Begegnung der dritten Art


Nessy
 

<RPG>
# Ort: USS Hephaistos, Holodeck II - 'Topf voll Gold'
# Zeit: SpD 13.1932
# Bälle: Jetsun

<quote>
"Ich habe einen kleinen Vorrat davon." antwortete Trish. "Für die Bar."
Als beide sie entgeistert anblickten, fuhr sie fort.
"Es ist nicht illegal, das zu besitzen oder einzuführen - nur es
jemandem ohne Aufklärung einzuflößen. Deswegen habt ihr hier die beiden
Komponenten - und ich glaube als Ärztin können Sie unseren Piloten hier
bestens über die Wirkung aufklären."
Sie lächelte breit und sah dann über ihre Schulter. "Also, lasst ihn
euch schmecken - ich muss dann. Gäste." sagte sie und entschwand, aber
nicht ohne den Vorhang zu schließen.
</quote>

"Also.." begann Fabièn, der sich überfahren fühlte. Vorsichtig nahm er
eines der beiden Fläschchen vom Tisch - das mit der silbrigen
Flüssigkeit - und untersuchte es skeptisch. Es war mit einem kleinem
Gummipropfen verschlossen, über den ein unbeschädigtes Siegel geklebt
war. Winzige Tropfen in der Flüssigkeit funkelten im Licht der Lampe
über ihnen.

Er sah zu Jetsun hinüber, die ihn mit einem undeutbaren Gesichtsausdruck
musterte. Oder war da ein leichtes Lächeln in ihren Mundwinkeln zu finden?

Fabièn legte das kleine Fläschchen zurück auf den Tisch. "Nix für ungut,
aber ich glaube, vielleicht trinken wir den Cocktail besser ohne
zusätzliche Würze, oui?"

"Hm", äußerte Jetsun einen unentschlossen-zustimmenden Laut. Die Aktion
von Trish war vielleicht etwas unsensibel gewesen, auch wenn sie
durchaus zu ihrem Charakter passte - immer gerade heraus und nicht lange
um den heißen Brei herumreden. "Das ist halt Trish. Das darfst du nicht
zu ernst nehmen."

Sicher hatte Trish nicht erwartet, dass sie tatsächlich diese Droge
nehmen und dann wie die Karnickel übereinander herfallen würden. Jetsun
war nicht hundertprozentig sicher, was sie davon halten sollte;
vielleicht sollte es eine kameradschaftliche Neckerei sein, vielleicht
war es aber auch eine subtile Art, sie als notgeil zu bezeichnen. Im
Interesse der zwischenmenschlichen Beziehungen beschloss Jetsun,
ersteres anzunehmen.

"Schon okay", stimmte Fabièn zu. "Ich bin von ihr schon so einiges
gewohnt." Trotzdem schob er die beiden Fläschchen vorsichtshalber noch
etwas von sich weg.

Stimmt ja, er wohnte ja mit Trish in einem Gemeinschaftsquartier. "Ach
so, was denn so?" fragte Jetsun neugierig.

"Ja, äh", stotterte LaGroille. Überrascht sah sie, dass sich seine
Wangen röteten. "Wie soll ich es sagen... sie ähm... hrm... scheint sich
manchmal nicht so ganz bewusst zu sein dass sie nicht allein im Quartier
ist..."

Was sollte das jetzt heißen? Doch Fabièn machte keine Anstalten, die
Aussage näher zu erläutern. Statt dessen langte er mit der Hand nach dem
Vorhang, den Trish vorgezogen hatte, und schob ihn wieder zur Seite.

"Nicht, dass die anderen noch sonst was von uns denken. Ich hab keine
Ahnung, wie die darauf kommen dass wir ein Paar wären. Aber ich könnte
wetten, dass Emily dahinter steckt."

Schade. Gegen etwas Zweisamkeit hätte nichts einzuwenden gehabt. Doch
Jetsun hatte sich längst darauf eingestellt, dass sie etwas Geduld mit
dem Franzosen haben musste, wenn sie Erfolg haben wollte. Und
wahrscheinlich war es auch klüger, sich nicht zu sehr auf ein
holographisches Stück Stoff zu verlassen. Sie zeigte auf das große
Cocktailglas mit zwei Strohhalmen.

"Den sollten wir aber schon trinken, finde ich. Das wäre doch sonst
Verschwendung."

Misstrauisch beäugte Fabièn das Getränk. Die farbigen Schichten sahen
wirklich faszinierend aus.

