Sesam öffne Dich


Jetsun Pema
 

Hallo,
 
<NRPG>
 
wieder ein klein wenig Action :)
 
Bitte fragt mich, bevor ihr Kee Seo Yeon oder Aleida Rosales schreibt. Das werden zwei NPCs von mir, mit denen ich noch mehr vorhabe.
Auch, wenn es jetzt noch nicht so danach aussehen mag. Danke :)
 
</NRPG>
 
 
<RPG>

#Ort: Station Midgard, untere Rumpfsektion
#Zeit: MD 2.1400

Sie hatten eine einstündige Rast gemacht. Die föderierten Raumkampfanzüge, die die vier Guardians trugen, hatten natürlich keine eingebaute Matratze. Truppen, die in diesen Anzügen unterwegs waren, mussten manchmal über viele Stunden darin verbleiben und da war es kein besonderes Vergnügen, in diese Anzügen zu schlafen. Dafür gab es kleine aufblasbare Zelte, doch hier, in diesen Wartungstunneln, waren die keine Hilfe. Außerdem hatten die vier Guardians eh keine dabei. Dafür aber eine aufblasbare Unterlage, auf der man ruhen konnte. Und daher hatten zumindest die beiden Frauen ihren Kampfanzug abgelegt.

Die Argentinierin, die hier mit dem Kampfnamen Kanja bekannt war, war in grüblerischer Stimmung. Seit der klingonische Truppführer K'orass gefallen war, hatte sich ihre Laune in einer Art Spiralflug befunden. Auf und ab, auf und ab.
Kanja wusste, dass Seo Yeon, ihre "Comandante", K'orass nicht ausstehen konnte, doch sie hatte ihn verehrt. Sicher, er war vielleicht nicht der Allerklügste, aber taktisch hatte er immens was auf dem Kasten gehabt. Und er war tapfer und kräftig. Ihn in einem Enterkommando einzusetzen, war bislang immer eine Garantie für einen Erfolg. Doch Seo Yeon hatte immer bemängelt, dass K'orass zu brutal war. Auch gegenüber der zivilen Bevölkerung. Doch sie fand das nicht. Wer sich gegen die Guardians stellte, musste eben mit Repressalien rechnen. K'orass mochte seinen Feinden gegenüber gnadenlos gewesen sein, doch Gnade verdiente nur, wer auch bereit zur Reue war. Und grundlos brutal war K'orass nicht gewesen. Nur eben kompromisslos. Dass er jetzt tot war, war ein herber Schlag für die Guardians, fand sie.

Frustriert seufzte sie. Jetzt war er eben tot. Und irgendwie fehlte ihr jetzt etwas. Eine Art Ziel. Ein Leuchtfeuer. Ein Punkt, auf den sie hinarbeiten konnte. Kanja stellte fest, dass sie K'orass wohl mehr als nur verehrt hatte. Ja, möglicherweise war sie doch ein klein wenig verliebt in ihn gewesen. Das wäre etwas gewesen... K'oras und Kanja. Nun, das war vorbei. K'oras gab es nicht mehr. Und Kanja... sollte alleine auch nicht länger existieren.
Die Argentinierin atmete noch einmal tief durch. Und beschloss spontan, ihren Kampfnamen abzulegen. Keine Kanja mehr!

"Wie lange noch, bis wir an unserem Ziel sind, Comandante?" unterbrach Becker ihre Grübeleien.

Er hatte wie alle den Funk deaktiviert und dazu noch das Visier hochgeklappt. So konnten sie kaum noch angepeilt werden.

"Kanja?" gab Seo Yeon die Frage an ihre Unterführerin weiter.

"Mein Name ist nicht Kanja!" erwiderte die Argentinierin lauter als gewollt. Sie war noch immer ziemlich fundamentalistisch drauf. In dieser Stimmung verfiel sie leicht in ihren nativen Dialekt.
"Ich heiße Aleida Rosales, che."

"Hä?" machte Becker und auch Seo Yeon drehte ihren Kopf zu ihr hin.
"Wie... Du heißt nicht Kanja? Seit wann das denn? Und wieso überhaupt?"

