Fiktion und Wirklichkeit


Jetsun Pema
 

<RPG>

#Ort: Bereitschaftsraum der Kommandantin a.k.a. "Sky's Lair"
#Zeit: MD 3.2130

Einen frühen Feierabend... überhaupt Feierabend, das gab es selten, wenn man der CO einer Einheit war. Egal, ob der Kommandant eines Schiffes oder gar Kommandant einer ganzen Sternenbasis. Vor allem dann, wenn diese Sternenbasis nur zur Hälfte wirklich im Besitz der eigenen Kräfte war. Dennoch hätte Sky gern mal so langsam abgeschaltet.
Richtig bewusst wurde ihr das, als sich das Interkom meldete und sie erkannte, dass der Anrufer die CSO ihrer Station war: Katie Duncan. Die Frau, die sie vorhin noch gehörig zusammengefaltet hatte.
Sky sammelte sich kurz, dann nahm sie das Gespräch an. "Ja, Ensign Duncan?"

"Skipper, ich habe da noch etwas für Sie. Eine Gefangene." fiel Katie wie üblich mit der Tür ins Haus.

"Eine Gefangene? Schon wieder? Sie sind fleißig." Sky musste an die kleine Caitlyn denken und fragte sich, ob die CSO ihr jetzt noch eine weitere Streunerin aufs Auge drücken wollte. Sozusagen als kleine Rache.

"Es ist... sagen wir... Kriegsgefangene. Es handelt sich um Comandante Aleida Che Rosario. Sie wünscht auch mit der Kommandantin dieser Station zu sprechen. Ich kann mir vorstellen, dass Sie das auch interessieren würde. Immerhin ist diese Comandante gesprächsbereit und aus ihren Aussagen lassen sich auch hochinteressante politische Rückschlüsse ziehen."

"Eine Offizierin also. Und sie ist eine von den Grim Guardians?" fragte Sky zurück. Dass diese Piraten eine militärische Organisation - oder zumindest so etwas in der Art - hatten, war ja naheliegend. Von daher wäre es in der Tat interessant, sich mal mit einem von deren Captains oder so zu unterhalten.

"Ja, Skipper. Sie hatte nach eigener Aussage den Stoßtrupp angeführt, der diese Lagerhalle als Ziel gehabt hatte. Sie haben davon gehört."

Das hatte Sky in der Tat. Und es ärgerte sie, dass es offenbar auf ihrer eigenen Station noch so viele "black boxes" gab. Es wurde wirklich langsam mal Zeit, dass hier wieder Ordnung reinkam.
"Gut. Wenn sie reden will, höre ich gerne zu."

"In Ordnung, Skipper. Ich schicke sie dann zu Ihnen.
CSO out!"

Sky konnte sich irren, aber irgendwie klang Katies Stimme bei diesem letzten Satz amüsiert.


#Ort: Bereitschaftsraum der Kommandantin a.k.a. "Sky's Lair"
#Zeit: MD 3.2147

Die junge Frau, die in ihren Bereitschaftsraum geführt wurde, wirkte immerhin nicht gefährlich. Sie war schlank, recht hübsch und trug einen olivfarbenen Kampfanzug, der allerdings schon einmal bessere Zeiten gesehen hatte. An der linken Brust oberhalb der Taschenklappe prangte ein einzelner fünfzackiger roter Stern. Ob das ein Rangabzeichen oder eine Meinungskundgebung war, verschloss sich der CO. Die Haare der jungen Frau waren allerdings ziemlich verwuschelt, so als ob sie schon eine ganze Zeit lang keine Dusche mehr gesehen hatte. Ihre Hände waren vor ihrem Körper mit Handfesseln gebunden. Und ihre zwei Bewacher machten keine Anstalten, sie aus den Augen zu lassen.

"Danke, meine Herren," nickte Sky den beiden zu, nachdem sie militärische Grüße ausgetauscht hatten. "Sie können dann draußen warten. Und nehmen Sie der Gefangenen noch die Handschellen ab."
Die zwei wussten, wann ein Befehl ein Befehl war und vor allem, wann man einen solchen Befehl nicht in Frage stellen sollte, und zogen sich entsprechend zurück.

Sky hatte unmittelbar nach dem kurzen Gespräch mit ihrer CSO die Akte über diese Gefangene erhalten und sie schnell quergelesen. Und ein paar Aussagen angestrichen.
"Comandante Rosario, ich bin Commodore Lyma der Sternenbasis 61. Sie hatten um dieses Gespräch gebeten. Bitte sehr. Nehmen Sie doch Platz."

Aleida hatte nicht ernsthaft erwartet, dass dieser etwas spontanen Bitte ihrerseits so schnell stattgegeben würde. Daher war sie nicht wirklich darauf vorbereitet. Aber sie wusste wenigstens, was sie erreichen wollte und daher nahm sie Haltung an und grüßte militärisch.
"Commodore Lyma. Ich danke Ihnen, dass Sie mich empfangen haben."
Dann setzte sie sich.

Sky erwog kurz, ihr einen Espresso anzubieten, doch dann entschied sie sich dagegen. Nichts, was diese Frau getan hatte, rechtfertigte ein solches Entgegenkommen.
"Und, was kann ich nun für Sie tun?"

"Ma'am, ich protestiere gegen den Status einer gewöhnlichen Kriminellen, die Sie mir hier aufoktroyieren." begann sie und stockte dann, als Sky die Hand hob.

"Zur Kenntnis genommen." erwiderte die Commodore.
"Noch etwas?"

Aleida rollte theatralisch mit den Augen. "Wenn dieses... Gespräch weiter so verläuft, werden wir sehr schnell fertig werden." meinte sie.

