Freunde

Skyla Lyma
 

Hi Leute. 

Anbei ein weiteres Copo, das irgendwo in die Coposerien der letzten zeit reinpaßt. Linda hat eine echt produktive phase :-) Ich auch, wie inzwischen mehr als 100 seiten unveröffentlichtes (Copo-)Material beweisen.

Nunja. 

Linda, it was a blast, as usual!


<rpg>


Zeit: SpD 31.2100

Ort: Krankenstation


Das Licht auf der Krankenstation war bereits leicht gedämmt worden. Ratana war vom Überwachungsraum in ein Beobachtungszimmer gebracht worden. Ihre Biowerte waren wieder normal, aber ihr Geist war es noch nicht, genausowenig wie ihr Körper. Sie war vor einer guten Stunde wach geworden und Dr. Than hatte ihr berichtet was geschehen war. Sie konnte das noch immer nicht ganz verstehen. 


Das war nicht das erste Mal in ihrem Leben, dass sie einen Kälteschock erlitten hatte. Einmal war sie in einer Höhle während ihrer Kadettenzeit unterkühlt, ein anderesmal in einen eiskalten Fluss gestürzt. Beide Male war sie relativ schnell wieder aufgewärmt worden. Dieses Mal hatte sie ihre eigene Dusche beinahe umgebracht. Sie konnte sich nur noch daran erinnern, dass sie warm geduscht hatte, weil sie das Tropfen des Wassers benötigt hatte. Um sich zu beruhigen. Dann war alles sehr schnell gegangen. Kurz hatte sie sich selbst gefragt, ob es Absicht von ihr gewesen war, aber da Dr. Than von einem Unfall sprach, verdrängte sie eine Kurzschlusshandlung. 


Sie ahnte, dass sie die letzten Stunden wild geträumt haben musste. Die Trillärztin hatte etwas von einem Beruhigungsmittel gesprochen und das Dr. Mannix darauf bestanden hatte, dass sie bei Bedarf mehr bekommen konnte und nach ihm rufen sollte, wenn es ihr schlecht ging. Sie hatte sich bedankt, es aber abgelehnt. Dieses Zeug hatte sie eine Ewigkeit nicht mehr benötigt und sie wollte nicht wieder damit anfangen. Schon jetzt machte sie die einmalige Dosis in den Gedanken träge. Dabei wollte sie nachdenken, was sie emotional so aus der Bahn geworfen hatte. Waren es die Fakten oder die Worte gewesen?  


Sie angelte mit der Hand nach dem Wasserglas auf dem Tischchen, bekam es auch zu fassen, aber ihre Nerven waren noch so taub, dass sie die Berührung nicht wahrnahm. Das würde erst nach einer guten Mütze Schlaf als Empfindung zurückkehren. Sie erinnerte sich an den Trick, wie sie es ausgehalten hatte den schweren Rucksack über Stunden zu tragen. Sie hatte ihre Schultern einfach mit Kältesalbe betäubt. So hatte sie nicht einmal gemerkt, dass sie sich beim 30 Kilometer Orientierungsmarsch die Schultern aufgescheuert hatte. Ein reptilohumanoider Körper hatte gegenüber dem humanoiden einige interessante Unterschiede. Dies war einer davon. 


Plötzlich rutschte ihr das Wasserglas aus den noch immer tauben Fingern, aber esfiel nicht zu Boden. Eine Hand hielt es fest. Eine Hand, deren helle Haut nur zu einem Menschen in ihrem Bekanntenkreis gehören konnte. 

"Du solltest vorsichtiger sein. Der Arzt sagt, es dauert noch, bis sich die Nervenenden regeneriert haben." 

Die Stimme von Sky war warm und besorgt. Während Ratana noch versuchte, herauszubekommen was sie antworten sollte, trat die CO um ihr Bett, so dass sie sie auch sehen konnte. 

Das erste was Ratana auffiel war das die CO in zivil war, ein Anblick den die wenigsten der Crew kannten, und der immer wieder für abenteurliche Geschichten gesorgt hatte. Skys wenige Zivilkleidung war durchaus... Atemberaubend. Und so garnicht zivil im gewöhnlichen Sinn. 


Ratana einigte sich schließlich mit sich selbst: "Danke." 


Sky grinste schief. "Soll ich dir einen Strohhalm besorgen? Ist zwar entwürdigend, aber hilft beim trinken?"