"Schon immer!" Die Argentinierin zuckte mit den Schultern.
"Ich wollte nur nicht, dass das bekannt wird. Kanja... das war so eine Art Kampfname für mich. Aber im Grunde bin ich das nicht wirklich, che?"

"Ich finde Kanja besser!" brummte Becker. "Aleida kann ich nicht richtig aussprechen."

Seo Yeon lachte laut auf. "Als ob das ein Grund wäre. Meinen Namen kannst Du ja auch nicht aussprechen."

"Brauch ich auch nicht. Du bist die "Comandante"! Das ist einfach."

"Das ist Aleida auch. Aber Du kannst nicht uns beide so ansprechen."
Dann wandte Seo Yeon sich an ihre Unterführerin: "Aber im Ernst, Kanja... Aleida... warum das jetzt? Was hat sich geändert?"

"Nichts..."

"Komm mir nicht mit Nichts. Hängt das mit unserer Situation zusammen? Was macht Dir zu schaffen?" Seo Yeons Stimme klang ein wenig strenger.

"Nein..."

"Kan... Aleida, ich muss das wissen. Ich muss wissen, ob ich mich noch auf Dich verlassen kann. Wenn Du jetzt wankelmütig..."

"Du kannst Dich auf mich verlassen, Comandante, che? Das konntest Du immer und wirst Du immer können! Ich... Es ist... etwas anderes,che?"

"Gut. Okay." Seo Yeon lehnte sich wieder zurück. Die Schärfe wich aus ihrer Stimme.
"Ich glaube Dir. Ehrlich!"
Seo Yeon hatte an der Klangfarbe der Argentinierin erkannt, dass sie es ernst meinte. Diese... Namensgeschichte hatte offenbar andere Ursachen. Nur was hatte sich geändert? Sie waren im EInsatz und nicht mehr im Training. Und sie waren abgeschnitten. Es hatte einen Kampf gegeben, aber an dem waren sie nicht beteiligt gewesen. Doch es hatte Tote gegeben. Vielleicht war der Name Kanja ja für einen der Jungs gewesen, die da vorhin erschossen worden waren. Möglich wäre es. sogar recht wahrscheinlich. Und Seo Yeon überlegte, ob Kanja wohl irgendeinen der Guardians so gut kannte. Erwähnt hatte Kanja... also Aleida nie einen im Speziellen. Nur dass sie diesen Schwachkopf Krass verehrte. Und das... war für die Koreanerin völlig unverständlich.
"Sprich mich an, wenn Du darüber reden willst, okay?"

"Ja. Das mache ich, Comandante. Versprochen, che?"

"Gut!" Seo Yeon nickte. Aleida, das wusste sie, hatte eine revolutionäre Ader. Für die waren die Grim Guardians so eine Art "poder revolucionario". Die gegen die imperialistischen Mächte kämpften. Seo Yeon hatte das immer belächelt. Aleida musste hier irgendetwas völlig falsch verstanden haben. Oder sie war hoffnungslos idealistisch. Denn wenn die Grim Guardians Revolutionäre waren, dann... dann waren die Klingonen das rote Kreuz. Himmel!
Und die Föderation war nun wirklich kein Imperium, auch wenn die Sternenflotte mit ihrer streng hierarchischen Ordnung vielleicht so anmuten mochte. Aber die Guardians waren nicht weniger hierarchisch und dabei deutlich aggressiver. Das wiederum schien Aleida nichts auszumachen.

Seo Yeon schmunzelte vor sich hin. Aleidas politische Ideen schienen irgendwie aus irgendwelchen verstaubten, antiquierten Büchern zu stammen, die komplett den Bezug zur Realität hinter sich gelassen hatten. Allerdings musste die Koreanerin zugeben, dass dies Aleida nicht weniger sympathisch machte. Eher mehr.

"Eh... Aleida?" kam jetzt von Ross.

"Ja?"

"Was bedeutet dieses... che... was Du da dauern sagst?"

"Was?"

"Du sagst dauernd diese Silbe. Che. Gefühlt in jedem dritten Satz. Vor allem, wenn Du so spanisch rumnuschelst. Was bedeutet das?"

"Ich nuschel doch nicht. Und ich sag auch keine... Wörter. Einfach so. Ich bin doch nicht blöd!"