"Das wäre doch nicht so schlecht, oder?" fragte Sky süffisant nach. Das hatte ja schon einmal geklappt. Sie liebte es, ihre Counterparts zu überrumpeln, indem sie anders reagierte, als diese es wahrscheinlich erwarteten.

"Für Sie, möglicherweise. Aber... ach, für mich eigentlich auch. Immerhin sehe ich mich dann ja in meiner Meinung bestätigt." erwiderte Aleida leicht ätzend.

Sky lächelte leicht. Dazu hatte sie schon etwas in der Akte gelesen. "Welche Meinung? Dass ich eine diktatorisch regierende Autokratin bin?"

"Ah, ihnen wurde ein Transkript meiner Unterredung mit ihrem Kettenhund übermittelt?
Doch ja, genau das meinte ich."

Kettenhund... dachte Sky und musste ein wenig grinsen. Okay, das war böse.
"Dann versuchen Sie mich doch einmal zu überzeugen, dass ich falsch liege, Miss."

"Na gut. Fangen wir damit an, dass die Föderation und die Sternenflotte kein Recht mehr auf diese Station haben. Und dass ihre, wie sie es nennen, Rückeroberung ein willkürlicher Gewaltakt war. Eindeutig ein Verbrechen gegen jedes geltende Völkerrecht."

Sky grinste ein wenig böse.
"Wie kommen Sie denn darauf? Die Station gehörte der Sternenflotte. Immerhin wurde sie von ihr gebaut und finanziert. Und die Sternenflotte hatte nie den Anspruch auf sie aufgegeben. Oder haben Sie da irgendetwas Schriftliches?"

Jetzt lächelte Aleida. "Die Sternenflotte hatte die Station geräumt. Und die zivilen Einwohner schlicht und einfach im Stich gelassen. Sie ist abgezogen und hat hier alles verfallen lassen. Sie hat jegliches Recht auf diese Station verwirkt."

"Staats- Straf- und Zivilrechtlich schlichtweg falsch." erwiderte Sky, eher amüsiert.

"Nein, Commodore. Wenn eine Besatzung ihr Schiff aufgibt, egal ob auf See oder im All, so wird es zur herrenlosen Sache. Und da die Sternenflotte ihr gesamtes Personal hier abgezogen hatte, hat sie damit das Recht auf Besitz und Eigentum abgegeben. Das vor allem, da diese Station nicht im Föderationsraum stand. Nicht nach Abzug der Besatzung."

"Das ist Unsinn!" erwiderte Sky. "Und Sie wissen das."

Aleida zuckte mit den Schultern. "Das ist geltendes Recht. Und, Commodore, ich... wir alle sehen das auch genauso. Und schon allein unsere Sicht der Dinge rechtfertigt, dass Sie nicht einfach hier aufkreuzen und sich die Station mit Waffengewalt holen. Selbst, wenn sie vor einem Gericht der Föderation juristisch Recht bekommen, war diese Art der gewaltsamen Eroberung dennoch ein verbrecherischer Akt."

"Sag diejenige, die hier mit ihrer Besatzung einfach Sicherheitskräfte umbringt."

"Verzeihung, aber wir haben nicht mit dem Töten begonnen!"

"Sie haben auf unsere Sicherheitsfrau geschossen. Einer Ihrer Leute."

"Ja, nachdem sie einen unserer Leute mit Brandgranaten grausam umgebracht haben!
Wir haben uns nur gewehrt."

Sky hob eine Augenbraue. Interessant. So stand das nicht in dem Dosier.
"Gut, Comandante Rosario. Dann berichten Sie mir doch bitte einmal, wie sich das alles Ihrer Ansicht nach zugetragen hat."

"Was? Den Kampf? Oder die gesamte Kriegssituation hier?"

"Erst einmal den Kampf."

"Den habe ich nicht persönlich mitbekommen. Ich wurde ohnmächtig bevor die Kampfhandlungen begannen."

Ah! Das war schon wieder mal interessant. Gut für dieses Mädchen. Dann hat sie selbst wenigstens keine aktiven Gewalttaten begangen.
"Und woher haben Sie dann Ihre Erkenntnisse?"

"Mein Untergebener, Trooper Becker, der Schütze, hat mir davon berichtet. Wir wurden zusammen, äh, untergebracht."

"Und was sagt er? Sie können sich sicher vorstellen, dass wir den Wahrheitsgehalt seiner Aussage zumindest stark in Zweifel ziehen werden."

"Sicher. Aber Sie können das durch Ihre Leute und den automatische Aufzeichnungen, die Sie natürlich haben, überprüfen lassen.
Ma'am, wir haben uns ohne jede Anwendung von Gewalt zu dem Labor vorgearbeitet. Und wir haben uns dann darin verschanzt. Erst als Ihre Leute diese Brandgranaten wie auch immer in Ross' Helm zur Explosion brachten, änderte sich unsere Situation."

Sky kaute ein wenig darauf herum. Ihr Ansinnen war es ja nicht, diese Frau fertig zu machen oder der Lächerlichkeit preiszugeben, sondern eine möglichst korrekte Sicht der ganzen Angelegenheit zu erlangen.
"In Ordnung. Ich werde das überprüfen.
Möchten Sie mir sagen, was Sie überhaupt in diesem Labor gesucht haben? Wir haben inzwischen eine ziemlich konkrete Vorstellung, nach was da geforscht wurde. Auch nachdem Sie und Ihre Leute alle Daten vernichtet haben. Das aber war es nicht, was sie da wollten, nicht wahr? Denn das hätten sie deutlich schneller erledigen können."

"Sie können es sich vorstellen, nicht wahr? Natürlich haben wir die Daten zuvor gesichert."