"Meine Lippen sind wahrscheinlich nicht besser durchblutet," wandte die Orionerinein. "Sehr gerne....und wenn du eh zum Replikator gehst, ein Glas Tee wäre wunderbar."


Ratana hatte gar nicht bemerkt, dass sich Skyla genähert hatte, so sehr hatte sie sich allein darauf konzentriert nach dem Glas zu greifen. 


"Irgendeiner?" 


"Orionischer Tee, ich glaube, ich brauche etwas zum wachwerden." 


Sky tat wie gebeten - nicht viele an Bord konnten von sich behaupten die Sylenerin herumkommandieren zu können - und brachte neben einer Tasse Tee für Ratana auch einen Strohhalm und ein Getränk für sich mit. 

"Danke," meinte die Orionerin und fuhr die Rückenlehne ihres Bettes hoch, um besser trinken zu können. Mit einem Blick auf Skys Glas meinte sie:

"Wie? Keinen Kaffee?"

"Nein. Ich habe mich inzwischen zu sehr an den meiner Espressomaschine gewöhnt. Also muß es was anderes sein."

"Und was?" Ratana musterte die trübe Flüßigkeit. 


"Gin Lemon." kam es fast verlegen von der Sylenerin. 


"Syntheol auf der Krankenstation. Das hatten wir auch schon lange nicht mehr," schwelgte die  Marine vor sich hin. Sie nahm verlegen einen Schluck vom Tee und war dankbar, dass sie das nicht mit den Lippen tun musste. Diese waren ebenfalls noch fast empfindungsfrei. Sie musste aufpassen, weil sie so nichtmal merken würde, wenn sie sich verbrannte. 


"Dr. Than meinte, dass ich nur eine Nacht zur Beobachtung hier bin. Verrückt...da kämpft man gegen Romulaner, Klingonen, Gorn, Cardassianer und Piraten und einen bringt ein defektes Relaisbeinahe um. Darauf müssen wir wirklich einen trinken." 


Komentarlos hob Sky ihr Glas. Dass sie so ihre Zweifel an dem defekten Relais hatte behielt sie lieber für sich. Der Unfall ihrer Freundin war zeitlich einfach zu praktisch gewesen. De Moncoeurs private Vendetta gegen Ratana war Sky schon lange bekannt, und auch wenn sie es niemanden sagte, sie hatte da ein sprichwörtliches Auge drauf. 

Und die Zwischenberichte des Counselors waren durchwegs positiv, ganz im Gegensatz zu denen, die Moncoeur ihr übermittelte. 

Sky hatte sogar versucht MacArthur zu erreichen, aber bisher noch keine Verbindung zusammen bekommen. Dabei wußte sie nicht einmal was sie dem Chef der Marines sagen sollte. Vielleicht wollte sie einfach nur mit jemandem reden, der einen anderen Blick auf die Französin hatte. Onkel Arthur schien ja großes auf sie zu halten. Vielleicht....?


"Auf das Leben!" prostete sie Ratana zu, deren Versuch die Teetasse auch hochzuhalten kläglich gescheitert war. 


"Auf das Leben," erwiderte die Orioni und nahm einen tiefen Schluck aus dem Strohhalm. 

Einen Moment schwieg sie. Jeder der Ratty kannte, wusste, dass sie gerade die passenden Worte suchte. Sie wirkte nachdenklich und ins sich gekehrt, ihre Augen zeigten, wie sich die Gedanken zurückzogen. 


"Ich habe heute morgen in meinen Personenstatus geschaut. Und danach auf meinen Ringfinger. Beides stimmte nicht mehr überein." Die Orionerin unterdrückte das Zucken ihrer Narbe. "Ich gehe mal davon aus, dass dir die Änderung meines Personenstatus bekannt sein dürfte. Warum hat es mir niemand gesagt? Wolltet ihr mich schonen oder hattet ihr Angst, dass ich ihn umbringe?" 


Skys Mine wurde ausdruckslos. 

"Dazu wärst du fähig gewesen, anfangs, nachdem wir dich zurück hatten." 

Ratana wollte verneinen, aber ließ es dann doch. Es gab wenig Lebewesen die sie wirklich gut kannten, und zwei von denen waren an Bord dieses Schiffes, wobei eine vor ihr stand. 

"Aber um die Wahrheit zu sagen: Es war einfach nicht wichtig."

"Nicht wichtig? Will ist, oder besser war, mein Mann. Mein nächster Verwandter."

"Aber nicht ... " Sky zögerte, suchte nach Worten ehe sie eine sehr vulgäre Geste machte.