"Nein, ehrlich. Becker? Hast Du doch auch gehört, oder?"

"Ja. Ross hat Recht. Sagst Du dauernd."

Aleida seufzte tief. Mist! Da war wieder ihr nationales Erbe durchgeschlagen.
"Das ist... nur so eine Art Füllwort. So, wie Becker dauernd "Gelle" sagt. Oder Näch. Mehr ist das nicht! Vergesst es einfach."

"Nee, ist schon okay. Ist auch nicht schlimm oder so. Eigentlich sogar ganz niedlich."

"Ich bin nicht niedlich, che!"

Die Antwort war einfach nur Gelächter!

"Schon gut, che! Mach Dir keinen Kopf, che!" frotzelte Becker.

"Ich höre das schon gar nicht mehr, Che. Che-che!" bekräftigte Ross und lachte dabei meckernd.

"Te voy a pegar una hostia que te van a salir los dientes de la boca como palomitas, che!" fluchte Aleida und griff nach ihrer Waffe, musste aber ebenfalls lachen.
"Ich zeig Dir gleich, was che bedeutet, du... du.. näch, gelle, oder was?"

Wieder gemeinsames Gelächter. Und irgendwie war die Stimmung danach sehr viel gelockerter.

"Aleida? Magst Du uns nun sagen, wie weit es noch ist?" fragte Seo Yeon dann nach einer Pause. Und musste grinsen. Aleida hatte ihren Spitznamen weg.

"Ja, Comandante. Einen Augenblick." Sie zückte ihren Armband-Computer und prüfte kurz nach.
"Wir müssen noch etwa 32 Ebenen hoch. Und dann, knapp unterhalb der Untertassensektion nach Außen. So schnell, wie wir uns hier bewegen können, werden wir das bis zum Abend schaffen."

"Gut. Müssen wir aber nicht. Wir begeben uns in die Nähe und warten dann die Ruheperiode ab." bestimmte Seo Yeon.


#Ort: Station Midgard, mittlere Rumpfsektion
#Zeit: MD 2.2230

So langsam hatte Seo Yeon diese Wartungstunnel über. Immer musste man krabbeln oder klettern. Ausstrecken konnte man sich immer nur der Länge nach hin oder wenn es aufwärts ging. Und das war in den Raumkampfanzügen mit all dem Geraffel, was sie dabei hatten wirklich kein Vergnügen. Andererseits waren sie ja auch nicht zu ihrem Vergnügen hier.

Sie waren so gegen 20:00 an ihrem Ziel angekommen und hatten dann ihre Kampfanzüge ausgezogen. Dieses Mal hatten auch die beiden Männer mitgezogen und alle vier hatten schweigend auf ihren verhältnismäßig weichen Unterlagen geruht. Ross war sogar eingeschlafen, wie man an seinen gleichmäßigen Atemzügen erkennen konnte. Aleida war völlig verschwitzt und wünschte sich ein schönes, heißes Bad. Die Aussicht darauf aber war ausgesprochen düster. Sie hatte keine Ahnung, ob sie hier wieder so schnell von der Station wegkommen würden.

Um halb elf Ortszeit piepte Seo Yeons Armbandgerät und die Koreanerin rollte sich herum.
"Dann wollen wir. Ross? Schau mal nach, ob da wer in der Nähe ist.

"Ja, Comandante." Ross war ihr Erkunder. Gut bewaffnet, hatte er auch noch ein Aufklärungs-Kit dabei. Dazu gehörte ein Motion-Tracker, der aber anzupeilen war. Deshalb wurde er selten genutzt. Einfacher war eine optische Aufklärung über eine endoskopische Kamera. Damit war Ross in der Lage, fast jede Dichtung zu durchdringen, ohne dass sie bemerkt wurde.

So auch hier. Nach einer kurzen Durchsicht über den kleinen Bildschirm nickte Ross. "Alles ruhig."
Becker bestätigte das mit einem Passivscan. "Keine auffällige elektrische oder drahtlose Aktivität."

