Two from Outer space, Teil 6: Eisstation Zebra und andere Widrigkeiten


Skyla Lyma
 

 



Das wird wahrscheinlich der vorläufig letzte Teil unserer Copo-Serie sein. Dank eines gewissen Posts ;) kam alles anders als geplant, aber es hat uns auch geholfen ein plottechnisches Problem zu umschiffen. Daher wünsche ich viel Vergnügen. Teil 1 ist von Lasse , Teil 2 von mir.

Einen guten Start in den Tag!


Sky


<RPG>


#Ort : Stern von Orion

#Zeit: MD 3.1600


Als Maggie über die Leiter in den Aufenthaltsraum der Star kletterte war Red gerade dabei, eine ihrer Magnetwaffen zu reinigen. Die Bestandteile der Waffe lagen fein säuberlich nebeneinander aufgereiht auf dem Tisch, ein Kännchen Schmiermittel und ein Putztuch daneben.

"Schön dich mal wieder zu sehen." empfing die Sylenin ihre Copilotin grinsend. "Ich habe schon angefangen, mir Sorgen zu machen."


"Danke, aber du bist nicht meine Mutter." erwiderte Maggie und ließ sich neben ihr auf die Couch fallen.


"Jürgen?"


Maggie nickte. "Die Gloryhound bricht heute Nachmittag zu einer Tour durch die benachbarten Systeme auf. Er hat darauf hingewiesen, dass es da draußen neuerdings wesentlich gefährlicher sei und er morgen vielleicht schon tot sein könnte - und dass es deshalb eine Schande wäre, seinen letzten Abend nicht auszukosten."


"Ich bin sicher, du hast ihm einen Abschied beschert, den er so schnell nicht vergessen wird." grinste die Sylenin und polierte den Lauf ihrer Waffe.


"Das hoffe ich doch. Besser als Waffen zu putzen war es allemal."


"Ich will nur vorbereitet sein." erwiderte Red. "Es könnten immer noch untergetauchte Entertrupps auf der Station sein. Oder die Piraten könnten mit neuen Leuten wieder kommen."


Maggie schüttelte den Kopf, auch wenn sie ihr insgeheim Recht gab. Als der Enteralarm losgegangen war wollte Red sich ihre Waffen schnappen und losziehen, um 'ihren Leuten' zu helfen. Es hatte Maggie einige Überzeugungskraft gekostet sie davon abzuhalten, aber letzten Endes hatte die Sylenin doch eingesehen, das es keine gute Idee war, praktisch ungeschützt in ein Gefecht zwischen schwerbewaffneten Kämpfern einzugreifen. Zumal 'ihre Leute' nicht wussten, das sie auf derselben Seite standen, und Red und Maggie am Ende unter Beschuss von den eigenen Truppen gekommen wären. Also hatten sie sich in der Star verschanzt und abgewartet, bis sich der Rauch aufgelöst hatte.


"Nachdem ich mich von Jürgen verabschiedet habe war ich noch kurz auf der Promenade, um mir etwas zu Essen zu besorgen." erzählte Maggie und nahm ein unidentifizierbares Teil vom Tisch.

"Dabei wurde ich von zwei Typen angesprochen."


"Was wollten Sie?"


"Den Star anmieten." sagte Maggie und drehte das Teil herum. "Für einen 'keine weiteren Fragen'-Frachtauftrag von Midgard ins Nirgendwo."


Nun wurde Red hellhörig.

"Wie sind sie auf dich - oder uns - gekommen?"


"Über Tarif. Den Kontaktmann, den Conrad uns vermittelt hat. Sie haben angedeutet, dass wir bei den ‘wahren Besitzern’ der Station etwas gut haben würden, wenn wir den Auftrag schnell und sauber über die Bühne bringen würden."


"Und was hälst du davon?"


