn deine Schwester groß ist, müssen wir sie vermutlich einsperren um sie vor den Männern zu retten. Ihr wart eben zu zweit, da hat die Schönheit nur für eine gereicht.", pflegte Mutter Toussaint zu sagen. Ein Satz, der Gaspar tief im Inneren gespeichert hatte. Das Verhältnis der Zwillinge hingegen war stehts ungetrübt gewesen. Zwischen die Beiden passte kein Blatt. Egal welche Wogen das Leben für sie bereit hielt, die Zwillinge hielten zusammen. Das galt auch für Aurelles Schwangerschaft vor sieben Jahren. 
 
Eine kleine Hand griff nach dem hölzernen Kochlöffel. Gaspar bemerkte es erst, als es zu spät war. Ein gutes Stück Braten mit karamellisierten Zwiebeln verschwand in der Hand eines ebenfalls blonden Mädchens, was Gaspar von Ohr zu Ohr angrinste.
 
"War doch nur das Endstück", sagte sie kichernd, bevor sie blitzschnell wieder aus der Küche rannte.
 
"Eliana! Lass deinen Onkel in Ruhe kochen!", erscholl sofort die energische Stimme Aurelles, die ihm lauten Gekläffe des Hundes unterging, der seit zwei Jahren bei den Toussaints lebte. Eliana und Luc rannten kichernd und bellend aus dem Haus hinaus. Vermutlich teilten sie im Garten ihre Beute. 
 
Vor etwa vier Jahren hatte sich Gaspar dazu entschieden, sein Haus dauerhaft mit seiner Schwester zu teilen. Durch seine Karriere war Geldmittel eher kein Problem, im Gegensatz zur finanziellen Situation von Aurelle. Die alleinerziehende Mutter war äußerst dankbar gewesen, als Gaspar ihr angeboten hatte bei ihm einzuziehen. Gaspar sah das durchaus pragmatisch. Aktuell war er eh wenig Zuhause und wenn er gleichzeitig Aurelle und Eliana, die er eh gern um sich hatte, einen Gefallen tun konnte, warum nicht?
 
Sorgfältig bugsierte er den Braten aus der Form auf die silberne Servierplatte. Aurelle hatte das Rotweinglas abgestellt und half. 
 
"Zwei Gläser bevor das Essen losgeht?", fragte Gaspar aus Spaß. Aurelle kicherte etwas gequält und murmelte etwas von "Viel Stress", während sie den Wirsing in eine Schüssel beförderte.
 
Gaspar überlegte kurz ob das die Wahrheit sein konnte. Vermutlich schon, er war in den ersten Monaten seines Urlaubes nur unregelmäßig Zuhause gewesen. Das hatte mehrere Gründe. Er wollte sich nicht nehmen lassen, über den Verlauf ihrer letzten Mission in San Francisco persönlich Bericht zu erstatten. Eine Geste die man im Hauptquartier stets schätzte. Auch der beginnende Prozess um Gianni Zappopoulos beschäftigte ihn. Außerdem hatte er ein paar alte Freunde besucht. Zack - waren zwei Monate um.
 
"Warum hast du für vier gedeckt?", wollte der Captain außer Dienst wissen. 
 
"Ach nur für den Fall, dass Lucrèce spontan vorbeischaut. Du kennst doch ihre Situation. Und seit sie weiß, dass du da bist kommt sie gefühlt alle 10 Minuten vorbei.", sagte Aurelle mit einem entschuldigenden Grinsen. Sie vermied es weiterhin Gaspar direkt anzublicken. Der Kanadier merkte, dass sie ihm nicht die ganze Wahrheit gesagt hatte. Er nickte stumm als seine Schwester ihn bat "Eli herein zu holen". Das lautstarke Gebalge im Garten hatte vor etwa zwei Minuten aufgehört. Vermutlich war die Beute mittlerweile verspeist und das Dream Team auf der nächsten Mission. 
 
