Abschied

Skyla Lyma
 

<RPG>


MD 1.0900

Leichenhalle



Das Schott zur improvisierten Leichenhalle glitt zischend auf und in dem hellen Viereck zeichnete sich eine hochgewachsene Gestalt ab, die langsam, fast zögerlich durch das Schott schritt.


Soweit sie wußte war keiner anwesend. Sie wollte alleine mit ihren Toten sein. Das Schott fuhr hinter ihr mit einem endgültigen Zischen zu und auf ein kurzes Kommando von ihr verriegelte es sich. Sie wollte ungestört sein. 

An Bord gab es offiziell niemanden, der ihren Authorisierungscode überbrücken könnte.


Sky ging in die Mitte des Raumes und sah sich um. Sie kannte jedes der Gesichter, die sie da aus toten und leeren Augen anstarrten. Mit manchen hatte sie gelacht und getrunken, mit anderen - ih Blick wanderte zur perfekt herausgeputzten Juliette deMoncouer, deren Körper auch hierher verlegt worden war - hatte sie im Clinch gelegen. Sie begann ihre Runde am Totenbett der Französin.

“Ich weiß nicht, ob ich aus dir noch eine gute Offizierin gemacht hätte,” erzählte sie der Toten als sie ihr sanft über die hinter einer Kapuze verborgene Stirn strich, “aber das Potential dazu hast du gehabt. Es ist eine Schande, so zu gehen. Sinnlos, im Endeffekt am eigenen Ehrgeiz zerbrochen.”

Sie studierte die bereits präparierte ehemalige Chefin ihrer Marines. Die Galauniform saß perfekt wie an einer Puppe. Die in den weißen Handschuhen steckenden Hände umklammerten den auf dem Körper liegenden Säbel. 

“Wird es jemanden geben, der dich vermissen wird? Oder um dich trauern?”

Sie schwieg einen Moment. 

“Ich hoffe es für dich. Sonst wäre es ein sehr einsames Begräbnis.”


Dann ging sie weiter, fand für jeden ein paar Worte, blieb bei anderen länger stehen. 

Zu Bull meinte sie: “Das du so enden würdest haben wir alle gewusst, oder? Selbst du wusstest es. Aber sinnlos geopfert? Das haben wir alle nicht erwartet. Ich muß mich entschuldigen, ich habe nicht erkannt, was für eine Gefahr Juliette tatsächlich war. Nicht nur für ihre Feinde, oder sich, sondern auch für ihre eigene Truppe.”

Sie setzte sich an sein Lager wie an das eines genesenden Kranken. 

“Ich hätte gedacht, du würdest den Löffel abgeben während du etwas unter Beschuß  reparierst. Zusammen mit jemandem wie dem Mausbiber.” Sie seufzte. “Egal, sei glücklich dort wo du jetzt bist.” 


Dann sah sie plötzlich noch eine zusammengesunkene Gestalt. Charles saß an die Wand gelehnt, auf seinem Schoß der Kopf von Thoral. Eine Hand hatte er in den weißen Haaren des Andorianers, die Andere lag an seiner Wange. Die Decke über der Leiche verbarg die Konturen eines entstellten Körpers. 


Als Sky vor ihm in die Hocke ging öffnete der Marine müde seine Augen.

“Skipper? Was machen Sie hier?”

Sky setzte sich neben ihn und lehnte sich auch an die Wand.

“Ich nehme Abschied, Charles. Was haben Sie denn erwartet?”

Killroys blutunterlaufene Augen sahen sie müde an. “Vieles, Skipper, aber nicht, das sie herkommen um sich von uns zu verabschieden.”

Sie legte ihren Arm um ihn und drückte ihn. 

“Es sind meine Leute, Charles. Mit einigen habe ich eine lange Geschichte. Mit ihnen. Mit Bull zum Beispiel, wir waren eine gefühltes Leben lang zusammen auf der Achilles bevor wir die aufgeben mußten. Andere kannte ich nur flüchtig, aber ich kannte sie alle.”

Killroy wehrte sich nicht gegen ihren Arm um seine Schultern.

“Das hier,” ihre freie Hand umfaßte alle mit einer Geste, “ist der Preis den wir zahlen. Dafür, das wir dazu auserwählt worden sind, Entscheidungen zu treffen. Dafür, das wir, warum auch immer, zu Anführern geworden sind. Und dafür, das wir überlebt haben.”

Sie schwieg lange, während er sich schwer an ihre Schulter lehnte.

“Ich kann mich an sie alle erinnern. Alle die ich in den Tod geschickt habe. Alle, die unter meinem Kommando gestorben sind. Alle meine Toten. Von den meisten konnte ich mich nicht einmal verabschieden.”

Charles schluckte. 

Mit erstickter Stimme sagte er.

“Ich habe sie sterben gehört. Ihr Schreie. Am Funk. Ich habe in meinem Kopf ihre Körper gesehen als ihre Lebenszeichen eines nach dem anderen schwarz wurden. Ich konnte ihnen nicht helfen, ich wollte, aber ich konnte nicht. Ich war nutzlos. Ich habe meine Freunde und Kameraden im Stich gelassen, als sie mich am dringendsten gebraucht haben...”

Die letzten Worte waren nur noch ein ersticktes Schluchzen. Plötzlich warf er seine Arme um Sky und drückte seinen Kopf an ihre Brust, wo er hemmungslos zu weinen begann. 

Die überraschte Sylenerin konnte nichts anderes tun, als den sonst so kontrollierten Marine mit beiden Armen fest zu halten. 


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MD 1.0900

Leichenhalle


Auch Sky nimmt Abschied


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Some say the world will end in fire,
Some say in ice.
From what I’ve tasted of desire
I hold with those who favor fire.

But if it had to perish twice,
I think I know enough of hate
To say that for destruction ice
Is also great,
And would suffice.
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Robert Frost: Fire and Ice

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