"Ich weiß nicht. Die Beiden waren irgendwie fischig. Auf die Art, die zwielichte Gestalten es eben sind. Aber du kannst dir selbst ein Bild von Ihnen machen, wir sind in einer Stunde mit ihnen verabredet, um die Details zu klären."


"Du nimmst diese Tarnung ein wenig zu ernst." kommentierte Red und fischte Maggie das Teil aus der Hand, um es wieder an seinen Platz auf dem Tisch zu legen.


"Ich weiß. Ich habe ja auch nicht vor, diesen Flug zu machen. Wir haben 'eh nicht mehr viel Zeit, ehe wir dem neuen Chef die Aufwartung machen müssen. Aber die Beiden wollen etwas von der Station bringen, ehe die Sternenflotte darüber stolpert - so dringend, das sie bereit sind, sich mit jemandem einzulassen, der hier keinerlei Leumund hat. Sie haben sich Mühe gegeben die Fracht nicht wichtig wirken zu lassen, also denke ich, dass es nicht schaden kann, wenn wir sie uns mal ansehen."


"Oder.. wir liefern es doch ab." überlegte Red laut.


"Entschuldigung?"


"Natürlich nicht, ohne es uns vorher anzusehen. Wenn es Kanister mit Xanitat-Grippeviren sind, dann übergeben wir sie natürlich der Stationsleitung. Aber wenn es nur eine Kiste des Lieblingsweins von Crimson Dawn ist... wenn die Lieferung wirklich an die Guardians geht, dann könnte das _die_ Gelegenheit für uns sein, mehr über sie herauszufinden: Wo verstecken sie sich? Wie viele sind sie? Was planen sie?"


"Sie könnten eine Falle planen." gab Maggie zu bedenken. "Falls sie irgendwie herausgefunden haben sollten, wer wir sind..."


"Dann werden sie feststellen müssen, das mit einer sylenischen LAU ebenso wenig zu scherzen ist wie mit einer sylenischen Railgun." stellte Red fest.


"Dazu müsstest du das Ding erstmal wieder zusammengebaut bekommen." merkte Maggie an und stand wieder auf.

"Ich geh' erstmal duschen."





#Zeit: MD 3.1725
#Ort: Terrestrische Anlagen, Deck 59, USB Midgard


<Q>

Die junge Frau hatte die Stimme eines altgedienten Cops angenommen. Obwohl sie im Rang nur eine Ensign war, wusste sie genau, was in ihrer Macht stand und was nicht. Trotzdem lag ein Kloß in ihrer Kehle, es war nicht unbedingt ein angenehmes Gefühl zwei ranghöhere Offizierinnen zur Minna zu machen. Doch nach Außen hin trug Katie die Maske der Selbstsicherheit. Sie war die CSO der Station und niemand anders.

</Q>


"Ich HABE Sie verstanden, Frau Duncan." antwortete Yvonne schließlich. Die junge Frau verzog bei der Anrede keine Miene, aber einer der beiden Kerle mit den Waffen warf ihr einen kurzen Blick zu.

"Und Sie sind nicht die Einzige, die Personalakten lesen kann. Aber wenn ich mich an Ihre richtig erinnere, dann bin ich etwas überrascht, dass Sie MIR Befehle erteilen wollen."


"Wenn es um die Sicherheit der Station und der Führungsoffiziere geht: Ja, dann kann und WERDE ich Ihnen Befehle erteilen." stellte Katie klar.


"Wir sind aber keine Führungsoffiziere!" stellte Yvonne klar und hieb auf dem Tisch - jetzt, wo die Karten auf dem Tisch lagen würde sie damit wohl kaum eine vorschnelle lebensverkürzende Reaktion von den beiden Gorillas provozieren.

"Nicht hier, nicht jetzt. Unser Dienst auf der Station beginnt erst Morgen. Mor-gen. Lesen Sie es nach, steht in den Versetzungspapieren. Heute sind wir keine Offiziere, sondern Zivilisten - Zivilisten, die im übrigen versuchen, den Job zu machen, den Sie eigentlich machen sollten."