Aber als Gaspar die Tür zum Innenhof öffnete, sah er die Beiden nirgends. Er spazierte über die Wiese Richtung Bootshaus. Hatten die Beiden dort ihr Lager aufgeschlagen?
 
Als er um die Ecke ging, entdeckte er Elianas Silhouette. Aber sie war nicht allein. Die Anwesenheit der Person mit der Eli sprach, erwischte Gaspar Toussaint kalt. Erst erstarrte er zur Salzsäule, dann machte er auf dem Absatz kehrt und schritt zurück zum Haus.
 
"Was macht sie hier?", war alles was er sagen konnte. Seine Augen blickten seine Zwillingsschwester vorwurfsvoll an. Aurelle wirkte ertappt. Sie hatte sich demonstrativ auf Gaspars Platz, am Ende des Tisches gesetzt. 
 
"Es war ihre Idee, dass..."
 
"Du weißt genau, dass ich das nicht will."
 
"Sie wollte Eli sehen und.. sie will nur Hallo sagen." 
 
"Klar.. und mir mal eben schnell noch sagen was sie von mir denkt."
 
"Du tust ihr unrecht Gaspar." 
 
Gaspar schnaubte durch die Nase, seine Brust hob und senkte sich schnell. Nach einem Wimpernschlag lies er sich resigniert gegenüber von Aurelle nieder. Auf den Tisch starrend warteten Beide, bis Eli mit Luc und die unerwünschte Besucherin das Haus betreten und die Treppe hochgestapft kamen.
 
"Können wir essen? Ich hab echt Hunger!", lies Eliana die Runde wissen. Das kleine blonde Mädchen war voraus gegangen. Jetzt setzte sie sich direkt neben Gaspar und schmachtete den Hackbraten an.
 
"Bonsoir les enfants", erklang die näselnde Stimme einer älteren Frau. Sie setzte sich neben Aurelle und griff ungefragt nach einem bereits gefüllten Rotweinglas. 
 
"Guten Abend Mutter."
 
"Entschuldigt, dass ich so spontan reinplatze - ich war grad in der Nähe."
 
Gaspar reagierte nicht. Er starrte Genevieve Toussaint unverwandt an. Seine Mutter hatte wie üblich ganze Arbeit geleistet, bevor sie das Haus verlassen hatte. Und trotz dem verzweifelten Versuch mit der neuesten modischen Kleidung, der vitalsten Gesichtsbehandlung und dem teuersten Makeup die Realität zu überdecken, sah man Mutter Toussaint die Vergänglichkeit des letzten Lebensabschnitts an. 
 
"Ja? Was hast du denn in der Nähe getrieben?", wollte Aurelle wissen und sah ihre Mutter vielsagend an. 
 
"Shoppen!", schrie Eli laut und hielt zwei superknappe Kleider in pink und orange hoch. 
 
"Darf ich sie anprobieren Momie?", wollte Eli eifrig wissen. Sie nestelte bereits an ihrem T-Shirt. 
 
"Ich hab gesagt, du sollst ihr keine Kleider mehr schenken. Sie ist sechs Jahre alt! Ich möchte, dass sie sich ihre Kleidung selbst aussucht."
 
"An denen hier konnte ich doch nicht vorbei gehen. Und ich dachte sie kann es gut gebrauchen, besonders weil du ja grad keine Rücklagen hast.", bemerkte Genevieve zackig und schaute interessiert in die dampfenden Töpfe, die auf dem Tisch standen.
 
"Oh wow Danke. In einer Zeit wo der Küchenreplikator alle alltäglichen Dinge erledigt ein absolut überflüssiger Kommentar Mutter.", erwiderte Aurelle trocken und schob sich energisch einen Portion Rahmwirsing auf den Löffel.
 