"Gut!" Seo Yeon machte Aleida Platz, die sich daran machte, die Tür zu knacken. Doch dann hielt sie noch einmal die Hand hoch. Alle drei sahen zu ihr hin.
"Noch einmal: Hier wird es wirklich gefährlich. Wir werden diesen Raum nicht betreten können, ohne dass wir einen Alarm auslösen. Das ist nicht zu vermeiden.
Worauf wir hoffen können ist, dass niemand diesen Alarm bemerkt. Immerhin ist dieses Labor keine offizielle Einrichtung der Sternenflotte, sondern der Guardians. Und das auch nicht direkt. Wir hatten den Raum verpachtet. Im Grunde ist das hier nur ein Lagerraum.
Dennoch müssen wir davon ausgehen, dass irgendjemand den Alarm bemerken kann. Muss nicht, aber kann. Also gehen wir vom worst case aus. Das bedeutet, dass wir schnell sein müssen.
Becker, Du sicherst das Hauptschott. Ross, Du checkst die äußere Umgebung. Ich will wissen, wenn da wer kommt. Wie viele und wie gut bewaffnet. Aleida, Du kümmerst Dich um den Probenbehälter. Der ist stark gesichert. Ich kümmere mich um die Daten und den Transfer. Wir werden das so machen: Ich ziehe die Daten auf den mobilen Speicher runter und übertrage sie dann auf unsere Armband-PADDs. Wenn wir in Gefahr geraten, wenn jemand von uns kampfunfähig wird, gefangen oder getötet, muss jeder andere in der Lage sein, über sein APADD das desjenigen zu löschen. Richtig löschen. Das ist ein neunfacher Überschreibungs-Algorithmus. Verstanden?"

Alle nickten. Sie hatten das schon mehrfach durchgesprochen, verstanden aber die Notwendigkeit, es sich noch einmal zu vergegenwärtigen.

"Gut!" Auch Seo Yeon nickte. "Sobald wir die Probe und die gesicherten Daten haben, lösche ich den Hauptspeicher des Labors ebenfalls rekursiv. Und dann ziehen wir uns schnell, aber geordnet wieder zurück.
Alle bereit?"

"Moment noch!" Ross hob die Hand. "Ich steige wieder in den Kampfanzug. Ich kann meinen Kram darin genauso gut machen. Bin dann aber besser geschützt und kann uns notfalls auch besser verteidigen."

"Ich auch!" bestätigte Becker. Schnell und methodisch schlüpften beide Männer wieder in ihre Kampfanzüge, ließen aber das Visier noch auf. Im Alarmfall würde sich dieses selbsttätig schließen.

"Bereit!" - "Bereit!" kam dann die Klarmeldung.

Aleida machte sich an das Deckenluk, schloss ihren APADD an und navigierte sich geschickt durch das Root-Menü, zu welchem sie die Admin-Zugangsdaten hatte. Das waren BIOS-Daten, die sich nur manuell und unter größeren Umständen ändern ließen. Es war nicht zu erwarten, dass die Sternenflotte dabei einmal rangehen würde. Das würde für eine Station dieser Größe auch bei vollem Personalstand Jahre dauern.
"Fertig!" rief sie dann und ließ das Schott aufklappen. Darunter ging das Licht des Raumes an, der überraschend sauber war. Anders als die Wartungstunnel, durch die sie stundenlang gekrochen waren, schien es da überhaupt keinen Staub zu geben. Alles wirkte klinisch sauber.

Seo Yeon sprang als erste hinunter. Nicht nur, weil sie die Truppführerin war, sondern weil ihre Tätigkeit auch am längsten dauern würde. Direkt danach kam Aleida, gefolgt von Ross und Becker. Alle vier gingen schweigend an ihre Positionen. Seo Yeon schloss ihren APADD über Kabel an den Adminport des Rechners an während Aleida ihren Autoschrauber zückte und sich daran machte, die Probenklappe abzumontieren. Ross platzierte seine Endoskop-Kamera, Becker blieb einfach nur in Bereitschaft, jederzeit irgendwo einzuspringen.


#Ort: Station Midgard, Operationszentrale
#Zeit: MD 2.2245

In der Operationszentrale bemerkte der diensthabende Wachoffizier, Lieutenant Rak'esh ein Signal auf einem der Displays. Er drehte sich zu seiner OPS um. "Commander, wir haben hier einen Alarm. Haben Sie eine Ahnung, was das ist?"