"Sind Sie, ich meine, bist du sicher dass da nicht auch schon was drin ist?"

"Bestimmt nicht", beruhigte Jetsun ihn. "Das wäre nicht Trishs Art".

"Finden wir es raus", beschloss er und beugte sich vor zu seinem
Strohhalm. Auch Jetsun beugte sich vor und nahm den zweiten Strohhalm.
Es war ein angenehmes Gefühl, Fabièn so nahe zu sein. Auch wenn sie den
Verdacht hatte, dass er sich der Situation, und ihrer Wirkung auf
eventuelle Zuschauer, wahrscheinlich gar nicht bewusst war.

Der Cocktail schmeckte so wie er aussah -- vielschichtig, ätherisch,
luftig. Im Nu hatten sie gemeinsam die Hälfte davon getrunken.

"Nicht schlecht", konstatierte Fabièn. "Ob wir wohl noch einen kriegen
können?"

"Sei nicht so unersättlich", tadelte Jetsun. "Von manchen Dingen darf es
nicht zu viel geben, sonst sind sie nichts besonderes mehr."

"Da magst du recht haben", stimmte Fabièn zu.

<NRPG: *hepp* an Jetsun oder wer vorbeischauen mag >


# Ort: USS Hephaistos – Holodeck
# Zeit: SpD 16.2130

<quote>
Jetsun nickte. "Ja. Gern. Ich... mag nicht mehr. Ich geh mal zu meiner
Tasche. Ich bin dann bei Ettore und Melody."

"Gut." Fabièn war ein wenig enttäuscht, konnte das aber verstehen. Und
er fragte sich, ob er wirklich alleine mit dem Pinguin noch etwas retten
konnte, oder ob es vielleicht besser wäre, an Jetsuns Seite zu bleiben.
Einerseits fühlte er sich nach dem Sieg gegen den einen Wiking noch
immer recht cool, andererseits sah es so aus, als ob Jetsun wirklich
etwas die Lust verloren hatte.
</quote>

Er sah der Ärztin hinterher, die vorsichtig über das Eis stiefelte. Sie
machte kleine, vorsichtige Schritte (da sie ja nun allein das
Gleichgewicht halten musste). Das nasse Kleid klebte an ihrem Rücken und
sie sah ein wenig geknickt aus. Fabièn sah ihr hinterher und hatte
Mitleid. Er war zwar manchmal schwer von Begriff, aber er wusste, er
sollte jetzt *wirklich* hinterherfahren und ihr beistehen.

Andererseits - den Sieg einfach sausen lassen? Er fühlte sich inzwischen
relativ sicher auf den Kufen, und das Spiel machte echt Spaß. Auch die
anderen hatten den Wikingerschock allmählich überwunden und orientierten
sich wieder. Und die Chancen auf ein Rückspiel standen schlecht...

Was sollte er nur tun! Jetsun helfen oder weiterspielen? Er schaute
zwischen ihr und den anderen Mitspielern hin und her, und... schon war
es zu spät. Jetsun hatte Melody und Ettore erreicht, die sie begrüßten.
Da konnte er auch weiterspielen.

Er fasste seinen verbliebenen Pinguin fester und stieß die Kufen ins
Eis. Doch ein Rest von schlechtem Gewissen blieb.


# Zeit: MD 10.1700
# Ort: in den Tiefen des Alls

"Diese Geschichte hat mir ein Frachterkapitän erzählt, den ich seit
vielen Jahren kenne. Er ist ein bodenständiger Mann, ein Raumfahrer von
altem Schlage, den so leicht nichts aus der Ruhe bringt.
Asteroidenhagel, Subraumspalten, ... so etwas entlockt ihm nicht einmal
ein Schulterzucken. Doch diese eine Begegnung - seine Hände zitterten
schon, nur als er mir davon erzählte.

"Er war, so sagte er, in der Gegend des Japori-Sektors unterwegs.
Routineflug, so wie unzählige Male zuvor. Irgendeine unwichtige
Lieferung für einen Planeten, dessen Wirtschaft komplett auf Kristallen
beruhte... Doch dann tauchte dieses Schiff in seiner Flugbahn auf.
Mitten im Leerraum. Von einem Moment auf den anderen war es da, wie aus
dem Nichts erschienen.