"Ach Shit. Er war nicht da, als du dich vermeintlich in die Luft gesprengt hast. Er war nicht da, als ich versucht habe, zu verhindern dass du für tot erklärt wirst. Und er hat sich nicht ein einziges Mal bei mir gemeldet, um herauszufinden was wirklich passiert ist."

Sie deutete in Richtung des Hangars, und Ratana wußte instinktiv, das Sky Mara miteinschließen wollte. 

"Wir waren für dich da. Wir haben nicht an einen Selbstmord geglaubt. Und wir haben alles daran gesetzt den Hauptman lebend zu fangen als wir wussten, dass du das bist."


"Ja, ich verstehe was du meinst. Familie. Das stimmt schon. Da ich selber keine mehr habe, bessergesagt meine Familie und ich gegenseitig nichts miteinander anfangen können, seid ihr das. Mara, du...Lagoyne wo immer sers auch ist. Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass das Corps meine Familie ist und ichsogar Charles als eine Art Ziehsohn betrachte." Sie zog einen Schluck Tee ein. "Habe ich mich so sehr in einem Menschen getäuscht oder muss ich mir Gedanken darüber machen, ob ein Kuss eines alten Freundes und ein unausgesprochener Konflikt das zerstört haben? Oder ist da irgendetwas passiert auf das ich keinen Einfluss hatte?" 


Sky, deren Erfahrung mit Männern nun jetzt wirklich eine andere gewesen war als Ratanas, wurde unruhig. Das Gespräch entwickelte sich in eine Richtung, in der sie wohl nicht die richtige Ratgeberin war. Aber manche Dinge konnte man nunmal nur unter Freunden besprechen, verstand die CO sehr wohl und unterdrückte einen Anflug von Wehmut, als sie unweigerlich an Yvonne denken mußte.

"Meiner Erfahrung mit Männern sagt mir, dass du nichts falsch gemacht hast. Den einen wahre Partner zu finden, das ist schwierig. Einen Partner zu finden, selbst einen, mit dem Frau ihr Leben lag glücklich ist, das ist möglich. Aber dann bedarf es etwas, was sich gemeinhin Beziehungsarbeit nennt. Und dazu mußt du vor Ort sein."

Sie nahm einen Schluck um ihre Wehmut zu verbergen. Yvonne war ihre letzte Liebe gewesen, aber sie hatte ihre einzig wahre Liebe verlassen um Offizier der Sternenflotte zu werden. Sie wußte, dass Iain seither niemanden mehr so an sich heran gelassen hatte wie damals sie. 

"Ich habe viele Beziehungen hinter mir, einige davon hast du miterlebt." 

Ein sardonisches Grinsen.

"Andere nicht, vor allem nicht was ich zu Hause alles erlebt habe. Syc war sicher auch eine meiner großen Lieben.... " 

Sie schwieg für ein paar Sekunden. 

"Aber in der Kurzfassung: Selbst nach Jahrhunderten der Gleichberechtigung sind Männer immer noch schwanzgesteuerte Arschlöcher."


Die Orionerin bekam Farbe ins Gesicht. Sehr deutlich Farbe. "Ich habe sie gesehen. Sie ist halb so alt wie ich. Und unglaublich hübsch. " Sie saugte geräuschvoll am Tee um den Gedanken an die junge Frau zu verdrängen, die ihr Kind auf dem Arm hielt. "Ich muss nach vorne sehen," sie sah kurz die Wand an. "Das sagt Counselor Mannix ständig. Ich hätte so viel überwunden, ich soll nach vorne sehen und stolz auf das sein, was ich überwunden habe." Sie sah Skyla an. "Und ich glaube, dass ist mir klar geworden in den letzten Monaten. Ich kann nicht ändern was geschehen ist, aber ich kann beeinflussen was passieren wird. Ich werde kein Veto gegen die Aufhebung der Ehe einlegen und ich denke, dass ich Richard es nicht antuen werde sich nach mehr als sechs Jahren an eine neue Mutter zu gewöhnen."


Sky schwieg. Erinnerungen an ihre Mutter gingen ihr durch den Kopf. Die glücklichen Momente, bevor sie alt genug war, um zu realisieren, wie ihre Mutter dafür sorgte, dass sie über die Runden kamen. Skyla verurteilte ihre Mutter nicht dafür, dass sie getan hatte was nötig war, um ihrer Tochter eine unbeschwerte Kindheit zu ermöglichen. Das war alles vorbei gewesen als sie ihre Mutter in ihrem eigenen Blut liegend vorgefunden hatte. 