"Bitte Bitte...", bettelte Eliana ihre Mutter an, bis diese genervt nickte. Die Tochter jauchzte und verschwand in Richtung Kinderzimmer. Nun waren die Erwachsenen alleine. Aurelle tauschte einen Blick mit Gaspar. Dieser wusste nichts mit seinen Händen anzufangen und begann unbeholfen die Teller mit Speisen zu füllen. Er mied jeden Augenkontakt mit seiner Mutter oder Schwester.
 
"Und du? Zurück aus dem Weltall?", wandte sich Genevieve erstmals direkt an Gaspar. 
 
"Scheint so."
 
"Es ist wirklich eine Zumutung, dass sie dich am anderen Ende des Quadranten arbeiten lassen. Wie oft warst du in den letzten zwei Jahren zuhause? Einmal? Zweimal?"
 
"Entschuldige. Die Stellen im Deltaquadranten waren alle belegt.", entgegnete Gaspar.
 
"Ja mach nur deine dummen Witzchen. Wie es mir damit geht, ist mal wieder allen egal." 
 
Die Geschwister schauten sich an, aber Genevieve war grade erst warm geworden.
 
"Wurdest du wenigstens befördert oder so? Wie hießt das Schiff nochmal? Galaevent?"
 
"Galavant.. aber ich hab sie umbenennen in.."
 
"Sag ich doch! Eine echte Rostlaube hat Liddie gesagt. Axel Aceron hat sogar eine Excalibur. Die soll wirklich mächtig sein. Paige Bagshaw fliegt eine Sentinel-Klasse, aber die kommt ja quasi gar nicht mehr nach Hause.", plapperte Genevieve immer weiter.
 
// Ah das Thema.//, dachte Gaspar und stieß seine Gabel etwas heftiger als gedacht in den Hackbraten.
 
"Quel est le problème, mère?", wechselte Aurelle aufgebracht ins Französische. Sie hasste es, wenn Genevieve ihren Bruder mit den beiden anderen kanadischen Kommandanten verglich, die sie kannte. 
 
"Was denn? Aceron ist unheimlich symphytisch. Er kommt mindestens alle drei Monate nach Hause. Soll seiner Mutter jedes Mal edle Geschenke mitbringen. Und wie gut er aussieht!", kam Genevieve gar nicht mehr aus dem schwärmen heraus, während sie sich selbst am Rotwein bediente.
 
"Ich habe das Kommando über ein neues Schiff bekommen, falls es dich interessiert.", sagte Gaspar dumpf. Seine Gabel zerteilte den Schmorbraten in viele kleine Fitzelchen. Hunger hatte er keinen mehr.
 
"Das wurde aber auch Zeit. Wieder eine rostige Akira? Das die überhaupt noch fliegen dürfen."
 
"Eine nagelneue Luna.", zischte Gaspar zwischen den Zähnen durch.
 
"Ah Luna. Ich frag Liddie mal. Vielleicht kannst du ihr ja mal ein Bild schicken, aber rasiere dich vorher. Du weißt, dass sie deinen Bart hasst."
 
"Mir sind deine Freundinnen scheißegal.", sagte Gaspar leise. Seine Hand umklammerte die Gabel so fest, dass sie weiß anlief.
 
"Wie wär es den mit einem 'Gut gemacht'?", schrie Aurelle aufgebracht. Genevieve sah ihre Tochter verträumt an und lächelte. 
 
"Du hast ihn immer verteidigt. Hast dich immer vor ihn gestellt, obwohl du die Jüngere bist. Du bist ein echter Engel mein Schatz. So eine Schönheit.", sagte sie fast schon verträumt, als wäre Gaspar nicht am Tisch. Aurelle blickte verzweifelt zu Gaspar hinüber, aber dieser hatte den Blick gesenkt. Seine Schultern hingen herunter.
 
"Was redest du da? Seit der zweiten Klasse war JEDE Freundin in meinen schönen Bruder verliebt, also höre endlich auf..", brach es aus Aurelle heraus aber Gaspar unterbrach sie.
 