Veronique machte einen langen Hals. Dann schüttelte sie den Kopf. "Nein, ehrlich gesagt nicht. Wo ist das?"

Lieutenant Rak'esh rief schnell eine schematische Darstellung der entsprechenden Sektion der Station auf. "Lagerräume. Für Handelsware. Vielleicht noch Ausrüstungen. Der exakte Bereich... Moment..."
Er sah auf. "Das ist ein ungenutzter Lagerraum."

"Veronique seufzte. Das kann alles mögliche sein. Entweder wird da Schmuggelware gelagert und einer will die klauen. Vielleicht auch Diebesgut. Kann aber genauso gut sein, dass sich Leute niederlassen wollen. Oder ein Plätzchen für ein Schäferstündchen suchen."
Veronique zuckte mit den Schultern. "Haben wir ein Team in der Nähe?"

"Ja. Zwei... nein, vier Leute. Die können in fünf bis zehn Minuten dort sein."

"Sie sollen nachsehen. Aber keinen Stress. Wenn es einfach nur Schmuggler sind, dann sollen sie nur die Personalien feststellen. Drücken wir heute ein Auge zu."

"Ja, Ma'am." Rak'esh lächelte ein wenig schief.
"Manchmal sollte man es einfach auch mal gut sein lassen."

"Sie sagen es!"


#Ort: Station Midgard, mittlere Rumpfsektion
#Zeit: MD 2.2250

Nach etwa fünf Minuten kam die Frage von Becker: "Wie weit ist der Datentransfer? Ich habe noch nichts empfangen!"

"Daten werden noch geprüft und gepackt. Der erste Durchlauf ist durch, jetzt wird die Checksumme verglichen. Müsste gleich losgehen."

"A, ja. Kommt. Paket eins ist unterwegs und wird runtergeladen!"

Ross und Aleida schauten ebenfalls kurz auf ihr APADD und widmeten sich dann wieder ihren Aufgaben. Vor allem die Argentinierin hatte mit ausgesprochen fest angezogenen Halteklammern zu kämpfen.

"Comandante, was ist das hier eigentlich für ein Labor?" fragte Ross.
"Ganz ehrlich, mir kommt das alles irgendwie... romulanisch vor!"

"Ist es auch!" Seo Yeon warf einen kurzen Blick auf ihr APADD-Display, wo gerade der zweite Datenblock abgeschlossen und zur Übertragung vorbereitet wurde, während der dritte Block geladen wurde. Jetzt konnte sie reden.
"Aber nicht wirklich. Also ja, die Technik ist romulanisch, aber die Betreiber waren keine Rommies, sondern einfach, äh, freischaffende Wissenschaftler. Eierköpfe. Die mit den dicken Brillengläsern."
Sie lachte kurz auf. "Sie haben sich den geilsten Scheiß hier gekauft, der für Geld zu kriegen war. Egal wo, egal von wem. Und das war natürlich geheim. Aber nicht geheim genug, um es vor mir zu verbergen."

"Und was wurde hier geforscht?" fragte Becker dann nach.

"Naniten! Nano-Sonden." erwiderte Seo Yeon.

"Naniten?" Aleida sah auf. "Ist das nicht..?"

"Illegal? Ja. Die Föderation verbietet sowas streng. Außer natürlich für die Sternenflotte. Aber freie Forscher sind da am Arsch. Deshalb haben sie dann ja auch hier geforscht. Und deshalb sollen wir die Daten und die Probe ja auch sichern. Und dann alles hier löschen."
Sie sah auf ihr APADD. "Drei durch. Vier kommt. Zwei Pakete noch."

Aleida nickte. Romulanisch. Daher diese ungewöhnlichen Schraubverschlüsse. Anders herum gedreht und keine metrischen Maße. Aber sie hatte alles, was sie benötigte, immer zur Hand. Nur jetzt...
"Comandante, kannst Du mir mal helfen? Hier klemmt etwas ganz gehörig!"

"Sicher!" Seo Yeon drehte sich zu ihrer Unterführerin, die ja direkt neben ihr kniete. Die äußere Klappe war schon ab. Auch ein dahinter befindliches Sicherungssiegel hatte Aleida schon gelöst. Jetzt kämpfte sie mit einer Halterung, in der ein Glastubus steckte.