"Müsste ich mich nicht um verantwortungslose Offiziere kümmern, dann könnte ich ihn auch machen." kommentierte Katie. "Und das mit dem Dienstantritt ist, verzeiehn Sie den Ausdruck, Kamelkacke. Ob im Dienst oder nicht, Sie beide gehören zur Sternenflotte und damit in meinen Aufgabenbereich. Und ich bleibe dabei: Packen Sie ihre Sachen und fliegen Sie zur Resolution."


"Das wird nichts bringen." meldete sich nun Mara zu Wort. "Unsere 'Tarnung' wird so oder so auffliegen. Meine vielleicht nicht sofort, aber sobald Magg... Kommander Renard das erste Mal neben der CO auf den Bildschirmen der Station steht wird jeder, der sie hier unten gesehen hat, sich zwei und zwei zusammenzählen können. Ob wir direkt von hier aus in die OPS gehen oder den Umweg über die Resolution nehmen wird da keinen Unterschied machen. Das war uns bewusst, und das haben wir einkalkuliert."


Katie stöhnte. Da war was dran. Es würde aber auch bedeuten, dass sich morgen wie ein Lauffeuer unter den Bewohnern der Station verbreiten würde, dass Sternenflottler sich unter sie gemischt hatten, um sie auszuspionieren. Und das ausgerechnet jetzt, wo die ersten Midgarder vorsichtig anfingen, so etwas wie Vertrauen zu ihnen aufzubauen.


"Es ist sowieso egal." meinte Yvonne, die ebenfalls, wenn auch aus einem anderen Grund, verstimmt war. "Dank Ihrem Auftritt sind wir hier jetzt eh fertig. Wir können genauso gut hoch zur OPS gehen und uns gleich anmelden - vielen Dank übrigens."


"Wie bitte?"


"Wir hatten ein Treffen mit jemandem vereinbart, der eine brisante Fracht von der Station transportiert haben wollte." erklärte Mara. Und fragte sich, wieso ausgerechnet sie hier die rationalste Person am Tisch war (die beiden Sicherheitsmänner vielleicht mal ausgeklammert). "Dem Subtext konnten wir entnehmen, dass es sich um etwas handelte, was für die Grim Guardians einigen Wert hat."


"Und sie wollten es sicherstellen und der Sicherheit übergeben?" Katies Tonlage ließ wenig Zweifel, dass sie ein 'Nein' als Antwort erwartete.


"Wir wollten es ausliefern." bestätigte Yvonne. "Natürlich nicht ohne es vorher zu untersuchen. Und dabei die Guardians auszuspionieren."


Katie schüttelte ungläubig den Kopf.

"Das kann doch nicht ihr Ernst sein. Ich konnte herausfinden, wer Sie sind. Die Guardians haben das vielleicht auch. Sie hätten in eine Falle fliegen können. Das Letzte, was wir jetzt brauchen können, sind Geiseln, mit denen Crimson Dawn uns unter Druck setzen kann."


"Wenn es eine Falle ist. Es könnte aber auch ein Hauptgewinn gewesen sein." trotzte Yvonne. "Aber dank ihrer Hilfe werden wir das wohl nie erfahren."


"Gern Geschehen."


Mara verfolgte die Diskussion mit zunehmendem Interesse. Sie hatte Yvonne früher schon bockig erlebt, und dass ihre Freundin sich jetzt mit genau den Argumenten verteidigte, die zuvor Mara mäßig erfolgreich gegen sie vorgebracht hatte, führte dazu, dass sie sich ein Grinsen verkneifen musste. Aber es war selten, dass ihr jemand derart die Stirn bot. Die Beiden hatten das Potential erbitterte Feinde oder beste Freunde zu werden, und sie war gespannt, in welche Richtung das Pendel letztlich ausschlagen würde.