"Lass gut sein.", sagte Gaspar. Seine Stimme war so durchdringend das selbst Genevieve kurz beim Rotwein trinken inne hielt. Er war aufgestanden.
 
"Du hast mein ganzes Leben nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich dir nicht genüge. Egal was, immer gab es an allem etwas auszusetzen. Egal ob Eishockey, Uni oder Flotte. Immer waren alle anderen besser als dein eigener Sohn. Und weißt du warum? Weil es in deinem Kopf nur noch um Andere geht. Andere traurige Gestalten in deinem wahnsinnig kleinen Horizont. Ich kann dir versichern: Ich würde lieber meine ganze Karriere an den Nagel hängen und als einfacher Crewman dienen als einen Moment so zu sein wie du.", sagte Gaspar Toussaint. Seine Stimme klang klar und frei von Emotionen. Sein Blick durchdrang Genevieve, hoch aufgerichtet stand er am Tischende. Dann streckte er den Rücken durch.
 
"Ich bin fertig mit dir.", sagte er etwas leiser. Er legte die Serviette, die er noch in der Hand gehalten hatte, zurück auf den Tisch. Dann drehte er sich um und ging. 
 
"Gaspar, warte..!", rief Aurelle verzweifelt. Der Blondine liefen Tränen über die Wangen.
 
"Ja, dramatische Abgänge sind seine Spezialität.", kam es von Genevieve, die ungerührt ihr Rotweinglas an den Mund setzte.
 
Der Braten war mittlerweile kalt...
 
=^= to be continued =^=
 
 
<NRPG>
Ein kleiner Einschub an dieser Stelle. Ich beschreibe hier Erlebnisse die Gaspar gerade erlebt hat oder noch erlebt. Für ihn ist alles was mit der Familie zutun hat sehr privat. Er würde aktuell mit niemandem offen darüber reden. Wirklich niemandem. Andeutungen ja, aber im Zweifel klärt das bitte mit mir ab. Danke :)
</NRPG>
 
 
Ort: USS Artemis, Deck 5, Holodeck 1
Zeit: MD 1.1403 (01.06.2416)
 
 
Soraya keuchte. Selbst die Luft hier oben schmeckte anders. War das überhaupt möglich? Oder hatte das Holodeck den Sauerstoff reduziert um die Simulation möglichst echt wirken zu lassen?
 
Der Anstieg wurde noch einmal steiler, offener geworden. Nun fielen links sogar die hüfthohen Felsen als natürliche Barriere zum Abgrund weg. Die Luft flirrte von den feinen Wasserpartikeln des Wasserfalls. Der Fluss, über den sie gleich noch gehen musste, fiel an dieser Stelle steil von der Felswand ins Tal. Dabei wurde aus dem reißenden Strom während des langen Falls eine dichte Wasserwolke aus besagten Partikeln. Soy lächelte, als sie sah, wie sich die Strahlen der Sonne in dieser Nebelformation zu einem wunderschönen Regenbogen brachen. 
 
Ein schmaler Weg führte über eine mit hohem Gras bewachsene Ebene, die mit zahlreichen Felsen übersät war bis zu einer schmalen, langen Holzbrücke, die den breiten Strom überspannte. Auf der anderen Seite, in weiter Ferne, am Ende des Weges lag die Hütte, zu der Soraya auf dem Weg war.
 
"Hach, Gaspar...", seufzte Soraya als sie sich auf dem zur Hütte aufmachte. Als sie die Brücke überquert hatte, mit einem Seitenblick auf die aufwärts springenden Lachse, musste sie kurz grinsen. Diese Darstellung der Erde war einfach zu perfekt. Oder unterschätzte sie die unberührte Natur Kanadas?
 