"Und wo sind sie jetzt?"

"Schon weit weg. Außerhalb Ihres Zugriffs."

"Schade. Damit hätten Sie sich eine Menge Pluspunkte einbringen können."

"Tut mir leid, Commodore, ich bin ebenso loyal meinen Leuten gegenüber, wie Sie es ihren Leuten gegenüber sind."

"Das wäre bewundernswert, wären Ihre Leute nicht einfach nur eine Bande gewissenloser Verbrecher."

"Wir sind keine Verbrecher! Oder Terroristen!" brauste Aleida auf.

"Staat sind sie auch keiner, nicht einmal Revolutionäre. Egal was immer sie über die Föderation denken, wir sind ein Staat. Völkerrechtlich, soweit das bei Nachbarn wie den Klingonen möglich ist, anerkannt. Sie hingegen sind... Eine Bande von Halsabschneidern und Opportunisten, die die Chance genutzt haben, sich etwas anzueignen, das zu betreten Sie nicht einmal das Recht hatten. Die Sternenflotte hat die Station niemals aufgegeben, sondern sie damals bis auf weiteres an die zivile Verwaltung übergeben. Dass eine Bande von Verbrechern die zivile Verwaltung ermordet und ihr eigenes Schreckensregime etabliert hat, ändert nichts an dem Fakt, dass die Föderation jederzeit das Recht hat, ihr Eigentum wieder in Besitz zu nehmen. Wenn sie mit mir schon versuchen Recht zu verdrehen, dann sollten sie die grundlegenden Fakten kennen."
Ihr Lächeln war kalt und emotionslos. Aleida schauderte. Es war plötzlich kalt.

"Sie und ihre Bande sind nichts weiter als Hausbesetzer. Von der übelsten Sorte noch dazu, denn nicht nur haben sie sich ein bewohntes Haus angeeignet, um bei der Analogie zu bleiben, nein, sie haben den rechtmäßigen Bewohnern des Hauses, in diesem Fall der Station, vorenthalten, was die Föderation als Eigentümer des Hauses ihnen zugestanden hat als sie ihre militärische Präsenz abgezog. Freie Benutzung der Infrastruktur der Station, freier Zugang zu Replikatoren und medizinischen Einrichtungen, Freiheit der Meinungsäußerung, Presse, der Berufswahl oder des Wohnortes. Schutz vor Verbrechern." sie grinste. "Aber von einer Bande von Verbrechern kann man auch schwer erwarten, das sie die Bevölkerung vor ihresgleichen schützt, oder?"

Aleida war fassungslos. Ermordet? Sie kaute immer noch auf diesem einen Satz herum. Den ganzen Rest dieser Litanei hatte sie kaum noch mitbekommen. Die zivile Verwaltung ermordet! Was für eine böse, gemeine Lüge!
"Schade." zischte sie, versuchte sich aber dennoch zusammen zu reißen. "Sehr schade, dass Sie es so sehen. Ich hatte gehofft, dass wir uns vielleicht irgendwie einigen könnten. Ich hatte es schon Ihrer... CSO gesagt und daher gehe ich einmal davon aus, dass Sie es schon wissen. Es wäre schön gewesen, wären Sie nicht sofort mit brutaler Gewalt über uns hergefallen, sondern hätten vielleicht zuvor das Gespräch gesucht. Denn anders als Sie das hier sehen, sehen wir uns sehr wohl als ein Staat, eine Nation. Und wir haben die Bevölkerung auf unserer Seite. Und wir haben niemanden ermordet!
Sie sind Sylenerin, habe ich recht? Zumindest heißt es das. Auf jeden Fall aber haben Sie keinerlei Ahnung von Geschichte. Irdischer Geschichte. Denn viele Nationen, auch große Nationen, wurden von anderen zunächst als Verbrecherbande angesehen. Ihr Dasein beruhte zunächst auf Illegalität. Aber was bedeutet das schon? Das Recht, wie es andere sehen, hat keine Bedeutung, wenn die eigene Bevölkerung einen klaren Wunsch hat. Und den haben Sie hier ganz eindeutig unterdrückt."

Das Lächeln, das sie als Antwort bekam, war alles andere als herzerwärmend.
"Da haben sie sogar recht, junge Dame. Aber sie vergessen, dass dieses - wie nannten sie es? Dasein auf Illegalität? nur darauf beruhte, dass sie entweder nichts hatten, was Andere wollten, oder dass sie militärisch stark genug waren, sich solange gegen ihre Nachbarn zu verteidigen, bis diese es als sinnvoller erachteten, in Frieden mit ihren neuen Nachbarn zu leben."

Sie sah sich um, machte eine umfassende Handbewegung.
"Ich sehe hier aber niemanden, dessen militärische Macht uns daran gehindert hätte, unser Eigentum wieder in Besitz zu nehmen. Sie etwa? Ganz abgesehen davon, wären sie denn freiwillig gegangen, wenn wir gekommen wären und gesagt hätten, dass wir unsere Station wieder brauchen?"

"Nein. Denn es war ja nicht Ihre Station. Doch wir hätten verhandeln können. Aber Sie waren ja nicht gekommen, um zu reden. Daher ist das ganze akademisch. Aber ich danke Ihnen, dass Sie uns immerhin insoweit anerkannt haben. Und dass Sie zugegeben haben, nur mit ihrer militärischen Macht hier ihren Besitzanspruch durchgesetzt zu haben. Sie haben damit - leider, muss ich sagen - bestätigt, was ich von Ihnen und von der Sternenflotte gedacht und erwartet habe. Nicht, was ich erhofft hatte. Sehr schade."