Momentan sah er eher nach Feindschaft aus.


“Ich sage es jetzt noch ein letztes Mal.” verkündete Katie. “Diese Scharade endet hier und jetzt. Sie können sich selbst überlegen, wie. Ich persönlich würde Ihnen empfehlen zurück zu Ihrem Schiff zu gehen und es zu einem Hangar in der blauen Zone zu fliegen. Da wo es momentan steht kann ich Ihnen nicht garantieren, dass es nicht während ihrer Abwesenheit demontiert und als Ersatzteile verkauft wird. Wie gesagt, das ist Ihre Sache. Aber wenn Sie beide nicht in zwei Stunden beim Quartiermeister vorgesprochen haben, dann werde ich Sie sie persönlich holen und zu ihm schleifen.”


“Ja, das würden sie tatsächlich versuchen.” stimmte Yvonne zu.


Mara legte ihr die Hand auf die Schulter, ehe sie weiter reden konnte. Das wurde allmählich doch etwas zu viel Eskalation, selbst für ihren Geschmack.

“Wir werden uns gleich auf den Weg zum Schiff machen.” versprach sie und lächelte den Sicherheitsmännern zu. “Zumindest, wenn die Herren uns gehen lassen.”


Katie nickte, und die beiden standen auf und gingen.

“Zwei Stunden.” wiederholte sie, dann drehte sie sich ebenfalls um und folgte den Beiden.


“Blöde Kuh.” grummelte Yvonne ihr nach.


“Nun, du musst zugeben, sie hat Mumm.” meinte Mara und knuffte sie in die Seite. “Na komm, lass uns packen. Ich habe keine Lust wegen dir zu spät zu kommen und in einer Arrestzelle zu landen. Wieder einmal.”


Als sie das Lokal verließen sah Mara sich noch einmal um.

“Es hätte funktioniert.” stellte sie dann fest. 

“Natürlich hätte es das!” Gab Yvonne ihr recht.

“Ob sie das mit den zwei Stunden ernst meint?” überlegte Mara weiter. 

“Und wenn schon. Sky wird uns sowieso eine Standpauke geben.” 

“Das,” lachte Mara, “wußten wir doch von Anfang an!” 


Auf das Gesicht der CSO freute sie sich aber heimlich jetzt schon, hatte sie doch nicht die geringste Absicht die zwei Stunden einzuhalten. Wegen administrativer Verzögerungen, die nicht in ihrer Hand lagen, natürlich! 



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#Zeit: MD 3.2047
#Ort: Büro der CO, Operation Command (Brücke), USB Midgard



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<Quote:>


„Ma’am, Sie haben recht. Wir kennen uns noch kaum. Doch Sie sind ein Flaggoffizier. Sie haben eine große Verantwortung, eine größere als ich. Doch meine Verantwortung ist die Sicherheit der Station und damit auch ihre Sicherheit. Wenn ihnen etwas zustößt, dann grillt man mich. Wenn Ihnen etwas zustößt, dann habe ich meinen Job nicht gut gemacht. Noch ist Midgard zu behandeln wie Feindesland. Deswegen werden Sie keinen Ausflug mehr ohne Begleitung machen. Sie…“

Skyla schüttelte den Kopf. Sie mochte ihre Freiheit, sie hatte Erfahrung auch in diesem Teil des Weltraumes oder zumindest in ähnlichen Teilen und sie wusste sehr wohl, wie gefährlich es hier sein konnte. „Nein Ens. Duncan, ich werde Sie informieren, das ist richtig doch wenn ich mich auf eigene…“

Katie verließ die ‚Rühren‘ Position und stellte sich stramm. „Ma’am, Nein, Ma’am. In Fragen der Sicherheit sind meine Anweisungen bindend. Auch für Sie als CO der Station. _Sie_werden_nicht_ohne_Begleitung_auf_der_Station_spazieren_gehen!“ Den letzten Satz sprach Katie Wort für Wort aus und betonte jedes Wort dabei überdeutlich. „Wenn sich die Situation verändert, dann können wir diese Regel aufweichen, doch bis dahin, werden Sie meiner Sicherheitseinschätzung Folge leisten und Sie werden sich als Vorbild an diese Regel halten!“