Als sie dem Gebäude näher kam, musste sie feststellen, dass die Bezeichnung 'Hütte' eine absolute Untertreibung war. Umgeben von hohen Sträuchern thronte das Haus vor ihr auf einer kleinen Anhöhe. Die mächtigen Baumstämme, aus denen es geformt war, sahen riesig aus. An der höchsten Stelle maß das Haus sicher 10 Meter, schätzte die Perserin. Sie tippte mindestens auf zwei Etagen. Das Eingangstor erinnerte sie an ein rustikales Bauernhaus. Das rundes Holztor stand weit offen und lies den Blick auf die geräumige Diele zu. Hier stand eine lange Tischreihe, die bereits eingedeckt war. Besteck und Teller sahen bodenständig aus, aber nicht grob. 
 
Sie sah sich gerade im Raum genauer um, als sie von draußen Schritte hörte. Gaspar sah gesund und munter aus. Allerdings hatte er es wohl noch nicht geschafft sich zu rasieren. Der rotblonde Bart stand ihm lang ins Gesicht, was ein wenig furchteinflößend wirkte. Auch hatte der Captain auf Uniform verzichtet. Er sah aus wie.. nun ja..
 
"Ich hatte fast erwartet, dich hier Holz hackend anzutreffen, mit nacktem Oberkörper und so", gab Soy lachend zu. Sie drückte den Kanadier an sich. Sie waren nicht gemeinsam zurück nach Japori gereist, Gaspar war bereits vor ihr wieder hier gewesen. Jetzt stand er vor ihr und lächelte. Seine Augen glänzten. 
 
"Das hab ich eben schon erledigt.", behauptete er lässig und lies seinen Hosenträger schnipsen. Die Holzfälleroptik gefiel ihm. 
 
"Was machen wir hier?", wollte die Perserin wissen. Per Direktnachricht hatte Gaspar sie zum Holodeck eingeladen, teil eines kleinen Warmup-Programms zu sein. Aber was genau hatte er nicht gesagt. 
 
"Gegenfrage: Was hast du gedacht, was das hier wird?", wollte er grinsend wissen. Sie ließ die Frage unbeantwortet und schaute in Richtung Weg. Ungeduldig schnalzte sie mit der Zunge.
 
"Heraus damit"
 
"Ein wenig Team-Building - egal, wohin es uns treiben wird, ich denke nach dem Urlaub...mit den neuen Offizieren und dem neuen Schiff eine gute Möglichkeit den Zusammenhalt zu stärken.", erklärte Gaspar. Dann erklärte er den ganzen Plan. 
 
=^=
 
Unterdessen öffnete sich an anderer Stelle die schwere Tür des Holodecks. Da pünktliches Erscheinen gefordert war, trafen sie alle fast zeitgleich vor dem Eingang ein. Einen Moment lang schauten sie sich fragend an. 
 
"Keine Zigarette Mr. Mannix?", wollte Sharom lachend wissen. "Haben sie sich in den Ferien das Rauchen abgewöhnt?"
 
"Sie tun ja fast so als würde ich IMMER rauchen!", erwiderte Cal ebenfalls lachend. Unauffällig versuchte er das silberne Etui zurück in die Innentasche zu schieben.
 
Die Laune schien allgemein ein neues Hoch erreicht zu haben. Nur Amun und Fiona wirkten erschöpfter als man es nach einem langen Heimurlaub erwarten würde. Ihr Gesichter sahen neutral aus. Als niemand mehr etwas sagte schauten sie sich suchend um.
 
"Der Termin lautete, dass wir uns auf dem Holodeck treffen, außer uns fehlen nur Toussaint und Alizadeh.", sagte Pan schließlich.
 
"Wollen wir hineingehen?"
 
Amun legte den Kopf schräg um durch die offene Holodecktür zu schauen. Er pfiff leise durch die Zähne. Alle erwartete das gleich Bild, wie schon die ersten Offizierin.
 
"Einfach den Weg entlang?"
 