"Kein Problem." Sky grinste tatsächlich als sie aufstand und sich einen frischen Espresso machte, ehe sie fortfuhr:
"Ich nenne einen Verbrecher gerne einen Verbrecher, denn das trifft ja dann wohl die Fakten. Wenn sie stolz darauf sind, dass ihre Organisation als verbrecherische Vereinigung anerkannt wird, frage ich mich allerdings schon, wo ihre Werte liegen. Doch das ist ihr Problem, nicht meines. Aber zu ihrer Information: Das war nicht militärische Macht, das waren ganz normale Sicherheitsleute, die die Station wieder in Besitz genommen haben. Militärische Macht sieht völlig anders aus."

Aleida kniff frustriert die Augen zu und senkte den Kopf. Die Commodore hier hatte entweder überhaupt nicht zugehört oder überhaupt nicht verstanden, was sie zu sagen versucht hatte. Oder, was deutlich wahrscheinlicher war, sie spielte nur mit ihr. Machte sich nur über sie lustig. Sie verdammte, statt zu argumentieren. Nur zu verstehen, oder es zumindest zu versuchen, tat sie nicht.
Es war zum verzweifeln. Wie es aussah, war das hier alles sinnlos. Aber wie sagte man so schön: Sinnlos vom Ochsen mehr zu erwarten als Rindfleisch.
Na gut. Vielleicht, aber da war sie inzwischen auch weniger erwartungsvoll, vielleicht würde das föderierte Gericht ja ein klein wenig mehr Bandbreite in ihrer Sichtweise haben. Diese Sternenflotte hatte auf jeden Fall einen furchtbaren Tunnelblick.

"Sie kämpfen tapfer für ihr Geld und Ihre Privilegien. Schade, dass sie nicht so tapfer für echte Werte kämpfen."
Sie stand auf.
"Darf ich dann bitte wieder zurück in meine Zelle. Die Gesellschaft dort ist angenehmer als hier."

"Kein Grund, unfreundlich zu werden, junge Dame. Ich weiß bis jetzt ja nicht einmal, für welche Werte Sie so heroisch einzustehen glauben. Das Thema haben Sie bisher ja vermieden und stattdessen über Technicalities diskutiert. Aber nur weil Sie nicht willens sind, der Realität ins Auge zu sehen, müssen sie ihren Frust nicht an mir auslassen."
Doch die zwei Sicherheitsleute waren schon eingetreten und hielten die Handschellen hoch und Sky nickte ihnen bestätigend zu.

Aleida machte ein sehr verkniffenes Gesicht, als sie den Sicherheitsschergen ihre Hände hinhielt, damit die sie wieder fesselten. Diese Frau war hoffnungslos und würde sich wie alle Faschisten und Imperialisten schon bald auf dem Aschehaufen der Geschichte wiederfinden. Was für ein Jammer!
"Mich werden Sie töten können, Commodore. Aber gegen den Wunsch der Bevölkerung werden Sie nicht bestehen. Sie können den Wunsch nach Freiheit nicht aufhalten. Auch nicht mit all ihrer militärischen Macht!"

Als sie am Schott standen, hielt Sky sie allerdings auf.
"Moment."

Aleida drehte sich um, sagte aber nichts und sah Sky nur finster an.
"Sie sehen uns als Monster, die es zu bekämpfen gilt, weil wir die armen Menschen der Station unterdrücken und ihre Freiheit einschränken, oder?"

"Sie stellen sich selber so dar. Ja."

"Dann denke ich, Sie brauchen Perspektive. Eine andere als die, die sie jetzt haben."

Aleida sah sie nur wortlos an. Natürlich! Die _richtige_ Perspektive.

Sky hatte ihren Kommunikator aktiviert und sprach hinein. Dann, an die Wachen gewandt, deutete sie auf den Besucherstuhl und meinte: "Bringen Sie sie zurück und warten Sie draußen."

Die Gefangene wurde wieder in einen Sessel gepflanzt, diesmal jedoch ohne die Handschellen zu lösen und die Wachen verschwanden wieder.

Sky ignorierte Aleida und studierte ein anderes Padd, bis zwei junge Frauen herein kamen.
Aleida musterte sie kurz, als die eine, schwarz gekleidete, einfach um den Schreibtisch herumging und interessiert Skys Terminal studierte, während die Andere einfach vor dem Schreibtisch stehen blieb.
Sky schob die schwarze fast verspielt auf die Seite und deutete auf Aleida.

"Darf ich vorstellen? Das ist Aleida." Den Rest des Namens und den Rang ignorierte sie.
"Sie gehörte zu dem Trupp, der eine Sicherheitsfrau ermordet hat. Sie selbst ist daran aber nicht beteiligt gewesen."
Sifs Blick war für einen Moment dunkel geworden, klärte sich aber sofort wieder, während Caitlyn einen Schritt zur Seite machte und die sitzende Gefangene kalt musterte.

Davon unberührt fuhr Sky fort:
"Das sind Sif und Caitlyn. Sif ist eine Freundin und Caitlyn hat heute Mittag versucht, mich zu bestehlen."
Aleida starrte Sky nur finster an und presste ihre Lippen wütend aufeinander. Ermordet! Natürlich verbreitete diese... Kommandantin nur wieder weitere Lügen. Um diese beiden Frauen noch mehr gegen sie einzunehmen. Aber was hatte sie auch anderes erwartet!

"Ich möchte, dass ihr drei einen Rundgang macht. Durch den terrestrischen Bereich, dort die Impfstation besucht, oder die Feldstation der Krankenstation, die Essensausgabe. Ist mir eigentlich egal. Geht auf die Promenade, schaut euch alles an."