"Hier gegendrücken, che?" schnaufte die Argentinierin. "Ich brauch beide Hände für diese blöde Klemme. Die sitzt sowas von fest..."
Aleida nahm einen T-Handschrauber, setzte ihn an und griff dann mit beiden Händen zu.

"Wir bekommen Besuch!" erklang dann Ross' Stimme.
"Zwei... nein, vier Leute. Sternenflotte. Gepanzert. Schwere Waffen. Sie suchen hier."

"Einfach weitermachen." befahl Seo Yeon. Dennoch gefiel ihr das nicht. SO schnell hätte hier keiner sein sollen. Angeblich hatte die Sternenflotte doch kaum Präsenz auf der Station. Naja, vielleicht eine zufällige Patroullie. Dennoch dauerte ihr alles viel zu lange. Sie hätte schon lange fertig sein wollen.

"Letztes Paket läuft ein!" gab Ross durch. Also war der Download fertig. Gut!

"Kommst Du jetzt klar?" fragte Seo Yeon Aleida, die verbissen nickte.

"Gut!" Die Koreanerin wandte sich wieder ihrer Aufgabe zu und gab das Löschkommando ein. Mit rasender Geschwindigkeit wurde der gesamte Speicher der Laborstation zunächst mit Nullen überschrieben. Danach kamen Einsen. Und so weiter bis zur Neun. Hier würde niemand mehr irgendwelche Daten vorfinden.
Währenddessen kämpfte die Argentinierin immer noch mit der letzten Schraube.


*** vor der Tür ***

Die zwei Zweiertrupps der Sternenflottensicherheit hatten sich gerade getroffen und verglichen ihre Erkenntnisse.
"Die Lagerhalle da vorne. Die hatte das Signal gegeben." meinte Truppführer Eins.

"An dem Türterminal ist nichts zu sehen." meinte sein Kamerad von Trupp zwei und trat an die Tür heran. "Der Raum ist leer und versiegelt."

"Schauen wir einfach mal nach?" schlug Eins vor.

"Die Tür ist versiegelt. Das ist Privatbesitz. Dafür brauchen wir einen Durchsuchungsbefehl"

"Dein Ernst?"

"Ist so. Diese Station ist eben halb zivil. Oder mehr als halb. Ich schlage vor, das zu melden und bei der CSO nachzufragen."

Eins schüttelte den Kopf. Dann fiel ihm etwas auf. Er schaute wieder zu dem Terminal an der Tür zur Lagerhalle.
"Lass mich mal was gucken!" sagte er und zückte eine kleine Stablampe.

"Was willst Du denn..?" begann sein Kollege, doch Eins grinste nur, riss dann seinen Arm mit der Stablampe hoch, schaltete sie mit einem Dreifachklick auf maximale Intensität und leuchtete direkt in den klitzekleinen Zapfen, den er eben neben dem Terminal bemerkt hatte. Der Zapfen flutschte ruckartig zurück.

"Was war das denn?" fragte Zwei verwirrt.

"Ein Endoskop!" erwiderte Zwei. "Da drin sind Leute. Wie es aussieht, keine Siedler und auch kein Pärchen für ein Schäferstündchen. Eher Finsterlinge, die etwas zu verbergen haben und dabei gleichzeitig den Eingang überwachen. Ich habe sie geblendet.
 

*** drinnen ***

"Mist!" Ross zog das Endoskop zurück und guckte auf den nun schnellweiß leuchtenden Minibildschirm.
"Wir wurden entdeckt. Die haben doch tatsächlich die Endo-Kamera bemerkt." Er schüttelte den Kopf. "Und mir die Optik ruiniert. Ich glaub, die Kamera ist kaputt. Das kriege ich heute nicht mehr in Gang."

"Egal, wir sind hier gleich fertig." erwiderte Seo Yeon, so ruhig sie konnte. "Aleida?"

"Gleich. Ich habs gleich, che?" keuchte die Argentinierin. Endlich hatte sie einen der Zughaken an die richtige Stelle platzieren können. So ein verflucht kompliziertes Drecksteil...

"Comandante," meinte Becker und deutete auf die Deckenluke über ihnen, durch die sie eingestiegen waren. "Du solltest schon mal wieder nach oben hoch. Du hast die Daten. Sichere sie!"