</End Quote>

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Katie wartete auf den Ausbruch der CO. Wartete darauf, nicht nur ihren Job los zu sein, sondern auch ihrer Karriere traurig nachwinken zu können. Von der Eisstation Zebra aus. Das war die zweite FO der sie heute auf die Füße getreten war.
“Gut gemacht, Katie!”, gratulierte sie sich daher auch selbst.

Doch der Ausbruch blieb aus. Vorläufig?
Sky stand stattdessen auf, ging wortlos zu ihrer Espressomaschine und machte dampfend und zischend einen Espresso für sich, während die CSO da stand und versuchte ihre Nervosität zu unterdrücken. Der Espresso war, wie sich herausstellte, offenbar ein mehrfacher, wenn man die Größe der Tasse als Maßstab nehmen konnte.
Mit dem Häferl in der Hand wanderte Sky wieder zurück, blieb aber vor ihrem Schreibtisch stehen und lehnte sich mit dem Po daran. 

Ihr Blick musterte Katie, die in perfekter Hab Acht Stellung da stand. Eine oder zwei Schweißperlen bildeten sich an ihren Schläfen, aber die junge Ens. hielt die Stellung eisern.

Schließlich seufzte Sky halb amüsiert, halb frustriert.

“Ich weiß nicht, welche Reaktion sie von mir erwarten, das sie so eine Show abziehen.”

In Katies Gesicht war deutlich ein Fragezeichen zu sehen. Show? Welche Show? 

“Also lassen sie das Hab acht und setzten sie sich hin,” die CO deutete dabei auf einen der Besuchersessel vor ihrem Tisch, “und hören sie zu.”
Ihre Stimme machte dabei klar, daß das weder ein Vorschlag noch verhandelbar war.

Was immer für eine Reaktion Katie erwartet hatte, so eine war es nicht. Steif setzte sie sich hin, immer noch hochaufgerichtet und mit einem Stock im Kreuz.

Als Sky sah, das sie nicht mehr bekommen würde, nahm sie einen Schluck: “Ein paar Dinge zuerst. Dinge, die nicht in meiner offiziellen Akte stehen. Wissen sie wo ich her komme?”

“Sylene, Ma’am.” 

“Kennen sie Sylene?”

“Nein, Ma’am.”

“Sylene ist eine Eiswelt. Ohne technische Hilfsmittel überlebt man an der Oberfläche nur sehr kurz. Man erstickt, erfriert oder wird weggeweht, je nachdem was schneller paßiert. Daher leben alle unter dem Eis. Jetzt stellen sie sich die Midgard vor und potenzieren das mehrfach. Dann haben sie eine Idee einer Vorstellung wie die untersten Ebenen Sylenes an einem guten Tag sind.
Ich war 12, als meine Mutter ermordet wurde, und 16 als ich Iains Creditchip stahl. Im Gegenzug dazu adoptierte er mich. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich den Mörder meiner Mutter seiner gerechten Strafe zugeführt und vier Jahre in einer Umgebung überlebt, gegen die die Midgard eine Strandparty von hundertjährigen ist.” Sie machte eine Pause und nahm einen Schluck, “Bevor ich zur sylenischen Navy und von dort zur Sternenflotte wechselte hatte ich es bis zur Sicherheitschefin Sylenes gebracht.”

Ihre Blicke bohrten sich in die von Katie und die gefühlte Temperatur im Raum fiel.

“Sagen sie mir also nicht, wie gefährlich diese Station ist. Ich weiß das. Wahrscheinlich besser als sie.” 