Sie sah auf, als die CSO auch noch herein kam.
"Ensign Duncan, ich möchte, dass Miß Aleida sich in Begleitung von Sif und Caitlyn frei auf der Station bewegen kann."
Ihre Stimme wurde plötzlich kalt.
"Ohne das sie abhauen kann, allerdings."

Katie kniff die Augen zusammen. "Sie halten das für eine gute Idee, Skipper?"

Sky lachte tatsächlich kurz laut auf. "Nein, Ensign. Absolut nicht. Aber es scheint mir das Risiko wert. Wenn ich recht habe, gewinnen wir alle. Wenn nicht, ist nichts dadurch verloren. Und wer weiß, vielleicht habe ich ja recht."
Sie sah Aleida an. "Vielleicht."

Diese kämpfte mit sich selbst. Ihr Stolz verbot ihr, auf diese Farce der Commodore einzugehen. Ihre Neugier aber wollte schon gern sehen, wie es jetzt auf der Station aussah. Und möglicherweise konnte sie ja doch irgendetwas dadurch gewinnen. Womöglich sah sie ja sogar Seo Yeon. Das wäre... ach, ein schönes Bild.

Katie seufzte. Dann nickte sie. "Kommen Sie mit. Wir werden Sie entsprechend präparieren."

Aleida blieb sitzen. Kämpfte immer noch mit sich und ihrem Stolz.

"Was ist? Brauchen Sie eine Extra-Einladung?" Katie nickte den beiden Sicherheitsleuten zu, die daraufhin Aleida an den Oberarmen packten und hochzogen.

"Ist gut!" rief Aleida, um dann leiser fortzufahren: "Ich tue ja, was ihr wollt."
Dann hob sie - stolz - ihr Kinn. "Und ich habe einen Namen."

"Ich weiß. Aleida. Und nun kommen Sie. Ich habe keine Lust, mir Ihretwegen die ganze Nacht um die Ohren zu schlagen."

"Jawohl, Katie!" erwiderte Aleida bissig. Die CSO sah sie kurz an, als ob sie ihr eine Ohrfeige geben wollte, tat dann aber nichts weiter, sondern ging einfach voran.

Sky nahm Sif noch schnell beiseite: "Pass auf sie auf. Aber halte Dich bitte zurück, ja?" flüsterte sie ihr zu.

"Ist gut." flüsterte Sif zurück. "Übrigens... diese Frau ist kein böser Mensch."

"Ich weiß. Sonst wäre sie schon wieder in ihrer Zelle."

Draußen vor der Tür trat Sif an Aleida heran. "Warum habt ihr diese Frau ermordet?" fragte sie ganz offen und mehr mit Neugier in der Stimme als mit Abscheu.

"Haben wir nicht. Das ist eine Lüge, die verbreitet wird, um die Leute hier gegen mich einzunehmen."

Caitlyn zischte kurz wütend auf, doch Sif erwiderte: "Das glaube ich nicht. Wenn Sky das sagt, ist das sicherlich nicht gelogen. Vielleicht weiß sie es nicht besser, doch auch das ist eher unwahrscheinlich. Was ist also geschehen?"

Aleida sackte wieder ein wenig in sich zusammen. "Das ist eine längere Geschichte. Die Kurzform ist, dass wir angegriffen wurden und uns gewehrt haben."

"Das ist die zu-Kurzform!" warf Katie schneidend ein.
"Tatsache ist, dass ihr in einen verschlossenen Bereich eingebrochen wart, um dort einen Diebstahl zu begehen. Und dass ihr dabei entdeckt worden wurdet. Und aufgefordert wurdet, euch zu ergeben, was ihr aber nicht getan habt. Alles, was dann folgte, habt ihr euch selber zuzuschreiben."

"Auch das ist wieder nicht wahr! Wir sind nirgendwo eingebrochen. Wir hatten die administrativen Codes. Weil all dies hier ja nach wie vor unser Eigentum ist! Natürlich konnten wir hier nicht einfach hereinspazieren und uns holen, was unser Eigentum ist. Denn ebenso natürlich hättet ihr Besatzer uns daran gehindert! Außerdem war das ganze eine militärische Operation."

"Eine militärische Operation..." Katie schüttelte angewidert den Kopf.
"Das war einfach nur ein Raubüberfall!"

Aleida knirschte heftig mit den Zähnen.
"Natürlich. Wenn es euch nicht passt, erklärt ihr alle eure Gegner einfach zu Verbrechern!
Warum macht ihr das nicht auch einfach mit den Klingonen? Ach richtig. Die könnten euch ja besiegen. Dann wäre das natürlich fatal. Dann könnt ihr euch ja nicht auf das Abkommen von Khitomer berufen. So ein Pech!"

Katie fuhr herum. "Sie halten jetzt ihren Mund. Oder Sie kommen sofort und ohne über Los zu gehen wieder in Ihre Zelle!"

Aleida presste wieder ihre Kiefer aufeinander, schwieg aber.

"Können wir die Grundsatzdiskussion auf ein andermal verschieben?", mischte Sif sich ein.

"Ja. Natürlich. Aber dennoch werde ich hier einfach nur nach Strich und Faden verarscht!"

"Wie kommst Du darauf?" wollte Caitlyn unschuldig wissen und mischte sich damit auch ein.

Katie verdrehte nur noch die Augen. "Klappe jetzt! Klärt das nachher, oder ich sperre euch alle drei ein! Dann könnt ihr euch in aller Ruhe austauschen!"
Was für eine Irrenanstalt sollte sie hier bloß beschützen? Eine suizidgefährdete CO die einer was-auch-immer Sif war und einer eingeborenen Diebin die Verantwortung über eine Grim Guardian Terroristin übergab. Und sie sollte verhindern, dass es zur Katastrophe kam! Naja. Wenigstens hatte sie dazu die Mittel.