=^=
 
"Nette Hütte!", brummte Pan als er durch die runde Holztür schritt. Gaspar begrüßte ihn, auch wenn sie sich natürlich schon ein paar Tage täglich sahen. 
 
"Willkommen in 'la Grotte du Sommet'", sagte der Captain und breitete die Arme aus während Soraya den Rest der Senioroffiziere in Empfang nahm und sie freundlich aber bestimmt zur großen Tafel in der Mitte bugsierte. Jeder erhielt ein Holzbecher mit klarem, eiskalten Bergwasser. Cal verzog beim trinken leicht den Mund. //BRRRR.. ist das kalt!//
 
Unterdessen war Gaspar ein paar Schritte zum Kopfende des Tischs geschlendert. Hier stehend referierte er weiter. 
 
"Frisch erholt darf ich sie nochmal in Ruhe auf der USS Artemis begrüßen. Uns erwartet in Kürze unser Marschbefehl. Zusätzlich gab es einige Ab- und Zugänge in unseren Reihen. Da sicher Einigen von Ihnen nach dem gestrigen Geheimdienstbriefing der Kopf raucht dachte ich mir, wir starten mit etwas angenehmen. Letztendlich aber auch, um...", er machte eine ernste Pause. "Um noch einmal eine gute Zeit zu haben, bevor es losgeht.", sagte der Kanadier. Die Leute in seiner direkten Nähe konnten erkennen, wie sehr sich Gaspar selbst auf das Kommende freute. Er strich sich kurz durch den längeren Bart und fuhr fort. Er deutete auf die Hütte um sie herum.
 
"Bevor sie fragen, 'Chateau Picard' war keine wirkliche Alternative. Auch ein tolles Teambuilding Programm - aber viel zu eintönig. Diese Simulation hier ist ein kleiner Teil meiner Heimat auf der Erde, Nordamerika, Kanada. Wir werden hier ein leichtes Überlebenstraining abhalten, es beginnt sogleich und endet morgen Abend in einem gemeinsamen Mahl hier an der Hütte. Wir alle werden dafür sorgen, dass es morgen zu diesem Festessen kommt, jeder von uns satt wird und es verdammt nochmal allen gut schmeckt.", sagte der Gaspar und musste am Ende lachen.
 
Die Anderen sahen sich an. Amun kratzte sich den bedreadlockten Kopf, während Sharom stumm nickte und Taras ein leises "Cool", herausflüsterte. 
 
"Es wird vier Gruppen geben. Gruppe 1 wird sich zum Fluss begeben für Trinkwasser sorgen und Fisch fangen. Gruppe 2 geht in den Wald und konzentriert sich auf die Jagd. Gruppe 3 geht ebenfalls in den Wald und besorgt Beeren, Gewürze wie wilden Salbei und Honig. Gruppe 4 koordiniert die vier Gruppen und sorgt für den Austausch an Informationen und Ressourcen, denn auch in der ersten Nacht sind sie auf die Erträge der Natur angewiesen. Alle Teilnehmer werden in dieser Nacht unter freiem Himmel schlafen.", erklärte der Kanadier.
 
Taras sah so aus als würde er sein "Cool" bereuen, während Fiona grinste. Über die Aussicht im Wald zu schlafen freute sich niemand, einzig Thomas und Ratana wirkten unberührt. 
 
"Und wie jagen wir? Mit den bloßen Händen?", wollte Vuul wissen. 
 
"Gute Frage Mr. Helzuc. Außer ihrer Uniform dürfen sie nur das nutzen, was dort im Schuppen liegt. Sobald die Teams feststehen sollte je nach Ziel aufgeteilt werden.", sagte Gaspar und deutete mit der Hand auf eine kleine Holzhütte, die seitlich zur Haupthütte stand. 
 
"Können wir mal sehen?", wollte Fiona wissen. 
 