"Der Kapitän war wie gesagt ein alter Haudegen. Klar war es nicht
normal, dass da plötzlich aus dem Nichts ein komplettes Raumschiff
erscheint. Andererseits auch wieder nicht so ungewöhnlich, dass ihn das
ins Schwitzen gebracht hätte. Gibt ja genug Gründe, wie so was passieren
kann.

"Er hat also den Kurs geändert, um mal nachzuschauen, was es damit auf
sich hat. Hätte ja sein können, dass sie Hilfe brauchen. Seine Crew
bestand nur aus einem halben Dutzend Leute, so dass es keine langen
Diskussionen gab. Sie gehen also unter Warp und nähern sich dem Kahn.

"Auf Funkrufe antwortete niemand. Auch einen automatischen Notruf gab es
nicht. Die altertümlichen Warpgondeln waren finster - genaugenommen war
der ganze Kahn finster und leblos. Ein automatisches Positionslicht
oben, eins unten, das war alles. Der Kapitän richtete seine Scheinwerfer
auf die Hülle. Die Lichtkegel rissen Stücke der Oberfläche aus der
Finsternis. Alles neu und unversehrt wie am ersten Tag. Es war die USS
Baltimore, eine Walker-Klasse, die vor über hundert Jahren spurlos
verschwunden ist. Das hat er aber erst viel später herausgefunden.

"Wie gesagt, alles finster, keine Antwort. Doch da zeigt sein Navigator
auf den Hauptschirm. 'Da!'

"Was war da, fragt der Captain. Der Navigator meint, er hätte in einem
der Fenster einen schwachen Lichtblitz gesehen. Unmittelbar, nachdem der
Scheinwerfer des Frachters darübergestreift ist. Sie halten noch mal mit
dem Scheinwerfer drauf, und diesmal sieht der Kapitän es auch.
Augenblicke nachdem sie ihren Scheinwerfer weitergeschwenkt haben, ist
in dem einen Fenster ein schwaches Licht zu sehen. Vielleicht ein
Überlebender, der die Scheinwerfer bemerkt hat und antwortet.

"In Windeseile scheuchte er seine Leute in die Raumanzüge und sie
beamten hinüber. Sie hatten das Licht auf einem der unteren Decks
gesehen, deswegen suchten sie einen Gang in der Nähe. Und hier wird's
unheimlich.

"Das erste was ihnen auffällt, ist das Licht. Der Gang ist ganz normal
beleuchtet. Keine Spur von Stromausfall. Die Wandschalter blinken,
irgendwo in der Ferne zischen Türen, alles so wie es sein soll. Noch ehe
sie diese Erkenntnis verdaut hatten, kam eine junge Frau in so
altertümlicher Uniform aus einer Tür und ging an ihnen vorbei.

"Der Kapitän erzählte mir, sie waren so verdattert, dass sie gar nicht
auf die Idee kamen sie anzusprechen. Er sagte, er sieht sie heute noch
vor sich, den Schmollmund, die komische Frisur, das komische Oberteil
dass sie damals trugen. Sie schaut steif geradeaus, spaziert zum
Turbolift und ist weg.

"Entweder hatte sie sie gar nicht bemerkt, oder sie war in irgendeiner
Art Trance gefangen. Auch der nächste, der vorbeikam, ein Techniker,
beachtete sie nicht, sondern ging seiner Wege. Sie beschlossen, dass sie
als erstes nach dem Quartier schauen würden, aus dem sie das Lichtsignal
gesehn hatten.

"Sie gingen also das kurze Stück den Gang entlang. Da kam ihnen wieder
ein Typ in roter Uniform entgegen und schenkt ihnen keinen Blick.

"Dem werde ich's schon zeigen, denkt sich der Pilot, und stellt sich dem
Kerl einfach in den Weg. Doch der Typ lässt sich davon nicht beirren,
geht stur gerade aus - und direkt durch den Piloten durch!

"Zuerst schien es, als wär das alles. Der Kapitän und die anderen
wollten natürlich erstmal wissen, ob es dem Piloten gut geht. Ja klar,
alles bestens. Langsam gingen sie weiter. Doch der Pilot kam keine drei
Schritte weit, ehe er stockte. Sein Gesicht war bleich, und er atmete
schwer.

"Besorgt beugte sich der Kapitän über ihn, und da...

FATSCH!