In der Sicherheitszentrale wurde Aleida dann eine Art dünner Schal um den Hals gelegt.
"Das," erklärte Katie mit einem zufriedenen Lächeln, "ist eine administrative Fessel. Ein hauchdünner monomolekularer Draht in einem hübschen Tuch. Versuchen Sie nicht, diesen Draht zu kappen. Sie würden sich damit eher den Hals abschneiden. Außerdem ist daran eine Phaserladung gekoppelt, die Sie und alle im Umkreis von drei bis fünf Metern betäubt. Sie sehen, wir sind da sehr gemäßigt."
Mit diesen Worten drückte sie Sif einen kleinen Sender in die Hand. "Ein Knopfdruck, und die Phaserladung wird ebenfalls ausgelöst. Zusammen mit einem deutlichen Alarm."

Aleida starrte die CSO nur böse an und sagte nichts. Natürlich! Ein Sklavenring. Wenigstens war er hübsch.
Dann wurden Aleida noch die Handfesseln abgenommen und damit waren die drei Frauen entlassen. Zunächst schweigend und brütend gingen sie die Gänge durch die Station zum nächsten Turbolift, den Sif herbei rief.
Erst im Lift brach Caitlyn wieder das Schweigen: "Du bist wirklich von den Grim Guardians?"

Aleida sah das junge Mädchen ein wenig zweifelnd an. Dann nickte sie. "Ja. Ich bin Comandante Aleida Che Rosario, stellv..."
Mist!.. Verplappert!.. Egal!
"...stellvertretende Truppführer eines... naja, Spezialeinsatzkommandos. Ja."

Sie seufzte. "Und Du? Die... Commodore hat gesagt, Du hättest sie beklaut. Wieso bist Du dann hier und nicht in irgendeiner Zelle?"

"Ja... Es war heute Mittag," erzählte Caitlyn bereitwillig, "und ich war hungrig. Seit die Sternenflotte hier eingetroffen ist, hat sich soviel verändert. Ich konnte nichts von meinen..." sie zögerte einen Moment, suchte nach Worten, "...befreiten Gegenständen mehr zu Geld machen, weil all die Hehler untergetaucht sind."
Sie zuckte die Schultern. "Dann sah ich die Commodore, die völlig unbekümmert über die Promenade lief und mit Latinum nur so um sich warf. Ich beschloss sie davon zu befreien."
Ein schiefes Lächeln. "Sie erwischte mich buchstäblich mit den Fingern in ihrer Tasche. Aber anstelle die Sicherheit zu rufen, gab sie mir zu essen, verteidigte mich vor der Sicherheitschefin und brachte mich auf die Krankenstation. Danach hat sie mir sogar angeboten, für eine vernünftige Ausbildung für mich zu sorgen!"
Die Hybridin war sichtlich freudig aufgeregt: "Ich musste nichts für die Behandlung bezahlen! Und sie hat gesagt, dass das in der Föderation so normal sei. Früher habe ich immer versucht, nicht zum Arzt zu gehen, weil die so viel Latinum haben wollten." meinte sie noch kleinlaut.

Aleida kam das völlig unglaubwürdig. Nicht nur, dass sie sich sicher war, nicht die ganze Geschichte gehört zu haben, aber sogar der Teil, den sie erzählt bekommen hatte, schien falsch. Das klang nicht nach der gnadenlosen Faschistin, die sie kennengelernt hatte. Das war eher ein Propagandafilm als die Realität! Oder diese Commodore versuchte etwas zu kompensieren. War sie darüber hinaus auch noch eine Psychopathin?

"Und warum nun hattet ihr... ich meine, weshalb kam es nun zu diesem Todesfall?" fragte Sif noch einmal nach und wechselte das Thema zurück auf das Ursprüngliche. Das war für sie irgendwie die Krux. War das nun ein Unfall gewesen, eine Art von Notwehr, schiere Dummheit, ein Missverständnis oder einfach nur kaltblütiger Mord. Sif war gewiss keine Richterin, hatte aber ein stark ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden. Und sie wollte sichergehen, dass sie, aber auch Caitlyn, hier nichts falsch auffassten.

Aleida zuckte mit den Schultern. "Wir... sollten zu einem geheimen Labor vordringen. Dieses Labor gehört uns nicht, wohl aber der Raum, in dem es eingerichtet war. Den Raum hatten wir verpachtet. Daher war er auch besonders alarmgesichert. Aber wir hatten die administrativen Codes. Immerhin ist diese Station ja unser Eigentum."

"Aber ihr wurdet entdeckt."

"Ja. Als wir schon drinnen waren. Aber wir wussten nicht, ob sie wegen uns da waren, oder ob es nur eine zufällige Patrouille war. Also verhielten wir uns ruhig."

"Und dann?"

"Es stellte sich heraus, dass sie wegen uns da waren. Also gingen Becker und Ross in Verteidigungsstellung. Und ich... ich weiß nicht, was da passiert war. Ich habe irgendetwas kaputt gemacht. Was auch immer, ich verlor von einem Augenblick zum nächsten das Bewusstsein. Alles, was dann geschah, hat Becker mir erzählt."

"Becker? Der... Schütze?"

"Ja. Ross, der andere Mann, hatte sich mit dem Helm an der Tür platziert. Und dann ist wohl in dem Helm etwas explodiert. Brandgranaten, so schien es Becker. Er war dann so richtig sauer, hat er mir geschildert. Und als dann die Tür aufging, hat er das Feuer eröffnet."