"Natürlich.", bestätigte Soraya und machte mit der Schottin den Anfang. Die Gruppe erhob sich und schlenderte hinüber zum Schuppen. Amun genoss es wieder draußen zu sein. Er schloss kurz die Augen und atmete tief ein. Plötzlich erwischte ihn etwas von links. Tam Sula schob Amun zur Seite und verhinderte so, dass dieser über einen Hackholz und eine große Axt stolperte. 
 
"Oh.. Danke Tam.", sagte der Acamarianer und klapste Tam bedankend auf den Arm. Die gemeinsame Zeit auf Acamar hatte Amun und den Betazoiden näher gebracht. 
 
"Keine Ursache."
 
Sharom war der Erste, der den Schuppen betrat. Staunend sah er sich um. 
 
"Ganz schon viel Krempel. Brauchen wir das alles?"
 
Gaspar grinste. "Haben ist immer besser als brauchen. Aber ja, es macht Sinn die Aufgaben genau zu definieren."
 
"Gibt es wilde Tiere?", wollte Fiona wissen. Die Sicherheitschefin dachte stets als erstes an Gefahren für Leib und Leben. 
 
"Tatsächlich ja. Bieber, Stinktiere, Hirsche, Karibus, Wildschafe, Rehe, Otter und Marder gehören zum Standardprogramm. Vereinzelt kommen Kanadische Bisons, Wölfe, Elche, Pumas und Luchse vor. Und ja.. ein paar Bären wurden ebenfalls gesichtet. Vornehmlich Schwarzbären, aber in dieser Gegend sollen auch ein paar einzelne Grizzlybären unterwegs sein."
 
"Was?!", entfuhr es Fiona.
 
"Und was haben wir zum Schutz von Bären?", wollte Cal wissen.
 
"Ich hab mal ne Liste gemacht.", brummte Pan und zählte die Dinge auf:
 
"1 Jagdflinte + Schachtel mit 25 Schuss Schrotmunition
1 Repetierbüchse mit Zielfernrohr + Schachtel mit 20 Schuss
3 Jagdmesser
1 Multifunktions-Tool  
2 Äxte
1 Picke
1 Spaten
6 Schlafsäcke
6 Rucksäcke
4 Regenjacken
2 Tarps
3 Trinkflaschen, leer, 1l
1 Seil,50m
2 Seile,20m
2 Karabinerhaken
2 Rollen Schnur,100m
1 Rolle Garn, 300m
1 Nadel
2 Packungen Streichhölzer"
 
"Das... ist weniger als wir bräuchten", sprach Vuul das Offensichtliche aus. 
 
"Einer der wichtigen Aufgaben des Orgateams. Die Priorisierung der Gegenstände. Und nur keine Sorge..", sagte Soraya in die betroffene Stille hinein. "Es gibt kein richtig oder falsch. Wir sind nicht an der Akademie. In diesem kleinen Abenteuer geht es in erster Linie darum sich gegenseitig besser kennenzulernen und ein Gespür für die Gruppe zu bekommen. Und natürlich den Spaß!"
 
"Na gut..", nickte Pan. Ganz überzeugt wirkte er immer noch nicht. 
 
"Also, Meine Damen und Herren, ich erwarte sie alle morgen bei Sonnenuntergang wieder hier. Wenn der letzte Streifen Licht am Horizont erlischt möchte ich den Geruch von gutem Essen in der Nase haben.", rief Gaspar und rieb sich die Hände. 
 
"Wie läuft das mit den Teams?", wollte Ratana Tiru wissen, während sie Cal einen kurzen Seitenblick zuwarf. Dieser allerdings grade in ein Gespräch mit Taras verwickelt. 
 
".. Wenn ich es Ihnen doch sagen, die Bradbury Klasse hat ihren ganz eigenen Charme.."
 
"Kommt drauf an wen sie fragen würd ich sagen.", erwiderte dieser. 
 