Seo Yeon kaute kurz auf ihrer Unterlippe, dann nickte sie. Becker hatte Recht. Keine Zeit für dummen Stolz. Die Mission zählte. "Gut!"
Mit einem Satz sprang sie hoch zur Deckenluke und zog sich hinauf in den Wartungstunnel.

In dem Augenblick erklang ein metallenes Scheppern und ein Plumpsen, als Aleida rückwärts auf ihr Hinterteil fiel. "Que mierda!" fluchte sie unbeherrscht, dann hustete sie heftig.

Die anderen drei starrten sie wie betäubt an. Die Argentinierin war in eine dunkle Staubwolke gehüllt, die sich nach und nach auf ihr niederschlug. Mit der linken Hand versuchte sie, den Staub fort zu wedeln, während sie weiterhin heftig hustete. Dann war die Wolke fort.

"Che, was zum Teufel war das?" fragte Ross irritiert.

"Esta maldita estación!" ereiferte sich Aleida, dann kriegte sie sich wieder halbwegs ein.
"Diese verdammte Station. Da drinnen ist alles völlig verdreckt. Erst klemmt diese blöde Schraubklemme und jetzt ist dieses Teil auch noch kaputt!"
Sie sah auf zu Seo Yeon. "Vergiss die Probe. Die ist Schrott. Da ist nichts zu holen!"

"Bist Du sicher?" fragte Seo Yeon zurück, die deutlich blass geworden war.

"Ja!" erwiderte Aleida und sackte ein wenig in sich zusammen. Ihr Werkzeug glitt aus ihrer Hand und klapperte zu Boden.

"He, da drinnen! Aufmachen. Sofort. Kommt ohne Waffen heraus, dann lassen wir euch gehen. Habt ihr verstanden?"

"Die Feds sind da!" erklärte Becker unnötigerweise.


*** vor der Tür ***

"Sie reagieren nicht!" meinte Truppführer Zwei.
"Und nun?"

"Vergiss den Durchsuchungsbefehl! Vorgehen wie üblich. Blendgranate rein, dann Phaser auf Betäubung. Kein Risiko eingehen. Du mach schnell Meldung."
Er wandte sich an seine Begleiterin. "Sally!"

"Alles klar, Sir!" Die junge PO zückte ein kleines Gerät, das an ein Hängeregal erinnerte und haftete es durch einfachen Druck an das Schott. Dann steckte sie sorgfältig zwei sogenannte Flash-Bangs in spezielle Halterungen auf dem "Regal" und entschärfte sie.
"Ist bereit!" gab sie an ihren Truppführer zurück.

"Was in drei Teufels Namen ist das?" fragte Nummer Zwei, nachdem er schnell eine entsprechende Meldung an die Sicherheitszentrale abgegeben hatte.

"Eine kleine Erfindung von Sally hier. Sie hat das Teil selbst aus einem alten 3D-Schachspiel gebastelt. Im Grunde ein kleiner Kurzstreckentransporter. Die zwei Flash-Bang-Granaten werden einfach auf die andere Seite der Tür gebeamt, wo sie dann hochgehen. Simpel aber effektiv. Danach können wir die Tür öffnen und die gestunnten Typen da drüben betäuben."
Er zuckte mit den Schultern. "Noch besser wären natürlich Betäubungsgranaten, aber sowas kriegen wir ja nicht. Also..."

"Sehr cool!" lobte Nummer Zwei und trat einen Schritt zurück.

"Sally, Energie!" befahl Nummer Eins und die PO drückte ein Knöpfchen auf ihrem Armbandgerät.
 

*** drinnen ***

"Ich versuch mal herauszufinden, was die da machen. Schau Du nach Che!"
Ross setzte sich rücklings gegen die Tür und drückte seinen Kampfhelm gegen die Wandung. Dabei schloss er das Visier, um jedes Außengeräusch abzuschirmen und lauschte. Becker kniete sich mit entsichertem Disruptor neben Aleida, bereit, falls die Tür aufgehen sollte und tastete nach ihrem Puls. Er war aber viel zu nervös, um etwas zu fühlen.