Sif nickte. Sie hatte auf Skys Terminal den Bericht dazu gesehen. Auch die Schilderung der Sicherheitsleute. Dass sie Blendgranaten durch die Tür gebeamt hatten. Mit einem selbstgebauten Gerät. Dass diese Granaten ausgerechnet in dem Helm des Guardians rematerialisierten war nie geplant gewesen und hatte auch nicht erwartet werden können. Das war eindeutig ein Unfall. Dass der Guardian-Trooper daraufhin die Nerven verlor, war zwar grundsätzlich nachvollziehbar und in einem Kriegsfall auch verzeihbar. Nur war das hier ein Kriegsfall? Wohl eher nicht.
Wenigstens stimmte es, dass Aleida an dem Tod unschuldig gewesen war. Sie hätte ihn nicht einmal verhindern können, da sie ja bewusstlos gewesen war.
"Ich verstehe." sagte sie dann und die drei Frauen verließen den Lift und betraten dann die große Freifläche der Station, die in besseren Zeiten bestimmt einmal ein echtes Highlight gewesen war.


#Ort: die Promenade
#Zeit: MD 3.2200

Was früher eine gepflegte Parkanlage war, war inzwischen eine Art Unterstadt geworden. Zahllose Häuschen, Bretterbuden, Wellblechhütten oder auch nur provisorische Unterstände reihten sich aneinander und gaben den Bewohnern so ein Mindestmaß an Privatsphäre. Auf Freiflächen wurden tatsächlich Nahrungsmittel angebaut. Dazu wurden auch ein paar Kleintiere gehalten und alles wurde von misstrauischen Leuten bewacht.

Aleida war ein wenig erschüttert. Das hier sah viel zu sehr nach dem Armenviertel ihrer Heimat aus, in dem sie aufgewachsen war. Dann kamen ihnen zwei Sicherheitsleute entgegen und Aleida verkrampfte ein wenig, als sie die Uniformen sah. Doch die drei Frauen wurden einfach in Ruhe gelassen. Stattdessen scharten sich eine Handvoll Kinder um die Sicherheitsleute und bekamen tatsächlich ein paar Süßigkeiten, womit sie dann johlend wieder abzogen. Ja, die Schergen wurden von den Leuten hier sogar freundlich und dankbar angeschaut, von manchen sogar verhalten, aber freundlich gegrüßt. Aleida schüttelte ungläubig den Kopf. Zogen die etwa extra für sie hier eine solche Show ab? Aber wie würden diese Sternenflottenleute so viele der Einheimischen dazu bringen, da mitzuspielen?
Oder stimmte hier irgendetwas ganz und gar nicht?

Sie gingen weiter und die Argentinierin bemerkte einen feinen, recht leckeren Geruch nach warmem Essen. Offenbar wurde hier noch gekocht, obwohl es schon so spät in der Nacht war. Aleida, der die anderen beiden Richtung und Tempo ihres Ausfluges überließen, folgte diesem Essensduft und gelangte so zu einer Art Feldküche, die von zwei Starfleet-Leuten betrieben wurde. Das war im Grunde nur eine Art mobiler Feldreplikator, der zwar nur eine sehr begrenzte Auswahl an Speisen produzierte, die dafür aber nicht nur gesund waren, sondern auch in großer Menge zur Verfügung standen. Und die verdammt lecker rochen!
Aleida war etwas fassungslos. Sie ging zu den Leuten und sprach sie an: "Hallo! Ihr werdet hier verpflegt? Wieso das?"

Eine ältere Frau und ihr Mann, die beide mit einer Art Feldessgeschirr in der kurzen Schlange standen, sahen sie freundlich an. "Du bist neu hier? Willkommen!
Ja, wir werden hier gut versorgt. Komm, lass Dir auch etwas geben. Das Essen ist gut. Und sie geben es rund um die Uhr aus."

"Aber warum? Warum versorgt ihr euch nicht selbst?"

Der Mann zuckte entschuldigend mit den Schultern. "Ich bin alt. Und ich hatte diese verdammte Krankheit. Man hat mir keine Medizin gegeben und dann konnte ich meine Parzelle nicht mehr bearbeiten. Ich wäre einfach verhungert."

"Die Sternenflotte hatte Dich nicht heilen wollen?"

"Die Sternenflotte? Nein. Die Guardians. Man sagte mir, dass es nicht genug Medikamente gab. Und dass nur die nützlichen Leute damit versorgt werden könnten. Ich hatte nicht genug Geld. Also war ich nicht nützlich."

"Die Sternenflotte hat da hinten eine Impfstation aufgebaut. Du solltest Dich auch unbedingt impfen lassen!" rief ein Junge dazwischen. "Ich kann euch hinführen. Kostet auch nichts!"

Aleida schüttelte den Kopf. "Ich nehme nichts von... diesen Leuten."

"Das ist dumm, Kind. Und undankbar!" meinte die Ehefrau des Alten. "Ja, es waren schwierige Zeiten, aber jetzt werden sie eindeutig besser."

"Und sie haben meine Stella geheilt. Mein kleines Mädchen." rief eine junge Frau dazu, die ein schlafendes Baby in den Armen hielt. "Ich bin so froh."

"Danke, ich..." Aleida schüttelte den Kopf. "Ich muss gehen..." Es war mehr eine Flucht.

Sie ging einfach weiter an Leuten, die entweder zu so später Stunde noch auf ihren Parzellen arbeiteten, ihre Hütten ausbesserten oder schon zur Ruhe gegangen waren. An einer roh zusammengebauten Begrenzungsmauer zu einer Art Spielplatz machte sie halt und ließ sich zu Boden sinken. Dann sah sie Sif an.
"Was ist das für eine Show, die ihr hier abzieht? Was soll das Ganze? Wird hier eine Art Propagandafilm gedreht? Das macht ihr doch nicht nur extra für mich!"