Katie wollte etwas sagen, doch Sky ließ sie nicht zu Wort kommen.

“Was nicht bedeutet das sie nicht recht haben.” 

Die CSO war sprachlos. Hatte die CO ihr gerade recht gegeben? 

“Aber die einmalige Chance, die Station anonym und frei von Vorurteilen zu erleben, konnte ich mir nicht entgehen lassen. Wenn sie also in Zukunft haben wollen, das mich ein Sicherheitsteam begleitet, wird das unauffällig sein müßen, was wohl bedeutet in zivil. Wenn wieder Frieden herrscht können wir darüber reden, das zu ändern.” 

Als sie den erwartungsvollen Blick ihrer neuen CO sah nickte Katie erst zögernd, dann bestimmt.
“Das läßt sich sicher arrangieren, Ma’am. Solange ich es rechtzeitig weiß.” 

Ein seltenes warmes Lächeln von Sky war die Antwort. “Noch etwas. Vergessen sie das Ma’am. Wenn, dann sagen sie Skipper.”

“Skipper?” Katie hatte den Ausdruck noch nie gehört.

“Ja. Die Station ist zwar kein Schiff, aber ich ziehe diese Bezeichnung Captain, Commodore oder etwas anderem vor.” Sie zuckte leicht die Schultern. “Skipper ist eine alte Bezeichnung für den Kommandanten eines Schiffes und hat sich in der sylenischen Navy wie so viele andere archaischen Bezeichnungen gehalten.”

“Wenn ich fragen darf, Skipper,” Katie probierte das Wort aus, “welche gibt es noch?”

“Unter anderem wird der FLG Helms genannt und der Kommunikationsoffizier ist Sparks. Der Chef von Jägerstaffeln, die wir momentan nicht haben, ist der CAG. Das sind wohl die wichtigsten in unserer Situation.”

“Gewöhnungsbedürftig, wenn ich das so sagen darf.”

“Mag sein, aber all die Jahre in der Sternenflotte haben das nicht aus mir raus gebracht. Alte Hunden und neue Tricks und das alles.”
Sie machte eine wegwerfende Handbewegung. 

Katie hatte sich inzwischen tatsächlich etwas entspannt. Das befürchtete Donnerwetter war nicht gekommen, im Gegenteil, die CO hatte ihr sogar recht gegeben!

Skys Stimme wurde sanft und gleichzeitig emotionslos, was Katie sofort in Alarmbereitschaft versetzte:
“Was mich zu etwas anderem bringt. Solange sie etwas zu sagen haben, sagen sie es, auch wenn sie denken, ich will es nicht hören. Aber überlegen sie sich, wie sie das formulieren,” plötzlich wurde es wieder kalt und Katie ging auf, daß sie vorhin möglicherweise doch eine Grenze überschritten hatte,  “und ob es nicht besser wäre, mir das - so wie jetzt - unter vier Augen zu sagen. Ich weiß das ich nicht unfehlbar bin, aber ich gehe sehenden Auges kalkulierbare Risiken ein. Das habe ich immer und das werde ich sicher auch weiter tun. Gewöhnen sie sich also daran.” 

Die Temperatur war scheinbar wieder auf normal und einen kurzen Moment überlegte Katie. Als sie erfahren hatte, wer die neue CO werden würde, hatte sie sich natürlich soweit möglich schlau gemacht. Der für sie einsehbare Teil von Lymas Akte war zumindest außergewöhnlich. Die Commodore hatte mehr Kampfeinsätze hinter sich, als beliebige zehn andere Sternenflotten-COs zusammen und ihr Schiff trotzdem immer erfolgreich heim gebracht. Selten allerdings ohne Verluste. Aus der Akte hatte sie das schon entnommen, was die Sylenerin ihr gerade gesagt hatte. Sie ging Risiken ein und dachte oft ‘out of the Box’. Andererseits hatte sie Erfolg und heute waren viele ihrer ehemaligen XOs Kommandanten ihrer eigenen Schiffe. Und das FKOM hatte sie zur Commodore gemacht.