Plötzlich flimmerte etwas in Ross' Helm. Dann blitzte es da drinnen zweimal grell auf, so dass selbst Becker kurzzeitig geblendet war. Ross schrie gellend auf, zuckte konvulsivisch, dann rutschte er seitwärts vor der Wand zu Boden, während aus zwei Löchern in seinem Helm schwarzer Qualm hervorquoll.
Dann glitt das Schott zur Seite und zwei Gestalten tauchten in der Türöffnung auf.
Becker feuerte augenblicklich und eine der Gestalten ging schreiend zu Boden.
Dann wurde es hässlich.

Seo Yeon erkannte sofort, dass hier etwas ganz fürchterlich schief gegangen sein musste. Becker war eindeutig tot. Aleida sah auch aus, als ob sie komplett kampfunfähig war und die Koreanerin fürchtete das Schlimmste. Und Becker schien komplett durchzudrehen, und den Kampf aufzunehmen. Oder wollte er ihr nur Zeit gewinnen?
Wie auch immer, Seo Yeon schloss die Deckenluke unter sich und ließ sie verriegeln. Dann gab sie das Kommando in ihren APADD ein, die Daten aus den Armbandgeräten der Anderen zu überschreiben. Dann kroch sie, so schnell sie konnte, davon. Ihren Kampfanzug ließ sie zurück. Sie würde ihn nicht mehr brauchen. Sie hatte es verbockt. Sowas von verbockt.


Es dauerte nur 20 Sekunden, dann war das Feuergefecht vorbei. Vorsichtig drangen die zwei Truppführer in die angeblich leere Lagerhalle ein, während der dritte Mann nach Sally sah. Neben ihr gab offenbar noch zwei Tote. Sally war von einer tödlichen Disruptorsalve getroffen. Da war nichts mehr zu machen. Der Todesschütze dagegen war nur betäubt, würde aber, da er von mindestens drei Salven getroffen worden war, so bald nicht wieder zu sich kommen. Dann war da noch ein weiterer gepanzerter Schütze, dessen Kopf offenbar halb verbrannt war, wodurch auch immer. Und eine junge Frau lag auf dem Boden und starrte aus blicklosen Augen ins Leere. Ein kurzer Check ließ klar werden, dass auch sie keine Lebenszeichen mehr zeigte.

Truppführer Eins war stocksauer, als er einen kurzen Bericht über seinen Kommunikator abgab. Ein Bergungstrupp würde die drei Toten einsammeln. Den betäubten Schützen hätte er gern einfach durch die nächstbeste Luftschleuse befördert, jedoch würde es deutlich mehr Sinn machen, ihn später zu befragen. Immerhin war es interessant zu erfahren, wieso hier in dem angeblich leeren Lagerraum eine Art Labor eingerichtet war. Und was diese drei Typen hier zu schaffen gehabt hatten.

Den zusätzlichen Raumanzug fand erst die Spurensicherung.

</RPG>


<SUM>

#Ort: Station Midgard, untere Rumpfsektion
#Zeit: MD 2.1400

Ein kleiner Stoßtrupp der Guardians macht sich bereit, sein Ziel zu erreichen.


#Ort: Station Midgard, mittlere Rumpfsektion
#Zeit: MD 2.2230

Der Trupp erreicht die Lagerhalle über die Wartungstunnels und macht sich bereit, über eine gesicherte Deckenluke einzudringen.


#Ort: Station Midgard, Operationszentrale
#Zeit: MD 2.2245

In der Operationszentrale bemerkt man den Alarm, den das Öffnen der Deckenluke auslöst und schickte eine Patrouille um das zu überprüfen.


#Ort: Station Midgard, mittlere Rumpfsektion
#Zeit: MD 2.2250

Die angeblich leere Lagerhalle entpuppt sich als geheimes Labor.
Der Stoßtrupp der Guardians kopiert alle Daten aus dem Laborrechner und löscht die Originaldaten dann. Doch beim Entfernen einer Probe kommt es zu einem Missgeschick.
Dann taucht die Patroullie auf und bemerkt den Einbruch. Bei einem dann folgenden kurzen Feuergefecht gibt es drei Tote. Die Truppführer der Guardians kann unentdeckt entkommen.

</SUM>

submitted by
Isabelle