Von da an hatte Skys Leben für lange Zeit eine destruktive Abwärtsspirale gehabt. 

Aber wenn sie an ihre Mutter dachte, dann dachte sie an Lachen. Sicherheit. Freude. 

"Ich kann dir nicht sagen wie du damit umgehst Mutter zu sein. Aber ich denke, dein Sohn hat ein Recht darauf zu wissen, warum er ein Hybrid ist. Und seine Mutter zu kennen." 

Sie studierte gedankenverloren ihr Glas.

"Nach allem was du hinter dir hast, ist Familie der einzige Anker der dir geblieben ist. Und ich meine dabei nicht biologisch oder gesetzlich, sondern deine wahre Familie. Mara, Laggy, ich. Das Corps, wenn du willst."


Ratana grübelte. "Wo steckt Laggy eigentlich? Immer noch auf der Atlantis? Das letzte Mal hat ser mir geschrieben als ihr mich...als ihr mich gerettet hattet." Ratana machte mit der Frage klar, dass sie nicht weiter über ihren Sohn sprechen wollte. Sie kannte das Kind nicht. Wollte sie es kennenlernen? Sie hatte einfach keinerlei Bindung aufbauen können. Da war ein Ei in ihr gewesen, selbst an die Geburt, die sie allem Anschein nach im Quartier allein hinter sich gebracht hatte, konnte sie sich nicht erinnern. 


"Ja, ser kommandiert noch die Atlantis." Skyla nahm einen Schluck von ihrem Drink. "Es hat sich vieles verändert, aber das ist gleich geblieben. Zumindest sein Gesundheitszustand ist wieder auf dem Weg der Besserung. Angeblich hat man etwas gegen sein Virus gefunden."


"Meine große Angst war, dass ich mich als Person verändert habe. Es ist schon merkwürdig, wenn man sich irgendwann nach hunderten Verhören selbst fragt, ob man nicht doch jeden Moment wieder zum Killer werden könnte oder über sich selbst die Kontrolle verliert." Ratana schwieg einen Moment. "Mir fehlt der Dienst. Ich denke, dass ich wieder bereit dazu bin."


"Dir fehlt nicht der Dienst," stellte Sky mit einem ihrer Minimallächeln fest, das nur ihre Freunde erkannten, "sondern die Struktur. Du warst immer schon jemand, dem das starre Regelwerk Halt gegeben hat." 

Sie trank ihr Gin Tonic aus.

"Was das andere betrifft. Unter den richtigen Vorraussetzungen wird jeder zum Monster." Sie schauderte kurz. "Glaub mir, ich war da. Mehr als einmal."


"Regeln sind wichtig. Ohne Regeln hat man Anarchie. Vielleicht musste ich erst durch die Abschlussprüfung der Sternenflottenakademie fallen, um zu wissen, dass Regeln einem nichts böses wollen, wenn sie denn ethisch verantwortbar sind." Ratana sah ihre Freundin an. 

"Aber du bist mit deiner Vergangenheit doch im Reinen oder?"


"Regeln sind dazu da gebrochen zu werden," zitierte Sky einen ihrer Lehrer. 

"Aber ja. Ich bin mit meiner Vergangenheit im Reinen. Würde ich etwas anders machen, wenn ich könnte? Im nachhinein? Ja, sicher. Aber selbst mit dem Luxus des Blicks zurück kann ich sagen, dass in den damaligen Situationen meine Entscheidungen richtig waren."

Wieder verfiel sie in Schweigen. 

"Auch wenn sie Tausenden das Leben gekostet haben."


"Da hast du nie drüber gesprochen..." Ratana ahnte, dass sie jetzt mal dran war mit zuhören und sie spürte, je wacher ihr Verstand war, desto mehr verschwand das Beruhigungsmittel aus ihrem Körper. "Vielleicht holst du uns Beiden einen Drink, pardon für mich einen Tee und dann bist du mal dran mit Reden." 


Nachdem der Getränkevorrat wieder aufgefüllt und Skyla platzgenommen hatte, drehte sich Ratana leicht auf die Seite, um den Kopf aufstützen zu können und ihre Freundin anzusehen. 