“Ich werde mich bemühen.” brachte sie schließlich heraus, weil sie nicht wußte was die CO genau von ihr wollte? Das sie die Augen zudrücken sollte wenn die CO Gesetze brach?
Nicht zu wissen wie man sich verhalten sollte war für Katie eine Qual, Chaos hatte in ihrer Welt aus Recht und Ordnung nunmal keinen Platz. 

“Haben sie deshalb ihre schützende Hand über die Streunerin gehalten?” 

“Sie meinen, weil sie mich an mein junges ich erinnert?”
Sky nahm wieder einen Schluck um Zeit zu überlegen zu gewinnen:
“Das ist ganz bestimmt mit ein Grund, auch wenn der unbewußt war. Aber meine Überlegung war eine andere: Caitlyn ist mit der Station vertraut wie kaum ein anderer, und schon gar keiner von uns Flottenangehörigen und Außenseitern. Sie und ihre Erfahrung mit den bisherigen Gepflogenheiten unter den vorherigen Herren der Station und den Eigenheiten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen auf unserer Seite zu haben kann uns viele Fettnäpfchen und unnötige Konfrontationen ersparen, und so den Frieden schneller herbeiführen.”

Die Beweggründe der CO erschienen Katie logisch und sie fand es gut, das die CO ein gewisses Maß an persönlichem Interesse nicht kategorisch ausschloß und abstritt.
Dann wagte sie eine Frage, die sie seitdem sie die Akte von Sky gelesen hatte beschäftigte:
“Haben sie deshalb immer Erfolg gehabt? Weil sie Regeln nicht als unumstößlich sehen? Zumindest steht das in ihrer Akte, wenn man zwischen den Zeilen liest.”

Sky schwieg ein paar Momente:
“Ich habe schon immer die Mission und meine Crew über alles gestellt. Sie sind noch jung, Ensign. Sie haben bisher - relativ gesehen - noch nicht viel erlebt und sie sind von ihrer Familie vorgeprägt.”
Ob der großen Augen ihrer CSO lächelte Sky wieder schmal.
“Ja, ich habe ihre Akte auch gelesen. Irgendwann, hoffentlich bald, werden sie lernen, das nicht alles schwarz und weiß, gut und böse ist. Das es dazwischen viele, viele Abstufungen gibt."

Katie entspannte sich wieder. Das Kind einer Copfamilie zu sein war keine Schande, ganz im Gegenteil. Und das es manchmal nötig war, einen Deal mit dem Belzebub zu machen um den Teufel auszutreiben, hatte ihr ihr Vater schon seit klein auf eingebläut.

“Ich werde mich nach besten Kräften bemühen.” versprach sie daher ein weiteres mal.

“Gut. Noch Fragen?”

“Nein,... Skipper.”

“Gut.” Sky ging hinter ihren Schreibtisch, ließ sich in den Stuhl fallen und nahm ein Padd zur Hand.
“Wegtreten.” 


</RPG>


<SUM>

#Ort : Stern von Orion

#Zeit: MD 3.1600

Maggie verbringt noch eine letzte Nacht mit Jürgen und hat möglicherweise einen Auftrag an der Angel


#Zeit: MD 3.1725
#Ort: Terrestrische Anlagen, Deck 59, USB Midgard

Die Konfrontation zwischen der CSO und Maggie und Red ist... stürmisch


#Zeit: MD 3.2047
#Ort: Büro der CO, Operation Command (Brücke), USB Midgard

Das erste CO-CSO Gespräch verläuft anders als von Katie befürchtet.


</SUM>



Erdacht, geschrieben und dabei Spaß gehabt von:

Yvonne Renard, bald XO und Mara Jade, bald TAK und Skyla Lyma, schon CO


Also, Friddi... Mach was draus! ;)