"Ich möchte diese Gruppenbildung ungern beeinflussen, da Soraya und ich ebenfalls als normale Teilnehmer am Projekt teilnehmen wollen. Daher werden wir Steine ziehen.", erklärte der CO weiter und zog einen kleinen Beutel vom Gürtel. 
 
"Bitte einmal herumgehen lassen und jeder einen Stein ziehen. Rot ist Team 1, Blau ist Team 2, Gelb Team 3 und Orange Team 4. Bevor sich jemand Gedanken macht, natürlich sind auch Wechsel innerhalb der Teams möglich, allerdings wäre es im Zuge der Gruppendynamik schön, wenn die üblichen Konstellationen ein wenig rotieren würden. Dafür ist das Teamevent ja gedacht."
 
<hepp an die Runde! Bitte jeder einen Stein ziehen!">
 
Sharom hatte sich sogleich den Spaten geschnappt, er grub sofort ein paar Löcher direkt in das nahe Gras und begann Würmer und Gliederfüßer heraus zu sammeln. Velzuc runzelte die Stirn.
 
"Sharom?"
 
Ventra schaute überrascht.
 
"Ich habe noch nichts gefrühstückt heute - ich habe es gerade so noch geschafft pünktlich hier zu sein. Ich habe keine Lust mit leerem Bauch loszuziehen."
 
Er hatte etwa eine halbe Handvoll gesammelt und stopfte sich das Gewürm in den Mund. Er schaute unzufrieden.
 
"Wir brauchen Salz."
 
Die anderen starrten ihn fassungslos an. 
 
"Das kann ja heiter werden", brummte Amun. Unterdessen hatte sich der Beutel mit den farbigen Steinen auf den Weg gemacht. Stein um Stein verließ das helle Säckchen und legte die Konstellationen für die nächsten Stunden fest. Bald waren alle Steine verteilt und es konnte endlich losgehen!
 
</RPG>
 
<NRPG>
 
Falls jemand fragt, ja ich bin auch grade im 7 vs wild Fieber^^ 
Die Idee dazu hatte ich allerdings schon vor ein paar Monaten. Hoffe euch gefällt diese Idee eines kleinen Soapabenteuers. 
 
In der Sprache der Fernsehmacher war dieses RPG das "Cold Open", die Szene die in einer Serie vor dem Titel läuft. Aber natürlich braucht jede Serie einen Titel, also...
(Viel Spaß beim anschauen!)
 
https://www.youtube.com/watch?v=KRnfoAeboLo
</NRPG>
 
<SUM>
 
Ort: Erde, Kanada, Ottawa-Gatineau, 12 Avenue Yves Moreau, Haus der Toussaints
Zeit: MD -34.1944 
Gaspar freut sich auf einen gemeinsamen Kochabend mit seiner Zwillingsschwester Aurelle und deren Tochter. Unerwartet stößt Genevieve Toussaint dazu, Gaspars Mutter. Das Verhältnis zwischen Gaspar und Genevieve ist schon seit vielen Jahren nicht gut. Aber dieses Gespräch stellt nochmal alles in den Schatten. Gaspar beschließt den Kontakt zu seiner Mutter abzubrechen. Er flüchtet aus der Situation.
 
 
Ort: USS Artemis, Deck 5, Holodeck 1
Zeit: MD 1.1403 (01.06.2416)
Auf la Grotte du Sommet, einer einsamen Hütte im kanadischen Hochland (in Holodeck 1), empfangen Soraya und Gaspar ihre Senioroffiziere. Ein kleines gemeinsames Überlebenstraining soll ihre Bande für die gemeinsame Zeit im Weltall stärken. Während die Teams ausgelost und das erste Equipment rausgegeben wird, besorgt sich Lt. Sharom Ventra bereits ein kleines Frühstück der besonderen Art. Guten Appetit!
 
</SUM>
 
Submitted by
 
Cmdr. Gaspar Toussaint
CO USS Artemis
Aka
Mo Bishop