"Was soll ich erzählen? Ich war mehr als einmal in der Situation. Aber bevor du mich mit den Augen der Föderation siehst und als Monster abstempelst, bedenke die Umstände. Zumindest das erste mal hat mehr Menschenleben gerettet als es gekostet hat. Die anderen.. " sie nahm den ersten Schluck ihres Gin Tonics. "Die Anderen waren militärische Entscheidungen. Und wenn ich ganz ehrlich bin, die verfolgen mich eher als das erte Mal." 


"Was war das erste Mal?" 


Skys Augen schienen ihren Fokus zu verlieren. 

"Das war der Minenaufstand. Damals war ich frisch Sicherheitschefin nachdem Iain Präsident geworden ist. Ich habe die Notfall-Lüftungsschächte öffnen lassen. Und damit Tausende ersticken lassen." 


Ratana sah ihre Freundin, denn die saß ihr da gerade gegenüber, fragend an. Hatte sie das richtig gehört? Tausende? Wovon sprach Skyla da. Sie sah ihre Freundin irritiert an.  


"Du erinnerst dich an Sylene?" 

"Ja."

"Die Atmosphäre ist dünn und bringt dich um, wenn du keine Schutzausrüstung trägst. Es sei denn, du erfrierst vorher, natürlich. Daher leben wir auch alle unter der Oberfläche, eingegraben im Eis. Das hat uns auch fast umgebracht, nachdem das Kolonieschiff im System gestrandet ist. Wir verloren da auch einen Großteil unserer Tech-Basis."


Sie riß sich sichtlich zusammen. Auch wenn sie mit ihrer Vergangeneheit im Reinen war war es doch nicht leicht darüber zu sprechen. 


"Erst als Sylene wieder entdeckt worden war und wir feststellen mussten, dass das Eis in dem wir lebten wertvoll war, kam die Hochtechnologie zurück. Und dieüberlichtschnelle Raumfahrt. Aber das ist nebensächlich. Fakt ist, um zu überleben haben sich die Menschen zu sowas wie Clans zusammengeschlossen. Als wir wieder Anschluß an die galaktische Zivilisation hatten, wurden daraus die großen Companies." 

Ein kleines Lächeln entkam ihr. 

"Maras, beziehungweise Desmonds, Maras Papa, Firma, die SMC," sie grinste breit, wusste sie doch, dass Ratana SMC mit Starfleet Marine Corps asoziierte und nicht mit Sylene Mining Company, "ist aus dem größten dieser Clans hervorgegangen."

Nachdem sie einen Schluck genommen hatte, fuhr sie fort.

"Naja, praktisch alle Companies betreiben Minen in denen sie die organischen Komponenten fördern, die Sylene reich gemacht haben. Allerdings hatte sich eine Zweiklassengesellschaft entwickelt. Jeder, der auch nur irgendwie eine Assoziation mit einem der Clans nachweisen konnte, war besser gestellt als die, die es nicht konnten. Die waren praktisch Sklaven. Und irgendwann haben sie rebelliert und eine der größten Minen lahmgelegt. Ich wurde reingeschickt um die Rädelsführer zu töten. Und sollte mir das nicht gelingen, alle zu töten. Ich habe mich diesen Befehlen widersetzt und einen Deal ausgehandelt. Allerdings musste ich beweisen, dass ich es ernst meinte, und das ging nur indem ich die Lüftungsschächte öffnen ließ."


"Ich verstehe nicht ganz...", meinte Ratana als Sky schwieg. Ratty war permanent darauf gedrillt worden Leben zu schützen und nur in auswegslosen Situationen Gewalt einzusetzen. 


"Simpel. Wenn die Deckel aufgehen dauert es mehrere Minuten, bis sie sich wieder schließen können.  Aus Sicherheitsgründen müßen sie einen vollen Öffnungszyklus durchlaufen. Das dauert mehrere Minuten. In der Zeit zieht es atembare Atmosphäre aus den Minen und die Kälte dringt ein. Wer zu nahe drann ist und keine Schutzausrüstung hat... wird schlimmstenfalls rausgesaugt."


"Ich verstehe," kam es leise von der Orionerin. "Du hast eine schwere Entscheidung getroffen. "Ob ich es gutheiße, nun...." Ratana sah sie an. "Ich habe da einen Eid geleistet. Jedes Leben zu schützen und sei es im Äußersten mit meinem eigenen Leben. Ich darf dazu sogar Befehle verweigern. Auf Sylene, das habe ich ja selbst erfahren, gibt es solche Schwüre nicht. Da herrscht das Recht des Stärkeren....so habe ich es zumindest immer empfunden. Was wäre wenn Spiele...das ist nicht mein Stil. Aber andererseits...hattest du denn wirklich keine andere Wahl? Den Befehl zu verweigern?" 