.. bricht ihm ein Borgimplantat aus dem linken Auge! Es entfaltete sich
wie eine Blüte und krallte sich in seiner Gesichtshaut fest. Die
Crewmitglieder waren nämlich Borggeister! Die Baltimore wurde von Borg
aus der Zukunft geentert, und alles was sie tun konnten, war eine Art
Phasenverschiebung herzustellen, um zu verhindern dass die Borg das
Schiff verlassen konnten. Die ZUkunftsborgs hatten ihre Implantate innen
drin, so dass die Crewmitglieder wie normale Menschen aussahen. Doch
wenn du sie berührtest, so infizierten sie dich mit ihren Nanosonden und
du warst verloren.

"In Minutenschnelle verwandelte sich der Pilot in einen Borg. Alles, was
sie tun konnten, war ihm einen schnellen Tod zu bereiten. Es fiel ihnen
nicht leicht. Doch schließlich zog der Kapitän den Phaser und gab ihm
den Gnadenschuss. Sie ließen ihn zurück und erreichten endlich das
Quartier, aus dem die Lichtzeichen gekommen waren.

"Die Tür war verschlossen. Sie beeilten sich, sie zu öffnen, denn
jederzeit konnten weitere Borggeister auf dem Gang auftauchen und ihnen
das Verderben bringen. Nach einigen Versuchen gelang es ihnen, sie auf
Handsteuerung schalten. Langsam öffneten sich die Türhälften. Das
Quartier dahinter war finster...

"'ICH HABE EUCH ERWARTET', erklang da eine dämonische Stimme. Vor dem
Hintergrund der Sterne im Fenster erblickten sie einen schlanken,
menschlichen Umriss. Die Gestalt schien mit Kabeln verbunden zu sein,
die in Wänden und Decke endeten.

"Mit zittrigen Fingern richteten sie ihre mitgebrachten Scheinwerfer auf
die Gestalt...

"Es war die Borgkönigin. Natürlich auch ein Geist. Ihre Lippen waren zu
einem dämonischen Grinsen verzogen. Ihr weiblicher Körper so wunderschön
wie todbringend.

"'WIDERSTAND IST ZWECKLOS', verkündete sie drohend. Hinter ihnen waren
schlurfende Schritte zu hören. Aus allen Richtungen kamen nun die
Borggeister herangelaufen. Sie kamen, sie zu holen.

"Doch das war noch nicht das schlimmste. Unter ihnen war nämlich auch
der Pilot! Die Borgimplantate hatten ihn wieder zum Leben erweckt. Sein
Körper flackerte und wurde immer wieder halb durchsichtig, durch die
Wirkung der Phasenverschiebung. Die Geister öffneten den Mund und fingen
an, ein altes Seemanslied vom Tod auf dem offenen Meer zu singen...

"Die Borgkönigin fiel ein. Ihre Stimme klang elektronisch, digital
verfremdet, und sie sah ihnen die ganze Zeit in die Augen, während das
Verderben herannahte... es war mehr als ein Mensch ertragen konnte!

"Mit knapper Not konnten sie einen Notfalltransport auf ihr Schiff
auslösen. Die Borg konnten ihnen nicht folgen. Sie flogen davon und
versuchten den Vorfall zu vergessen...

"Doch die Baltimore ist immer noch da draußen, und wartet... wartet -
auf die nächste arme Seele, die ihnen zu Hilfe eilen will..."

-*-

Im Licht der Helmscheinwerfer ihrer Raumanzüge wurde das im All
treibende Schiff immer größer. Längst hatten sie den geheimnisvollen
Punkt überschritten, an dem sich das "greifbare Objekt" in eine
unübersichtliche Oberfläche aufgelöst hatte. Aus dem Augenwinkel konnte
Fabièn die riesigen Lettern "...TIMORE" auf dem Schiffsrumpf erkennen.

Der Franzose schüttelte den Kopf und versuchte das Seemansgarn zu
verdrängen, das er seinerzeit auf der USB Yadera gehört hatte.

</RPG>
<SUM>
# Ort: USS Hephaistos, Holodeck II - 'Topf voll Gold'
# Zeit: SpD 13.1932
- Fabien und Jetsun nehmen davon Abstand, sofort übereinander herzufallen.

# Ort: USS Hephaistos – Holodeck
# Zeit: SpD 16.2130
- Fabi lässt Jetsun ziehen und beschließt, trotz schlechtem Gewissens
weiter um den Pinguintitel zu kämpfen.


# Zeit: MD 10.1700
# Ort: in den Tiefen des Alls
- Seemannsgarn
</RPG>

**submitted by
Johannes aka Lt. Fabien LaGroille

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