"Das ist keine Show, Aleida." sprang Caitlyn ein. "Nichts hiervon ist gestellt. Ich hatte ebenfalls diese Krankheit. Aber bevor sie noch richtig ausbrechen konnte, wurde ich geimpft. Sky... also, die Commodore hat mich gefunden. Und aufgenommen. Ohne sie wäre ich, nun, vielleicht nicht gestorben, denn es gibt ja diese Impfstation. Aber ich weiß nicht, wo ich gelandet wäre. Vielleicht in einem dieser zahllosen illegalen Bordells."

Aleida schluckte heftig. Es fiel ihr schwer zu glauben, dass ausgerechnet diese arrogante Faschistin dieses Mädchen 'gerettet' hatte. Aber auch hierzu eine Show aufzuziehen? Nur wegen ihr? Das wäre ein unverhältnismäßiger Aufwand. Auch wenn sie eine Comandante war.
Sie sah zu Caitlyn. Das Mädchen war etwa 10 Jahre jünger als sie selbst. Und was es hieß, in illegalen Bordells arbeiten zu müssen, das wusste sie genau. Daran wollte sie nicht zurückdenken. Damals hatten die Guardians sie da rausgeholt und rekrutiert. Sie war sehr dankbar gewesen, auch wenn ihr klar war, dass sie nur weil sie so gescheit und belesen war, sie nicht zu einer Dienerin gemacht worden war.

"Was denkst Du?" fragte Sif neugierig.

"Ich weiß es nicht. Ich bin... verwirrt."

"Lass uns weitergehen!" Sif hatte dank ihrer Nachtsicht aus dem Augenwinkel eine... interessante Bewegung bemerkt. Und spontan beschlossen, das Glück herauszufordern.

Sie führte Aleida und Caitlyn, die sie an ihre Hand genommen hatte, zu einem Durchgang, der durch ein breites Tunnelstück zu einem Nachbarbereich führte. Hier hatte sie zwei Gestalten bemerkt, die dort geduckt entlang geschlichen waren.

Aleida war noch viel zu sehr in ihre Gedanken vertieft gewesen, um etwas zu bemerken. Plötzlich waren da zwei kräftige Burschen mit fies aussehenden Metallstangen in den Händen und versperrte ihnen den Weg. "Hallo Missies!" grüßte einer feixend.

Aleida sah auf. Was sie sah, beeindruckte sie nicht sehr. "Wer seid ihr und was wollt ihr?" fragte sie mit bestem Kommandoton.

Beide Burschen lachten. "Erstmal wollen wir eure Kohle. Und dann wär's schön, wenn ihr noch'n bisschen nett zu uns sein könntet. Wir hatten heute Nacht noch nicht das Vergnügen so süßer Gesellschaft."

Sif grinste nur, überließ aber erst einmal Aleida das Handeln, während Caitlyn hinter Sif Schutz suchte.
Aleida aber baute sich auf, beide Fäuste in den Hüften. "Ihr zwei Wichser solltet euch besser sofort verpissen. Ich bin Comandante Aleida Che Rosario von den Grim Guardians. Und wenn ihr nicht sofort weg seid, werde ich dafür sorgen, dass ihr an euren traurigen kleinen Schwänzchen aus der nächsten Luftschleuse geschleift werdet!"

Zu Aleidas Entsetzen brachen beide Burschen in schallendes Gelächter aus.
"Missi... Verzeihung, Comandante... hast Du den Wetterwechsel nicht bemerkt? Die Guardians sind weg. Die Looser haben den Schwanz eingezogen und sich einfach verpisst. Futschikato. Mit diesen Guardian-Drohgebärden kannst Du keinen mehr erschrecken."
Er lachte meckernd. "Ich weiß das, Comandante, weil ich selber einer war.
Und jetzt, Süße, zieh dich aus und mach die Beine breit, hast Du verstanden?"

Im nächsten Augenblick ruckte der Kopf des Sprechers nach hinten, als ihn Aleidas Tritt heftig erwischte. Den zweiten der Angreifer machte Sif auf ähnliche Weise kampfunfähig ehe er überhaupt wußte, was Sache war.
Dann stand Aleida da, starrte auf die beiden stöhnenden Gestalten... und brach in Tränen aus.

</RPG>


<SUM>
#Ort: Bereitschaftsraum der Kommandantin a.k.a. "Sky's Lair"
#Zeit: MD 3.2130

Die CSO, Ensign Katie Duncan, übergibt Commodore Lyma eine weitere Gefangene Grim Guardian zum Verhör.


#Ort: Bereitschaftsraum der Kommandantin a.k.a. "Sky's Lair"
#Zeit: MD 3.2147

Aleida wird von Sky verhört. Dabei versucht die Comandante die Commodore davon zu überzeugen, dass die Sternenflotte die Station Midgard unrechtmäßig in Besitz genommen hat. Dieser Versuch war von Beginn an zum Scheitern verurteilt.
Jedoch gelangt Sky zu der Erkenntnis, dass es sich lohnen könnte, Aleida die Chance zu geben, sich selbst von den tatsächlichen Gegebenheiten auf der Station zu überzeugen.


#Ort: die Promenade
#Zeit: MD 3.2200

Zusammen mit Sif und Caitlyn darf Aleida einen Rundgang über das ehemalige Promenadendeck der Station machen. Dabei sieht sie das Elend, welches bis vor kurzem noch hier geherrscht hatte und erkennt nach und nach, dass so einiges, was man ihr bei den Grim Guardians vermittelt hatte, ganz und gar nicht den Tatsachen entsprach.
Ein Zusammenstoß mit zwei ehemaligen Schlägern der Guardians gibt dann den Ausschlag.

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submitted by Isabelle und Skyla