"Hätte ich das nicht getan, hätten sie die Mine evakuiert. Nur die Anwesenheit von mir und meinem Team hat das verhindert. Die Company konnte es sich nicht leisten, allen zu zeigen dass sie sogar über die Leichen von Clanmitgliedern ging um ihre Profite zu sichern." 

"Aber wenn die Mine nur evakuiert worden wäre, wären da nicht weniger gestorben?"

Sky schaubte. 

"Sorry. Evakuiert bedeutet auf Sylene nicht, das die Menschen raus gebracht werden, sondern die Schächte geöffnet bis alle Luft draußen ist. Eben die Mine von Atemluft evakuiert ist."


Die Orionerin war sichtlich bewegt. "Keine Leichte Entscheidung," Ratana war einerseits geschockt über diese Geschichte, andererseits tief beeindruckt, dass Skyla ihr dies anvertraute. Sie konnte sich auch vorstellen, dass diese Geschichte, sollte sie bekannt sein, bei der Aufnahme in den Föderationsdienst heiße Debatten ausgelöst haben konnte. Moralisch konnte sie sich nicht vorstellen, so etwas auszuführen, auch wenn es dann ein anderer tun würde. Aber von der Ferne über eine Tat eines anderen zu urteilen war immer leicht. 


"Im Endeffekt habe ich mehr Menschenleben gerettet als geopfert. Und ihnen bessere Lebensbedingungen verschafft, sowie den Companies höhere Profite, weil die Produktion signifikant gestiegen ist." 

Ein weiterer Schluck.

"Trotzdem habe ich mir die finalen Opferzahlen nie angeschaut. Selbst für Sylene, wo das Wohl der Mehrheit immer über dem des Individums steht, waren sie hoch."

Sie sah Ratana an. 

"Das ich meinen Job nicht verloren habe, habe ich nur den Leuten zu verdanken, gegen deren Befehl ich mich aufgelehnt habe. Sie haben durch meinen Deal mehr Geld gemacht, als wenn sie ihre Lösung bekommen hätten."  Sie bekam ein verträumtes Lächeln. "Und natürlich Iain."


"Wie vereinbarst du soetwas mit deinem Schwur auf die Föderation?" Ratana konnte sich einen bedeutenderen Unterschied zwischen zwei Systemen nicht vorstellen. Wo Gewinne mehr zählten als Moral und Leben. 


"Garnicht. Ich habe schon auf Sylene irgendwann festgestellt, dass ich die "Alle über einem" Mentalität nicht mehr mittragen konnte. Als ich von der Sicherheit in die Navy gewechselt habe, wurde es leichter. Wie in der Föderation die Flotte oder das Corps ist auch auf Sylene der bewaffnete Dienst eine Insel mit ihren eigenen Regeln. Da wurde es leichter auch für das Überleben einzelner zu sorgen. Als ich dann zur Sternenflotte wechseln konnte, habe ich die Möglichkeit mit beiden Händen ergriffen. Habe sogar ein Kommando aufgegeben, um der Sternenflotte beizutreten. Als Fähnrich." sie grinste. 

"Das ist allerdings schon sehr lange her."


Ratana nickte und nahm einen Schluck von ihrem Tee. "Man denkt immer daran oder? Ich meine, ich habe das ja nicht freiwillig getan...aber ich zumindest denke immer daran, was ich da getan habe...Und ich denke, das wird bei dir ähnlich sein." 


"Du wirst es nie vergessen. Aber du wirst lernen die Dämonen zu bändigen. Damit zu leben." 

Sie leerte ihr Glas, und holte sich und Ratana Nachschub, "Es ist was du bist. Es zeigt dir wozu du fähig bist. Akzeptiere es. So wie ich meine Toten akzeptiere. Die Mine, die Kolonie. Meine Crews. Du hast sogar noch den Vorteil, dass du nicht du selbst warst, als es passiert ist."

Sie spielte mit ihrem vollen Glas und sah Ratana dann lange an.

"Du bist nichteinmal verantwortlich für das, was dein Körper getan hat. Was andere über die du keinen Einfluß hattest deinen Körper tun ließen. Aber das wird dir nicht helfen. Du wirst dich immer fragen, ob du nicht etwas hättest tun können."

Ratana nickte. Die Beschreibung war akkurat.

"Glaub mir, du hättest nicht. Wenn du etwas hättest ändern können, dann hättest du es zu diesem Zeitpunkt gemacht. Denn im Gegensatz zu mir, bist du ein guter Mensch." 

Sie lachte. 

"Naja. Eine gute Sophontin."


"Ich habe im Verlauf meines Lebens gelernt, dass es kein schwarz und kein weiß gibt und das weißt du sehr genau." Sie nippte am Strohhalm. "Wir leben in Grautönen, das hat mein Ausbilder mal gesagt. Und wir können beeinflussen ob es ein helleres oder ein dunkleres Grau ist," schlussfolgerte die Orionerin. 


"Mein moralischer Kompass mag nicht mit dem der Föderation übereinstimmen, aber für mich funktioniert er. Wenn mich wer als Monster sehen will, so sei ihm das freigstellt. Aber ein paar Dinge sollte er oder sie dann beachten: Ich bringe mein Schiff immer nach Hause. Koste es was es wolle. Auch Menschenleben oder Prinzipen." 


"Ich habe es gehasst jemanden nicht mit nach Hause zu bringen.... Vielleicht ist das auch der Maßstab meiner Arbeit. Jeder Tropfen Schweiß im Vorfeld erspart Blut. Ich habe nur das Gefühl, dass das die Generation nach uns manchmal....moralisch flexibel auslegt." Es war klar auf welche Veränderung an Bord sie anspielte. "Du hast uns immer nach Hause gebracht Skyla und du hast uns den Rücken freigehalten, damit wir unsere Leute ebenso nach Hause bringen konnten und dafür das ein oder andereAuge zugedrückt... etwas, was ich an dir sehr schätze."


Sky zuckte mit den Schultern. 

"Ich bin die kommandierende Offizierin hier an Bord. Mistress after God würden büse Zungen behaupten. Egal was, die Verantwortung liegt bei mir. Ich bin an allem Schuld was schief geht, dafür darf ich CO sein."

Wieder das vertraute, schiefe Grinsen, "Und du kennst mich lange genug, um zu wissen, dass ich immer hinter meiner Crew stehe. Dämonen, Geister und Monster unter dem Bett miteingeschlossen."


"Von Monstern habe ich in letzter Zeit genug gehabt," kam es amüsiert von Ratty. "Und von kalten Duschen. Ich bin echt froh, dass das irgendwie jemanden aufgefallen ist." Anscheinend hatte ihr niemand gesagt, wer sie gefunden hatte. 


"Oh, ich denke das liegt daran, das du einen neuen Fan hast. Mannix. Er hat dich gefunden."

Sky verschwieg, dass Mannix erst nachdem de Moncour bei ihm gewesen war, nach ihr geschaut hatte. Im Endefekt war sie froh darüber, das Ratana noch lebte.


"Du solltest dich vor ihm in Acht nehmen, denke ich." lächelte Sky. Ein sehr seltenes Lächeln, das kaum wer zu sehen bekam, denn es war deutlich, offen und warm. Eines, das sie um Jahre jünger aussehen ließ.  Die Orionerin sah irritiert drein. Wie meinte Skyla das schon wieder? Das war dieses Lächeln wie damals auf Sylene, als Skyla ihr die wahren Absichten des Majors offenbart hatte. Nein, auch nicht ganz. Nicht so tadelnd. Eher amüsiert. 


"Was die jüngere Generation angeht. Ich weiß nicht, waren wir nicht auch so, daß wir alles abgelehnt haben was die Geration vor uns uns zu lehren versucht hat? Haben wir es nicht auch immer besser gewußt? Und wie oft sind wir damit auf die Nase gefallen? Der Unterschied ist, dass wir irgendwann aus unseren Fehlern gelernt haben." 


"Und das werden die Jungen auch tun. Irgendwann. Hoffe ich jedenfalls immer. Wenn ich mir anschaue wie Charles sich entwickelt hat. Der Junge verdient langsam ein eigene Kommandoeinheit. Sporen hat er sich genug verdient."


"Von mir kriegst du jegliche Unterstützung, die du brauchst. Auch wenn ich ihn ungern verliere. Er ist ein stabilisierender Einfluß." 

Beide wußten, was Sky meinte.

"Aber hast du ihn gefragt ob er das überhaupt will? Ich habe den Eindruck, dass er gerne an Bord ist, und eigentlich darauf wartet, dass du das Kommando wieder übernimmst."


"Das wundert mich. Er....war damals sehr angefressen, als ich ihm das zweite Mal vor die Nase gesetzt wurde." Ratana erinnerte sich an die Reibereien. "Ich finde er hat viel gelernt. Er übernimmt Verantwortung. Ich kann nachvollziehen, dass du ihn nicht verlieren willst."


"Weißt du, wie lange es dauert, aus einem Haufen Individualisten eine funktionierende Crew zu formen? Charles ist mehr als nur eine Stütze für die Marines. Er ist es für alle unteren Ränge, egal ob Corps oder Flotte. Er selbst ist wahrscheinlich auch der Einzige, dem das noch nicht aufgefallen ist. Aber," und damit seufzte sie tief, "es ist natürlich auch genauso unfair, ihm seine Zukunft zu verbauen."


"Genau das hat Sheldran damals getan als er ihn vermeintlich aufs Abstellgleis geschoben hat. Aber er konnte nicht ahnen, dass du das Potential erkannt hast und damals Baxter und nicht ihn ins Nirwana geschickt hast. Es war halt unglücklich für ihn, dass er dann wieder mich vor die Nase bekam und wer weiß, ob und wo ich wieder eingesetzt werde. Ich fürchte den Schreibtisch, das muss ich ehrlich zugeben." 


"Ich bin nicht ganz ohne Einfluß, das weißt du." versuchte Sky Mut zu spenden. "Aber was Killroy betrifft. Er muss noch einen Offizierslehrgang machen, wenn du ihm höhere Weihe zukommen lassen willst. Ohne dem hat er das Ende seiner Aufstiegsmöglichkeiten erreicht. Und davon muss ihn erst wer überzeugen."


"Das stimmt." Ratana wusste aber genauso, dass es auch den Weg der Feldbeförderung geben würde. So wie sie Marine Captain geworden war. Sie schlürfte etwas Tee. "Ich fand es immer merkwürdig, dass Personal einzusetzen einem Schachspiel gleicht." 


"Das ist einer der Gründe, warum es Offiziere gibt. Wir haben unter anderem auch den Job, Talente zu finden und zu fördern. Charles ist sicher so ein ungeschliffener Diamant gewesen. Seine Chefin hingegen......"

"Was ist mit ihr?"

"Potential hat sie ohne Ende, das steht unzweifelhaft fest. Aber was ich an ihr vermisse - und das bleibt strikt unter uns - ist die menschliche Komponente."


Ratana strich sich in Gedanken über die Wange. Ja, so hatte man das, was im Verhörraum das ein oder andere Mal stattgefunden hatte, durchaus nennen können. "Ich zitiere meinen Ausbilder: Wenn man lange genug schleift, bekommt man jeden Diamanten in Form." Sie musste leicht lachen. "Ich glaube an mir hat er das sehr lange getan. Es gibt hier viele verdammt gute Leute... MacKenzie hat ebenfalls den richtigen Biss. Than ist eine kompetente Ärztin. Amun, der Junge hat sehr viel Potential...Die meisten Anderen kenne ich nicht gut genug. "


"Ich habe immer schon die schwierigen Fälle bekommen, und ich habe jedesmal eine funktionierende Crew daraus gemacht." stellte Sky fest, und Ratana mußte ihr Recht geben. Die Sylenerin hatte ein Händchen dafür aus sogenannten Problemfällen gute Offiziere zu machen.

"Aber manchmal... Um die Metapher deines Ausbildners zu verwenden: Irgendwann ist nichts mehr zum schleifen da."


"Ich kann mir kein Urteil bilden." Das konnte sie, aber sie verschwieg es. Sie hatte es aus dem Blickwinkel einer Terrorverdächtigen kennengelernt. Die emotionale Gewalt war enorm gewesen. Die Psychospielchen erniedrigend. Bis hin zu den Handgreiflichkeiten. "Ich weiß, dass man manchmal akzeptieren muss, bis wohin die eigene Macht geht und wo sie endet."


"Natürlich." Und beide wussten, dass die Andere log, "aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt." 


"Aye..." kam es sehr nachdenklich von Ratana. 


<rpg>


<SUM>


Zeit: SpD 31.2100

Ort: Krankenstation


Eine Marine und eine CO vergleichen Horrorgeschichten


</Sum>

























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Some say the world will end in fire,
Some say in ice.
From what I’ve tasted of desire
I hold with those who favor fire.

But if it had to perish twice,
I think I know enough of hate
To say that for destruction ice
Is also great,
And would suffice.
____________________________________

Robert Frost: Fire and Ice

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